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Umweltschutz

Too Cool for School: Lehrer macht sich für Verbot von Plastikbesteck stark

Deutschland ist Europameister! Ja, auch im Fußball, denn unsere U21-Mannschaft holte sich erst am Wochenende in Polen den ersehnten Titel. Deutschland ist aber auch in was ganz anderem Europameister: nämlich im Plastikverbrauch!

Mit 11,7 Millionen Tonnen verbraucht Deutschland so viel Plastik wie kein anderes Land. Um auf diese Zahl zu kommen, wird jede Art von Plastik gezählt: Plastiktüten, Plastikflaschen, Mikroplastik in Kosmetika, Kleidung aus Plastik und und und. Europa verbraucht sogar mehr Plastik als die USA – Spitzenreiter auf der Welt ist aber immer noch China.

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Wissenschaftler gehen davon aus, dass allein im Jahr 2010 bis zu 12,7 Millionen Tonnen an Plastik in die Meere und Ozeane gelangt sind - als hätte Deutschland seine gelben Säcke einfach in die Nordsee gekippt und auf dem Weg dorthin noch eine Millionen Tonnen Plastik aufgesammelt.

Das ist zu viel! Dieser Meinung sind mittlerweile viele Menschen in Deutschland.

Auch Thomas Koopmann, Lehrer am Hebel-Gymnasium in Pforzheim, hatte genug von der Plastikflut in Deutschland. Deshalb startete er auf der Kampagnen-Plattform ‚Change.org‘ eine Petition, die sich an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks richtet, um den Verkauf von Plastikbesteck und -geschirr bundesweit zu verbieten. Und Koopmann steht mit seiner Überzeugung nicht alleine dar: mittlerweile wurde seine Petition über 125.000 Mal(!) unterzeichnet.

Global Citizen hat mit Thomas Koopmann ein Interview führen dürfen und ihm auf den Zahn gefühlt.

Wie kommt ein Deutsch- und Geschichtslehrer eigentlich darauf, gerade eine Petition gegen Plastikbesteck und -geschirr zu starten?

Die Idee hatte zunächst gar nichts mit meinem Beruf zu tun, sondern entstand aus privatem Interesse. Als ich las, dass Frankreich Plastikbesteck und -geschirr ab 2020 verboten hat, war ich überrascht, dass wir in Deutschland bisher nicht auch auf diese Idee gekommen sind bzw. darüber noch nicht medienwirksam diskutiert haben. Dabei wäre ein solches Verbot ein deutliches und richtungsweisendes Zeichen, um die Menschen noch stärker für die Notwendigkeit eines nachhaltigen Lebensstils zu sensibilisieren.

Doch auch im schulischen Kontext beschäftigt mich das Thema mittlerweile, da SchülerInnen die Petition ohne mein Zutun online entdeckt haben und mir viele Fragen dazu stellen. Ich versuche, die Themen Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Gesundheit immer mal wieder in den Unterrichtsstoff einfließen zu lassen. [...] Ich erlebe mit großer Freude, dass Nachhaltigkeit und Umweltschutz das Interesse der SchülerInnen wecken und diese sich durchaus im Klaren darüber sind, dass die Erde auch ihr Lebensraum ist und sie selbst aktiv werden können, dürfen und müssen, um sie zu schützen.

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Kann unsere Gesellschaft das denn noch, ein Leben ohne Plastikgeschirr? Jetzt gerade im Sommer zum Beispiel während der Grillsaison?

Ein Leben ohne Plastikgeschirr oder sogar gänzlich ohne Plastik lässt sich natürlich nicht von heute auf morgen realisieren. Selbst ein Verbot von Plastikbesteck und -geschirr wäre zunächst nur ein Mosaiksteinchen – aber eines, das der Beginn eines sukzessiven Wandels sein kann. Doch das entscheidende Umdenken findet im Kopf eines jeden einzelnen Konsumenten statt. Ich denke da gerne an den schönen Aphorismus: „Was soll ein Einzelner schon ändern?“, fragte sich die Hälfte der Menschheit. Aber sicher ist: Wenn ich meinen eigenen Lebensstil ändere, beeinflusse ich immer und automatisch auch andere Menschen. Ein Leben ohne Plastikgeschirr erfordert lediglich zu Beginn ein wenig

