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OpinionUmweltschutz

Die Sache mit den Plastikstrohhalmen und warum wir darauf verzichten sollten

Flickr/Shawk Hoke

Was haben ein Eiskaffee, eine Cola aus einer Fast-Food-Kette und ein Smoothie gemeinsam? Nichts? 

Oh doch: Plastikstrohhalme. 

Und wer hätte es gedacht: Strohhalme sind eine richtig üble Sache.

Die kleinen Plastikröhrchen - die schon bei der Bestellung ganz selbstverständlich in die Becher gesteckt werden, nachdem man sie aus großen Behältern bzw. einem Spender gefischt hat - verschmutzen den Planeten in einem atemberaubenden Tempo.

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Strohhalm-Ablehner bzw. Umweltaktivisten argumentieren, dass der Komfort von Trinkhalmen es nicht wert ist, dafür die enorm negativen Auswirkungen auf die Umwelt in Kauf zu nehmen. Daher haben sich in den vergangenen Jahren viele um Alternativen bemüht - angefangen bei einer Reihe von Grasrootbewegungen bis hin zu Gruppen wie „Lonely Whale“, „Last Plastic Straw“, „Straw Free“ und „Be Straw Free“, die inzwischen über den ganzen Erdball verteilt daran arbeiten, Plastikstrohhalmen den Garaus zu machen.

Die Kampagne von Lonely Whale mit dem Namen #StopSucking zum Beispiel hat sich zum Ziel gesetzt, noch dieses Jahr (2017) 500 Millionen Strohhalme aus den Ozeanen zu fischen - damit wollen sie die umweltschädlichen Auswirkungen, die vorallem Bürger der USA zu verantworten haben, umkehren.

Dagegen gehen sie vor

Pro Tag verbrauchen allein die Einwohner der USA laut Eco-Cycle 500 Millionen Strohhalme. Wenn man sich vor Augen hält, dass die USA gerade mal 4,4 Prozent der Weltbevölkerung ausmacht, kann man davon ausgehen, dass der weltweite Verbrauch von Strohhalmen mit großer Sicherheit gigantisch ausfällt.

Denn Strohhalme gibt es nicht nur in allen Formen und Farben, sondern fast überall dort, wo auch Getränke verkauft werden. Handelsübliche Strohhalme lassen sich allerdingt nicht recyceln. Das liegt daran, dass sie aus Einwegplastik hergestellt werden und so dünn sind, dass sie den Recycling-Prozess nicht überstehen würden.

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Jedes Jahr landen zwischen 8-12 Millionen Tonnen Plastikmüll in unseren Weltmeeren. Und bei Säuberungsaktionen an Stränden gehören Plastikstrohhalme zu den häufigsten Dingen, die zwischen all dem angeschwemmten Plastikmüll gefunden werden. 

Was am Strand schon schlimm ist, wird im Wasser zur barbarischen Gefahr: unzählige Tiere halten die Strohhalme fälschlicherweise für Futter oder bekommen die Strohhalme in ihre Kiemen und erleiden einen grausamen Erstickungstod. Bei manchen Tieren verstopfen die Plastikrohre auch schmerzhaft ihre Körperöffnungen, wie bei dieser Schildkröte, deren Leid für große Empörung gesorgt hat.

Studien haben herausgefunden, dass 71 Prozent aller Seevögel und 30 Prozent aller Schildkröten Plastik verschlucken und dadurch die Todesrate unter den Tieren enorm in die Höhe geschnellt ist.

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Chris Jordan

Nicht zu vergessen, dass Strohhalme, wie alle Dinge aus Plastik, letztendlich in kleine Plastikpartikel zerfallen, die noch leichter verschluckt werden können, das Wasser vergiften, den Boden der Ozeane völlig bedecken und in Form von Fisch wieder auf unseren Tellern landen. 

Eine Zukunft ohne Plastikstrohhalme

Der Kampf gegen Plastikstrohhalme ist also integraler Teil im Kampf gegen den weltweiten Plastikverbrauch. Dafür müssen Vertriebsmanager oder Ladenbesitzer davon überzeugt werden, keine Plastiktrinkhalme mehr zu bestellen und stattdessen auf eine biologisch abbaubare oder erneuerbare Alternative umzusteigen. Oder einfach damit aufzuhören, Strohhalme anzubieten.

Geschäftsinhaber könnten Papier- oder Bambusstrohhalme anbieten und die Kunden dazu ermutigen, wiederverwendbare Strohhalme aus Stahl oder Bambus zu benützen.

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„Freehold”, eine Bar in Brooklyn, wurde von Lonely Whale davon überzeugt, keine Plastiktrinkhalme mehr zu verkaufen. Das hieß gleichzeitig, dass für die 1,5 Millionen Trinkhalme, die jedes Jahr von der Bar angeschafft wurden, eine Alternative gefunden werden musste. Sie bestellten deshalb 650.000 Papiertrinkhalme und fingen an, die Zahl der Strohhalme, die die Gäste benutzen, zu reduzieren. Die Barmitarbeiter haben zudem über die Auswirkungen von Plastiktrinkhalmen schlau gemacht und ihr Wissen mit den Gästen geteilt.

„Es war für uns eigentlich nur eine Kleinigkeit und trotzdem macht es die Umwelt so viel besser“, äußert sich Brice Jones, ein Teilhaber von Freehold, über die Kampagne in einem Video.

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Wie man in dem Video hören kann, bestätigt der Barbetreiber, dass seine Kunden offen dafür sind, keine Strohhalme mehr zu benutzen, wenn man ihnen die Auswirkungen auf die Umwelt erklärt.

Das haben auch schon andere Umweltschützer festgestellt: Menschen hängen nicht so sehr an ihren Strohhalmen, sobald sie von den Auswirkungen der Plastikröhrchen erfahren.

„Weltweit haben 1.800 Restaurants, Organisationen, Institutionen und Schulen die Plastiktrinkhalme abgeschafft oder verfolgen eine „Strohhalm-nur-auf-Nachfrage-Politik“, erklärt Jackie Nunez, Gründerin von „Last Plastic Straw“, der Washington Post.

Ein großer Sieg ist es, wenn eine ganze Restaurantkette als durchgängige Geschäftsmodell eine „Keine-Plastikstrohhalme“-Politik einführen oder eine Stadtverwaltung deren Gebrauch verbieten würde.

Die Umsetzung scheint auf den ersten Blick schwer zu sein, aber schon jetzt schwappt eine Welle von Plastikverboten über die Welt, von Frankreich über Indien bis nach KeniaUnd viele Geschäftsleute, darunter auch multinationale Unternehmen, wie Unilever und Dell, haben versprochen, ihren Beitrag an Plastik zu reduzieren.

Letztendlich sollten die Menschen, die beispielsweise aus gesundheitlichen Gründen auf die Nutzung eines Strohhalms angewiesen sind, davon auch Gebrauch machen. Für die Mehrheit sind sie jedoch nur eine Annehmlichkeit auf Kosten der Natur & Tierwelt. 

Solange man also aus einer Flasche trinken kann, sollte man das auch machen - denn es schadet letztendlich uns allen, das Leben aus den Ozeanen zu saugen.