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Frauenrechte

Malawi verbietet endlich Kinderehen

Flickr- Albert González Farran - UNAMID

Jetzt ist es endlich soweit: Kinderehen sind im südostafrikanischen Staat Malawi tatsächlich verboten worden.

Bisher konnten Kinder und Jugendliche schon mit 15 Jahren mit dem Einverständnis der Eltern heiraten. Doch ab jetzt darf niemand mehr unter 18 Jahren heiraten.

Es hat lange gedauert, bis das Gesetz umgesetzt wurde. Jahrelang haben sich Aktivisten für eine Änderung eingesetzt. Am 14. Februar stimmte das malawische Parlament dann endlich zu, die Verfassung zu ändern. Präsident Peter Mutharika unterzeichnete nun Ende April die Änderung der Verfassung. Mit der Unterzeichnung trat das neue Gesetz unter dem Namen „Marriage, Divorce and Family Relations Act“ endgültig in Kraft.

Laut dem amerikanischen Auslandssender Voice of America wird jeder, der nun ein minderjähriges Kind ehelicht, eine Haftstrafe von fünf Jahren verbüßen und gleichzeitig eine Strafe von umgerechnet 130 Euro zahlen müssen. Bisherige Schlupflöcher, die die Ehe mit Einverständnis der Eltern erlaubt haben, wurden ebenfalls gestopft.

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Jessie Kabwila, Vorsitzende des weiblichen Parlamentsausschusses, hat den Schritt zur Gesetzesänderung in höchsten Tönen gelobt.

„Die Verfassungsänderung spiegelt genau die Ambitionen wider, die das malawische Volk sehen will - und zwar, dass jegliche Form von Kinderehe verboten ist“, sagt sie. „Die Schlupflöcher, die es bisher gab, sind alle beseitigt worden.“

Derzeit werden ein Drittel aller Mädchen in Entwicklungsländern vor ihrer Volljährigkeit verheiratet. Jedes 10. Mädchen ist sogar unter 15. Bis jetzt hatte Malawi eine der höchsten Kinderehen-Raten: 2010 waren die Hälfte alle jungen Frauen zwischen 20-24 Jahren noch vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet worden. Das ‘International Center for Research on Women’ (Internationales Forschungsinstitut über die Rechte von Frauen) berichtet sogar, dass im kommenden Jahrzehnt 150 Millionen Mädchen noch vor ihrem 18. Geburtstag zwangsverheiratet werden. Mit Gesetzesänderungen wie in Malawi könnte allerdings diesem Trend entgegengewirkt werden.

Für den Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) gelten Kinderehen als Verstoß gegen die Menschenrechte. In Malawi muss mit dem neuen Gesetz nun sichergestellt werden, dass diese Verstöße so schnell wie möglich abgebaut werden. Gerade in ärmeren Gegenden gehören Kinderehen zum Alltag dazu. Häufig überreden Männer Familien, die in ärmlichen Verhältnissen leben, ihre Töchter zur Ehe freizugeben und versprechen im Gegenzug finanzielle Anreize.

Gambia, Mosambik, Sambia und Afghanistan haben ebenfalls in den letzten Monaten Gesetzesänderungen für den Verbot von Kinderehen veranlasst - oder wollen diese in den kommenden Jahren umsetzen.

Trotz des guten Willens gibt es aber immer noch eine Menge zu tun. Bangladesch hat zum Beispiel erst kürzlich ein Mindestalter zur Ehe abgeschafft: so lange das Einverständnis der Eltern vorliegt, können Minderjährige heiraten bzw. verheiratet werden. In Tansania können Männer bereits 14-jährige Mädchen heiraten - entweder mit Einverständnis der Eltern oder mit richterlichem Zuspruch.

Selbst Deutschland hat erst Anfang April einen Gesetzesvorschlag verabschiedet, der die Ehe von allen Personen unter 18 Jahren verbietet - bisher konnten Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren heiraten, sofern der Ehepartner volljährig war und der oder die Jugendliche ‘reif genug’ erschien.

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Überall auf der Welt gibt es sexistische Gesetze, die nach wie vor gelten. Aber: es gibt Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken: In Bangladesch setzen sich immer mehr Jugendliche dafür ein, dass das Ehegesetz geändert wird und ein kulturelles Umdenken stattfindet. Dafür gehen sie von Tür zu Tür und versuchen, die Familien davon zu überzeugen, dass eine Zwangsehe der falsche Weg ist.

Auch Tansania hat im letzten Jahr ein neues Gesetz eingeführt, dass jedem mit einer Gefängnisstrafe von bis zu 30 Jahren droht, wenn er ein minderjähriges Mädchen heiratet - leider ist das Gesetz noch nicht ganz wasserdicht, aber ein Schritt in die richtige Richtung ist bereits getan.

Global Citizen setzt sich dafür ein, dass ungerechte Gesetze, die Mädchen und Frauen diskriminieren, abgeschafft werden. Hilf uns dabei, werde aktiv und twittere tansanischen Abgeordneten, dem Beispiel Malawis zu folgen und die Schlupflöcher des Gesetzes endlich zu stopfen.