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Frauenrechte

Neues Gesetz in Tansania: bis zu 30 Jahre Gefängnis für jeden, der ein minderjähriges Mädchen heiratet

Tansania hat einen gewaltigen Schritt in Richtung Kinderschutz getätigt: Ab sofort muss jeder Mann, der ein Mädchen im schulfähigen Alter schwängert und / oder aber heiratet mit einer Gefängnisstrafe von bis zu 30 Jahren rechnen.

Sex mit minderjährigen Mädchen war zwar auch vor Einführung dieses Gesetzes eine Straftat in Tansania, aber bisher konnten Mädchen ab einem Alter von 14 Jahren mit der Erlaubnis der Eltern zwangsverheiratet werden. Der Sex in der Ehe war dann 'erlaubt'.

Das neue Gesetz ist also schon mal eine großartige Entwicklung, auch wenn immer noch einige Schlupflöcher existieren. So können Mädchen ab 15 Jahren mit dem Einverständnis der Eltern verheiratet oder aber mit 14 werden, wenn ein Gericht entscheidet, dass es sich um 'außergewöhnliche Umstände' handelt.
Man muss also ehrlich sagen, dass die Existenz dieser Schlupflöcher das neue Gesetz leider nicht ganz wasserdicht macht.

Aber das Signal, dass die Regierung mit der Einführung der Gefängnisstrafe aussendet, kann zumindest als sehr positiv bezeichnet werden und lässt auf weitere und wasserdichte Schritte für die Zukunft hoffen.

Außerdem folgt dieses Gesetz einer zuvor durchgesetzten Bestimmung in Tansania, die den Zugang zur Grund- und Mittelschule für alle Kinder ab sofort kostenfrei macht - mit besonderem Augenmerk auf Mädchen. In Kombination mit der Möglichkeit der Schulbildung und der Androhung hoher Gefängnisstrafe dafür, dass jemand ein schulfähiges Mädchen von der Schule fernhält, erhofft sich die tansanische Regierung ein Umdenken in den Köpfen der Eltern. Und natürlich neben dem Kinderschutz auch, dass mehr Mädchen eine Schule besuchen und abschließen.

Das Problem der Kinderheirat ist nämlich leider nicht allein dem Mangel entsprechender Gesetze zuzuschreiben. Oft ist es die kulturelle Einstellung einer Gemeinde bzw. der Eltern, dass Frauen weniger wert sind als Männer und Lesen und Schreiben für Mädchen als Zeitverschwendung angesehen werden. Auch extreme Armut kann dazu führen, dass Eltern ihre Tochter möglichst früh verheiraten wollen, damit diese von ihrem Ehemann versorgt wird und der Familie nicht mehr zur Last fällt.

Das neue Gesetz wird also auf die Zusammenarbeit mit den Schulen im Land angewiesen sein. Denn Lehrer sind oft die ersten, denen auffällt, wenn eine Schülerin plötzlich nicht mehr zum Unterricht erscheint oder aber schwanger ist.

Wenn es um Kinderheirat geht, haben Jungen deutlich weniger zu befürchten. Der Großteil der zwangsverheirateten Minderjährigen sind Mädchen, die wiederum an deutlich ältere Männer verheiratet werden. 
Einmal verheiratet, werden die meisten Mädchen dann gezwungen, die Schule abzubrechen, um sich um den Haushalt zu kümmern und recht bald dann auch um Kinder. Die Gefahren, die eine verfrühte Schwangerschaft mit sich bringen, weil der Körper noch nicht für eine Schwangerschaft bereit ist, sind dabei oft fatal.

Der Mangel an entsprechenden Gesetzen zum Schutz von minderjährigen Mädchen gehört zu den Hauptproblemen der weltweiten Geschlechterungleichheit. Denn ohne Bildung hat kaum ein Mädchen bzw. Frau die Chance, ihr eigenes Leben in die Hand zu nehmen, unabhängig zu sein, sich selbst zu versorgen und zum wirtschaftlichen Wachstum ihrer Gemeinde und letztendlich ihres Landes beizutragen. 

Im weltweiten Vergleich zählt Tansania zu den Ländern mit der höchsten Rate an Schwangerschaften bei Minderjährigen: 21% aller Mädchen gebären ihr erstes Kind im Alter zwischen 15 und 19 Jahren.

Das neue Gesetz in Kombination mit einem verstärkten Angebot an Schulbildung will dagegen vorgehen und wird hoffentlich in den kommenden Jahren Erfolg zeigen!