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Frauenrechte

In Gambia sind Kinderehen ab sofort verboten

Mishimoto

Seit Anfang Juli reiht sich Gambia nun in die Riege der Länder ein, in denen Kinderehen verboten sind. Am 6. Juli ließ Präsident Yahya Jammeh verlauten: „Ab heute ist jede Ehe mit einem minderjährigen Partner illegal”. Dass sich der Präsident des westafrikanischen Landes gerade diesen Tag für die Ankündigung des neuen Gesetzes ausgesucht hat, war kein Zufall. Denn dieser Tag war gleichzeitig auch das Ende des Ramadans und Gambias Bevölkerung ist zu 90% muslimisch. Die Fastenzeit gilt für Muslime weltweit als Monat der Veränderung und der Nächstenliebe.

Das Gesetz ist für das Land ein entscheidender Schritt, denn eines von drei Mädchen, das in Gambia verheiratet wird, ist jünger als 18 Jahre.

Ausschlaggebend für das neue Gesetz war vor allem der Einsatz von Gambias First Lady, Kinderehen auch in ihrem Land endlich als illegal zu erklären. Der Schritt des Landes ist Teil einer großangelegten Kampagne, die sich über den ganzen afrikanischen Kontinent erstreckt und bereits seit 2014 gegen Kinderehen kämpft. Seitdem haben sich sage und schreibe 14 Länder in Afrika der Bewegung angeschlossen, um Kinderehen ein für alle Mal zu beenden: Burkina Faso, Tschad, die Demokratische Republik Kongo, Äthiopien, Eritrea, Ghana, Madagaskar, Mali, Niger, Senegal, Sudan, Uganda, Simbabwe und nun auch Gambia. Auch die Regierung Tansanias hat erst vor Kurzem bekanntgegeben, dass jeder Mann, der ein minderjähriges Mädchen heiratet, bis zu 30 Jahre Haft fürchten muss.

In seiner Rede erklärte Präsident Yahya Jammeh, dass jeder, der ein minderjähriges Mädchen heiratet, mit einer Gefängnisstrafe von bis zu 20 Jahren rechnen müsse. Damit ist aber noch nicht Schluss: auch den Eltern des minderjährigen Mädchens droht diese Gefängnisstrafe.

„Wenn Sie nicht glauben, dass ich das neue Gesetz umsetzen werde, dann probieren Sie es doch morgen einmal aus und warten Sie die Konsequenzen ab”, so der Präsident.

Eine starke Regierung, die ebenso starke Gesetze erlässt, ist absolut notwendig, um Kinderehen weltweit endlich abzuschaffen. Vor allem auf dem afrikanischen Kontinent. Denn laut der Organisation „Girls Not Brides” befinden sich noch immer 15 der 20 Länder mit der höchsten Rate an Kinderehen in Afrika. Gerade deshalb brauchen die afrikanischen Länder Präsidenten wie Yahya Jammeh, die so stark Stellung beziehen.

Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisationen lobten die Entscheidung der gambischen Regierung. Manche von ihnen sehen allerdings die Verurteilung der Eltern kritisch. Obwohl die Gefahr einer Haftstrafe als Abschreckung dienen soll, fürchten manche, dass die mögliche Verurteilung der Eltern sich negativ auswirken und sie es schwieriger machen könnte, das neue Gesetz tatsächlich umzusetzen.

Alte Traditionen und kulturelle Werte, Armut, finanzielle Unsicherheit und Mangel an schulischer Bildung tragen dazu bei, dass es immer noch Kinder- und Zwangsehen gibt. Deshalb müssen alle Versuche, Kinderehen abzuschaffen, auch die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen, die die Eltern der Kinder erst dazu bringen, ihre Töchter in so jungem Alter zu verheiraten, miteinbeziehen.

Und dennoch: „Gambias jüngste Ankündigung, alle Ehen mit minderjährigen Mädchen zu verbieten, macht Hoffnung”, sagt Ruth Koshal, Vorsitzende von „Girls Not Brides”. „Doch Gesetze allein können die Kinderehen nicht beenden. Es ist auch wichtig, Mädchen zu stärken, ihre Rechte zu schützen und ihnen zum Beispiel durch Bildungsmöglichkeiten Alternativen aufzuzeigen, die auch von der Gesellschaft anerkannt sind.”

Nichtsdestotrotz ist Gambias Entscheidung ein wichtiger Schritt, der auch anderen Ländern zeigt, dass eine starke Regierung dazu fähig ist, Praktiken wie diese endlich einzudämmen. Der nächste Schritt muss sein, sicherzustellen, dass das neue Gesetz auch zu sozialer Gerechtigkeit im Land führt.