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Greta Thunberg beim Weltwirtschaftforum 2020 in Davos, Schweiz. Bild: Markus Schreiber/AP
Umweltschutz

Greta Thunberg fordert Bundeskanzlerin Merkel bei Treffen zu mehr Verantwortung in der Klimakrise auf

Warum das wichtig ist
Der menschengemachte Klimawandel bedroht die nachhaltige Entwicklung der Welt auf vielfältige Weise. Durch immer öfter auftretende Dürren und Überschwemmungen werden Menschen weltweit zur Flucht gezwungen, sowie der Hunger und damit Armut verschärft. Darunter leiden vor allem Frauen und Kinder. Klima- und Umweltschutz dient daher nicht nur dem Planeten, sondern bekämpft Fluchtursachen und stärkt die Ernährungssicherheit und Gleichberechtigung weltweit. Werde hier mit uns aktiv für eine nachhaltige Welt.

Am Donnerstag lud Bundeskanzlerin Merkel Vertreterinnen der Fridays For Future-Bewegung zu sich ins Kanzleramt ein – auf den Tag genau zwei Jahre nachdem Klimaktivistin Greta Thunberg ihren ersten Schulstreik für das Klima vor dem schwedischen Parlament abhielt. Neben Thunberg waren die Mitstreiterinnen der Klimaschutz-Bewegung Luisa Neubauer aus Deutschland, sowie die beiden Belgierinnen Anuna de Wever und Adélaïde Charlier bei dem 90-minütigen Gespräch mit der Kanzlerin vertreten.

Anlass zum Feiern sahen die Fridays For Future-Vertreter*innen trotz Einladung der Kanzlerin zum Jahrestag der Bewegung nicht: “Wir feiern heute wohl den zweiten Jahrestag. Aber wir sind nicht die Art Leute, die ihre Zeit mit Feiern verbringen“, so Thunberg nach dem Treffen vor anwesender Presse. Vielmehr gehe es darum, Merkel als führende Politikerin in ihre Verantwortung für den Klimaschutz zu nehmen und "die Klimakrise als Krise [zu] behandeln”, so Thunberg. Dies betonte auch Neubauer: “Es geht um klare Ziele. Dafür brauchen wir Aktionen mehr als nette Worte.“

Zeit, den “zögerlichen Politikern in den Hintern zu treten”

Bereits im Vorfeld machten die Klimaschützerinnen ihre Erwartungen an das Treffen deutlich. Charlier brachte ihre Forderung gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) auf den Punkt: Sie wolle der Kanzlerin zeigen, “dass sie noch ein Jahr Zeit hat, um all den zögerlichen Politikern in Deutschland und Europa in den Hintern zu treten und wirkliche Klimapolitik zu machen.”

Greetings from Berlin!

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Um noch “Klimakanzlerin” zu werden, müsste sich Bundeskanzlerin Merkel tatsächlich beeilen. Die nächsten Bundestagswahlen stehen August 2021 an. Damit renne ihr die Zeit, das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens von 2016 umzusetzen, buchstäblich davon. “Angela Merkel müsste die Kanzlerin sein, die dafür sorgt, dass das Pariser Abkommen umgesetzt wird. Das wollen wir mit ihr besprechen”, so Neubauer gegenüber dem RND. Die Rolle Merkels für den internationalen Klimaschutzbetonte auch Thunberg: "Sie hat eine riesige Verantwortung, aber auch eine riesige Chance, so eine Anführerin zu werden.”

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Klimaaktivist*innen fordern Anerkennung des Ökozids auf EU-Ebene

Vor dem Gespräch im Kanzleramt lieferten die Klimaschützerinnen gleich die nötige Lektüre zur Vorbereitung mit. In einem offenen Brief mit dem Titel "Face the Climate Emergency" appellieren sie an die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union (EU), den sogenannten Ökozid zu einem internationalen Verbrechen zu erklären. Der Ökozid definiert die mutwillige Zerstörung der natürlichen Umwelt und den Verlust von Ökosystemen als Verbrechen gegen die Menschheit.

Durch eine offizielle Anerkennung jener Vorgänge auf EU-Ebene könnten Verstöße gegen den Umwelt- und Klimaschutz wie etwa verheerende Regenwald-Rodungen international stärker sanktioniert werden. Der Zeitpunkt für den Brief war sorgfältig gewählt: Deutschland sitzt bis Ende Dezember 2020 dem Rat der EU vor und hat damit die die Aufgabe, als Vermittler die Interessen der Mitgliedstaaten zu vertreten und die Europäische Union voranzubringen.

Zudem fordern die Klimaktivistinnen die Einstellung aller Investitionen in die Gewinnung und Subventionierung fossiler Brennstoffe. Unterstützung fand ihr Aufruf von rund 125.000 Menschen weltweit, darunter prominente Unterzeichner*innen wie Schauspieler Leonardo DiCaprio, Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai und Sänger Udo Lindenberg.

Thunberg und Merkel: Nicht das erste, aber vielleicht das letzte Treffen

Seit Beginn ihres Klimastreiks vor zwei Jahren wird Greta Thunbergnicht müde, führende Politiker*innen auf zahlreichen internationalen Gipfeln und Demonstrationen für den Klimaschutz wachzurütteln – so auch Angela Merkel bei ihrem ersten Treffen bei der UN-Vollversammlung 2019.

“Präsidenten, Premierminister, Könige und Prinzessinnen kamen und wollten mit mir reden“, so Thunberg auf der UN-Vollversammlung in New York. “Es wirkte, als hätten sie für einen Moment vergessen, sich dafür zu schämen, dass ihre Generation zukünftige Generationen im Stich gelassen hat.“

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Nach ihrer jetzigen Begegnung mit Thunberg und den Klimaaktivist*innen der Fridays For Future-Bewegung wies Merkel laut Neubauer darauf hin, dass sie sich als Physikerin den wissenschaftlichen Anforderungen des Klimaschutzes zwar bewusst sei, sie als Politikerin aber "die Komplexität der Lage berücksichtigen" müsse. Des Weiteren sicherte die Kanzlerin zu, die vorgetragenen Forderungen im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft entsprechend zu platzieren. Dabei ginge es vor allem um die angestrebte EU-Klimaneutralität bis 2050 und eine ehrgeizige Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen bis 2030.