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Workers scan a box containing vials of the COVID-19 vaccine procured by the COVAX Facility at the Nnamdi Azikiwe International Airport in Abuja, Nigeria on March 2, 2021.
© Abraham Achirga Terngu/COVAX/UNICEF
AdvocacyArmut beenden

Wohlhabende Länder tragen Hauptverantwortung für die globale Verteilung von Impfstoffen


Warum das wichtig ist
Ein globaler Lösungsansatz ist entscheidend, um die COVID-19-Pandemie zu besiegen. Alle Menschen benötigen überall Zugang zu Impfstoffen, Behandlungsmethoden und Tests. Der derzeit vorherrschende “Impfstoff-Nationalismus” – das Horten von mehr Impfstoffdosen als für die Bevölkerung nötig ist – verhindert dies. Das Global Goal 3 der Vereinten Nationen (UN) zielt darauf ab, dass jeder Mensch Zugang zu Gesundheitsdiensten erhält und sein Wohlergehen gefördert wird. Fordere Bundekanzlerin Merkel hier dazu auf, diesem Ziel nachzukommen und eine gerechte Verteilung von COVID-19-Impfstoffen zu gewährleisten. 

Nur wenn alle Menschen überall Zugang zu COVID-19-Impfstoffen haben, sind wir in der Lage, die Pandemie zu besiegen. Dieses Mantra können wir nicht oft genug wiederholen. Doch wohlhabende Länder haben weiterhin das Monopol auf Lieferungen und priorisieren nationale Impfkampagnen. Durch dieses Verhalten sind doppelt so viele Menschen gefährdet und die Kosten können sich auf zusätzliche neun Billionen US-Dollar (rund 7,37 Billionen Euro) steigern.

Welweit wurden 2,02 Milliarden COVID-19-Impfstoffe verimpft, davon jedoch nur 0,3 Prozent an Menschen in Ländern mit niedrigem Einkommen. Die Anzahl der Todesfälle in Ländern mit niedrigem und mittleren Einkommen machten im Mai 30,7 Prozent der weltweiten Fälle aus — im Monat davor waren es 9,3 Prozent. Am deutlichsten wird dies bei der Betrachtung der Sterberate. Sie liegt in Afrika mit 48,2 Prozent viel höher als der weltweite Durchschnitt von 31,5 Prozent. 

Die Situation der letzten Monate in Indien erinnert auf dramatische Weise daran, welche Gefahr die ungleiche Verteilung von Impfstoffen mit sich bringt. So können sich leichter Mutationen des Virus entwickeln, die ansteckender sind und für die der aktuelle Impfstoff keinen Schutz bietet. 

Deutschland will 30 Millionen Impfstoffe an Länder mit niedrigem Einkommen abgeben

Der Global Health Summit am 21. Mai sowie das Treffen des Europäischen Rats vom 24. bis 25. Mai boten eine gute Möglichkeit für die Entscheidungsträger*innen, aktiv zu handeln und nach weiteren Lösungsansätzen zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie zu suchen. 

Bundeskanzlerin Angela Merkel verkündete hier, dass 100 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt für den “Access to COVID-19 Tools Accelerator” (ACT-A)  zur Verfügung gestellt werden. Insgesamt überschreitet der deutsche Beitrag nun die zwei Milliarden Euro-Marke.

Die Bereitstellung von Impfstoffen ist aber genauso wichtig wie finanzielle Zusagen. Daher will Deutschland zusätzlich 30 Millionen Impfstoffe bis zum Jahresende an Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen abgegeben haben. 

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Weitergabe von COVID-19-Impfstoffen so bald wie möglich 

Das sind erste positive Ergebnisse. Allerdings dürfen Deutschland und die EU mit der Weitergabe von COVID-19-Impfstoffen nicht bis zum Ende des Jahres warten. Spätestens sobald 20 Prozent der deutschen Bevölkerung vollständig geimpft ist, muss dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt werden. Aktuell liegen wir schon bei 20,1 Prozent (Stand 04.06.).