Konditionierung und Umgewöhnung. Um auf die eigentliche Frage einzugehen: Wenn ich in der Lage bin, Pappteller, Plastikbesteck und Plastikbecher zu einem Grillfest mitzunehmen, warum kann ich dann nicht einfach stattdessen ein Camping-Geschirr-Set einpacken? Die gibt es mittlerweile platzsparend, leicht, umweltschonend und ohne gesundheitsgefährdende Plastikstoffe. Der einzige Unterschied ist der, dass ich mein Geschirr hinterher spüle, wieder mitnehme und noch mindestens zwanzig Jahre nutzen kann, anstatt es einfach in den Müll zu werfen. Die meisten Gastgeber haben sowieso Metallbesteck und Teller daheim und wenn mal ein Engpass auftreten sollte, weil zu viele Gäste kommen, fände ich es auch nicht dramatisch, die Gäste zu bitten, Besteck mitzubringen. Alternativ gibt es mittlerweile aber auch eine Reihe von Unternehmen und Startups, die essbares oder vollständig abbaubares Geschirr herstellen.

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Was unternimmst du (neben der Petition), damit das Ministerium die Forderung nach einem Verbot von Plastikgeschirr umsetzt?

Ich habe das Ministerium bereits über mehrere Kanäle zu kontaktieren versucht, wurde aber leider mit der Bitte, die Petition online einzureichen, abgespeist. Momentan bin ich dabei, den Druck auf das Ministerium mit Hilfe von Change.org sowie der Unterstützergemeinde zu erhöhen. Dabei versuchen wir, möglichst viele Menschen zu motivieren, sich beim Ministerium zu melden und das Anliegen abermals vorzutragen. Auch Plattformen und Organisationen wie Global Citizen helfen durch ihre Berichterstattung dabei, den Bekanntheitsgrad der Petition zu erhöhen und das Ministerium in Zugzwang zu bringen.

Sollte der Erfolg in den nächsten Wochen ausbleiben, ist geplant, dass ich mich an bekannte TV-Magazine der öffentlich-rechtlichen Sender wende und diese um Hilfe bitte.

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Jeder kennt sicherlich mindestens einen Tipp, wie man Plastik im Alltag vermeiden kann. Nur sich dran halten fällt vielen schwer. Was ist dein bester Tipp?

Folgende Tipps halte ich für im Alltag einfach umsetzbar.

  1. Frisch kochen! Diejenigen, die in der Regel frisch und gemüselastig kochen, haben es am einfachsten, da sie beim Einkauf viel Müll vermeiden können. Auch Pausenbrote und Snacks kann man leicht selbst herstellen und in Aufbewahrungsdosen mitnehmen.

  2. Es bietet sich an, das Geld für eine schadstofffreie Trinkflasche oder einen Thermos- Kaffeebecher zu investieren. Der wird nicht nur an vielen ToGo-Bäckereien ohne Murren befüllt, meistens bekommt man meiner Erfahrung nach sogar ein bisschen mehr eingeschenkt.

  3. Statt Plastikeinkaufstüten ist es praktisch, immer einen Stoffbeutel im Kofferraum des Autos zu lagern.

  4. Im Bereich der Körperpflege sollte darauf geachtet werden, Produkte von Naturkosmetikfirmen zu verwenden. Diese stellen in der Regel nicht nur tierleidfrei her, sie verzichten auch auf die Zugabe von Plastikpartikeln oder Silikon. Gerade bei Peelingcremes und Zahnpasta sollte man darauf achten. Zudem gibt es Hersteller, die bewusst auf (unnötige) Verpackungen verzichten.

  5. Eigene Petitionen starten! Immer wieder liest man im Internet, dass engagierte Menschen Petitionen zur Plastikvermeidung starten und diese an große Konzerne senden. Die Erfolge der letzten Monate sprechen für sich (Bsp.: Abschaffung von Plastiktüten bei REWE). Wer sich mehr Produkte ohne Plastik(verpackung) wünscht, sollte dies auch in Form einer Petition kundtun und mit geballter Unterstützerkraft an die Konzerne herantreten. Diese sind, so scheint es, schnell zu Änderungen bereit, um ihre Kundschaft nicht zu verlieren. Der Verbraucher hat die Macht!


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Wir drücken Thomas Koopmann weiterhin die Daumen und hoffen, dass seine Petition Erfolg haben wird. Vielen Dank für das Interview.