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Mehr Platz für Menschen statt für Autos. Diese Städte zeigen wie's geht

Flickr: joiseyshowaa

Fast jede Stadt hat mit ihnen zu kämpfen: Autos. Allen voran die Städte, die ohnehin schon völlig überbevölkert sind. Es herrscht einfach viel zu viel Verkehr und der verursacht nicht nur endlose Staus, sondern auch Schlaglöcher in Straßen, ständige Reparaturen und Abgase, die der Umwelt - und dem Menschen - schaden.

Der hohe CO2-Ausstoß ist dafür verantwortlich, dass viele Menschen in städtischen Regionen Atembeschwerden haben und dadurch andere Krankheiten entwickeln. Das gilt vor allem in Städten in Entwicklungsländern, in denen es so gut wie keine Gesetze gibt, die die Autos oder den Ausstoß von Abgasen regulieren. Und wer denkt, er ist vor Abgasen geschützt, indem man selbst im Auto sitzt, der irrt gewaltig: wer im Stau feststeckt, atmet auch im Inneren des Autos die Abgase ein.

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Hinzu kommt die Tatsache, dass jährlich rund 1,3 Millionen Menschen durch Autounfälle ums Leben kommen. In Städten stellen Autos die größte Gefahr für Fußgänger, Radfahrer aber auch andere Autofahrer dar.

Kraftfahrzeuge sind aber auch noch etwas anderes: nämlich laut. Menschen, die in Städten oder an lauten Straßen wohnen, gewöhnen sich zwar mit der Zeit an das donnernde Geräusch des Verkehrs. Aber wenn man für längere Zeit diesem Lärmpegel ausgesetzt ist, kann das sehr erschöpfend und sogar schädlich für den Körper sein.

Ach ja, und die Liste der Nachteile geht weiter: Autos nehmen unwahrscheinlich viel Platz ein. Schon mal versucht sich vorzustellen, wie viel Platz überall wäre, wenn nicht die ganzen Autos wären?

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Würde man den ganzen öffentlichen Raum, der nur für Autos zur Verfügung gestellt wird (Straßen, Parkplätze etc.), zusammenrechnen, verschwenden Städte ca. 50-60% ihres Platzes

Darüber hinaus sind Autos noch nicht einmal wirklich vorteilhaft. Die meiste Zeit steckt man nämlich eh im Stau fest. Einwohner in und um Los Angeles zum Beispiel verbringen jedes Jahr ca. 90 Stunden im Stau. Der Durchschnitts-Brite verschwendet rund 106 Tage seines Lebens damit, einen Parkplatz zu suchen. Da fragt man sich doch, warum nicht mehr Menschen auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen.

Aufgrund dieser langen Liste an Nachteilen haben inzwischen viele Städte gesagt: genug ist genug, wir wollen keine Autos mehr.
Hier sind sechs Städte, die den Anfang gemacht haben. 

200 People in 177 Cars


Barcelona, Spanien

Barcelona gehört zu den besten Beispiele der “Autos raus aus Städten”-Bewegung. Trotz seiner ca.1,6 Millionen Einwohner hat Barcelona bestimmte Zonen in der Stadt gänzlich für Autos gesperrt. Diese Zonen heißen 'Superblocks', umfassen neun Häuserblocks und werden seit diesem September in Gärten, Markt- und Spielplätze umgewandelt. „Damit gewinnen wir die Straßen für die Menschen von Barcelona zurück”, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin Janet Saiz Cid gegenüber der New York Times.

Barcelona hatte in den vergangenen Jahren mit hoher Feinstaubbelastung zu kämpfen. Um die 3.500 Menschen sollen pro Jahr infolge der hohen Luftverschmutzung bereits gestorben sein. Hinzu kommt, dass 61% der Bevölkerung durch den Lärm des Verkehrs beeinflusst wird. Die Superblocks sollen das nun verbessern.

Für die Autos heißt das, sie müssen ab sofort andere Wege finden, um von einem zum anderen Ende der Stadt zu kommen. Lieferungen hingegen sind nur zu bestimmten Uhrzeiten erlaubt.


Oslo, Norwegen

oslo car free.jpgImage: Oliver Cole via Unsplash

Ein weiteres Vorbild in Sachen Nachhaltigkeit ist Oslo. Denn die Stadt verfolgt einen ambitionierten Plan: in nur vier Jahren sollen die Treibhausgasemissionen im Vergleich zum Jahr 1990 halbiert werden.

Um das zu schaffen, sollen Autos aus der Innenstadt ferngehalten werden. Taxis sowie öffentlichen Verkehrsmittel müssen bis 2020 auf alternative Energien - also zum Beispiel Elektromotoren - umgestiegen sein. Dem gegenüber hat die Stadt mehr Fahrradwege gebaut und die Parkgebühren in der Stadt erhöht, um die Menschen davon abzuhalten, mit den Autos in die Stadt zu kommen.