Zudem hat das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aufgerufene Independent Panel for Pandemic Preparedness and Response darauf hingewiesen, dass ein schnelleres Handeln nötig ist. Zur globalen Beendigung der Pandemie muss bereits bis Anfang September die Weitergabe von mindestens einer Milliarde Impfdosen vonstatten gehen. Deutschland sollte also so schnell wie möglich handeln.

Die Ergebnisse stellen die Weichen für den G7-Gipfel, der vom 11. bis 13. Juni in Großbritannien stattfinden wird. Zusätzlich zu Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, der USA, Kanada und Großbritannien, werden auch Staats- und Regierungschef*innen aus Australien, Indien und Südkorea sowie die EU eingeladen. 

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Bei diesem Treffen müssen die Mitgliedstaaten in folgenden Punkten aktiv werden:

Länder mit hohem Einkommen sollen bis Anfang September eine Milliarde Dosen abgeben

Dieses Jahr werden die EU-Mitgliedstaaten mindestens 690 Millionen Impfstoffdosen mehr haben, als sie benötigen, um 100 Prozent ihrer Bevölkerung zu impfen. Deutschland hat sich für das Jahr 2021 mehr als 290 Millionen Dosen der bereits vier zugelassenen Impfstoffe vertraglich gesichert. Diese Gesamtmenge reicht aus, um mehr als 150 Millionen Menschen zu immunisieren. Das ist fast doppelt so viel wie die eigene Bevölkerung. Nun sind 20 Prozent der Bevölkerung geimpft. Deutschland sollte also ab sofort seine Zusagen einhalten und Dosen über die Impfsäule COVAX abgeben. Zudem fordern wir, dass die EU zukünftig nicht mehr Dosen kauft, als für die vollständige Abdeckung der eigenen Bevölkerung notwendig ist. 

Einen fairen Anteil zur vollständigen Finanzierung des ACT-A beisteuern 

Der Generaldirektor der WHO, Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, verwies kürzlich auf eine Finanzierungslücke von fast 19 Milliarden US-Dollar (rund 15,54 Milliarden Euro) für 2021. Die G7 sollte den Großteil der derzeitigen Lücke so schnell wie möglich schließen. 

Für 2021 hat sich Deutschland bereits zu einem Beitrag von 2,2 Milliarden Euro verpflichtet und ist damit eines der ersten Länder, das seinen fairen Beitrag leistet. Die Bundesregierung muss jedoch sicherstellen, dass andere G7-Staaten nachziehen und gleichzeitig auch für 2022 die Weichen für eine Finanzierung stellen. 

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Alle notwendigen Mittel unterstützen, um die weltweite Versorgung mit COVID-19-Hilfsmitteln zu erhöhen

Insgesamt benötigt die Welt elf Milliarden Impfstoffdosen. Schätzungen zufolge befinden wir uns gerade bei 8,5 Milliarden. Die G7-Staaten sollten eine Vorreiterrolle einnehmen und alle notwendigen Mittel einsetzen, um die Produktion zusätzlicher Impfstoffdosen zu gewährleisten. Das kann durch die zeitweilige Aufhebung von Patentrechten für COVID-19-Impfstoffe, durch den offenen Austausch von epidemiologischen Forschungsdaten als auch durch die Sicherstellung ausreichender Produktionskapazitäten erreicht werden. 

Die G7-Staaten müssen ihren Kampf gegen den Coronavirus auf das nächste Level heben, indem sie jetzt Maßnahmen ergreifen. Es geht darum, jeden Menschen auf der Welt zu schützen, so viele Leben wie möglich zu retten und die Verbreitung von gefährlichen Varianten zu stoppen, die uns allen schaden werden. 

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Wenn auch du dich für eine gerechte Verteilung der COVID-19-Impfstoffe einsetzen willst, dann fordere die G7-Länder hier dazu auf, eine Milliarde Impfdosen an Länder mit niedrigem Einkommen zu teilen. 

Friederike Roder ist Vizepräsidenten für Global Advocacy bei Global Citizen, Eloise Todd ist Mitbegründerin der Pandemic Action Network und Emily Wigens ist EU-Direktorin bei The ONE Campaign.