Oslo plant 42 weitere Maßnahmen, um die Abgase weiter zu verringern. Beim Klimagipfel in Paris im vergangenen Jahr zählte Oslo zu einer der zehn Pionierstädte in Bezug auf Nachhaltigkeit und durfte daher auch die Gespräche eröffnen.

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Mexico City, Mexico

Biker in Mexico City.jpgImage: Flickr- City Clock Magazine

Mexiko-Stadt lebt unter einer riesigen Abgasglocke. Versuche, etwas dagegen zu unternehmen, sind zäh. Eine Maßnahme zum Beispiel, alle Autos, die älter als acht Jahre waren, nicht mehr in die Innenstadt zu lassen, wurde vom obersten Gerichtshof wieder außer Kraft gesetzt.

Doch die Stadt gibt im Kampf gegen den Smog nicht auf. So führte sie zum Beispiel die „gerade und ungerade Tage”-Formel ein: an geraden Tagen (Datum) dürfen nur Autos mit geraden Endzahlen auf dem Nummernschild in die Innenstadt fahren, an ungeraden Tagen nur die mit ungeraden Zahlen. Anfang dieses Jahres führte Mexiko-Stadt außerdem einen Tag in der Woche als 'Autofreien'-Tag ein. Bereits über die Sommermonate hinweg konnte beobachtet werden, wie positiv sich dies auf die Feinstaubbelastung auswirkte.

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Neu-Delhi, Indien

delhi pollution_hero.jpgImage: Flickr: Jean-Etienne Minh-Duy Poirrier

Neu-Delhi gehört zu den Städten mit der höchsten Luftverschmutzung weltweit. Und guckt man sich Indien etwas genauer an, stellt man fest, dass 7 der 15 dreckigsten Städte der Welt in Indien liegen. Im ganzen Land sterben jährlich rund 600.000 Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung.

Das Hauptproblem lag vor allem an den stark lückenhaften bzw. fehlenden Gesetzen, die den Abgasausstoß der Autos regulieren sollten. Stattdessen verpesten uralte Dieselfahrzeuge immer mehr die Luft.

Doch Schritt für Schritt führt Indien neue Gesetze und Maßnahmen ein, um das Problem in den Griff zu kriegen. In Neu-Delhi dürfen zum Beispiel ein Jahr lang keine neuen Dieselfahrzeuge mehr angemeldet werden. Zudem hat die Stadt die Idee aus Mexiko-Stadt mit den „geraden und ungeraden” Tage übernommen. Außerdem müssen alle Taxis auf Gasantrieb umstellen.
Zugegeben, mit diesen neuen Maßnahmen kratzt man zwar nur an der Oberfläche des Problems, aber beweist, dass Indien die Luftverschmutzung langsam ernst nimmt und etwas dagegen unternehmen will.

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Paris, Frankreich

Paris in black and white.jpgImage: Flickr

Letztes Jahr war der Smog in der Stadt an der Seine zeitweise so schlimm, dass Paris die Notbremse zog: ein zeitweiliges Fahrverbot für Autos. Der Effekt stellte sich in nur wenigen Tagen ein: die Luftverschmutzung fiel in manchen Gegenden um gute 30%.

In den kommenden Jahren will Paris daher weitere Maßnahmen einführen. Wenn man zum Beispiel nicht in einer bestimmten Nachbarschaft wohnt, darf man bald nicht mehr mit seinem Auto in dieser Gegend rumfahren. Außerdem sollen Dieselfahrzeuge völlig von der Straße verschwinden. In manchen Stadtteilen - vor allem in denen, wo die Luftverschmutzung besonders hoch ist - sollen bald nur noch Elektroautos oder solche mit schadstoffarmen Motoren erlaubt sein.

Und für eine echte Verringerung der Luftverschmutzung ziehen in Paris tatsächlich alle an einem Strang: 60% aller Pariser besitzen schon gar kein eigenes Fahrzeug mehr (im Vergleich: 2001 waren es nur 40%). Und um Alternativen zum Auto zu bieten, will die Stadt mehr Fahrradwege bauen (und hat auch schon damit angefangen).

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Chengdu, China

airpolutionchina-vtpolywoda-flickr.jpgImage: Flickr, V.T. Polywoda

China wird zwar oft dafür verurteilt, dass es viel zu unachtsam mit fossilen Brennstoffen umgehen würde. Doch auf der anderen Seite investiert China auch stark in erneuerbare Energien - sogar mehr als Europa und die USA ZUSAMMEN.

China hat den Weg in die Nachhaltigkeit eingeschlagen, nachdem immer mehr Stimmen im ganzen Land laut wurden und die Regierung dazu aufforderten, entsprechend zu handeln.

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Derzeit zum Beispiel entsteht am Rande der Stadt Chengdu eine Satellitenstadt, in der die Menschen alles zu Fuß erreichen können. Das soll Autos somit überflüssig machen - mehr noch: die Hälfte aller Straßenbereiche wird nicht mal mehr für Autos zugänglich sein. Die Stadt soll 2020 fertiggestellt werden und könnte ein interessantes Modell für den Rest des Landes (und der Welt) sein.