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Courtesy of Mattel
OpinionFrauenrechte

Außergewöhnliche Frauen im Barbie-Format: Das kann nicht die Lösung sein

Es sind harte Zeiten für Barbie.

Mehr als 55 Jahre lang war Barbie einfach nur Barbie: Ein dünnes Püppchen mit Wespentaille und langem, glänzendem Haar. Die Puppe wurde lange bejubelt, dann akzeptiert und irgendwann fragten sich einige: Ist das noch zeitgemäß? 

Doch erst vor zwei Jahren traute sich der Hersteller Mattel, Barbies Körperbau zu verändern: Die ersten Barbies mit kräftigen Oberschenkeln, fülligen Hüften und brauner Haut kamen auf den Markt.

Barbie präsentiert sich in längst überfälliger Vielfalt, sagten manche. Andere blieben skeptisch.

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Der Mut zur Vielfalt kam nicht aus heiterem Himmel: Es war eine Reaktion auf die sinkenden Verkaufszahlen. Auch die Vorwürfe um den „Magerwahn“, den Barbie bestärkte, spielten eine Rolle.

Die neuen Körperformen seien der logische Schritt der Weiterentwicklung der Puppe, hieß es damals. „Barbie macht eine Evolution durch“, sagt die Produktmanagerin Evelyn Mazzocco damals der WELT. „Wir befinden uns auf einer Reise.“ Dabei wirkt es eher so, als würde Barbie einem Zug hinterherlaufen, statt energisch aufzuspringen.

Vergangene Woche, am internationalen Frauentag, lancierte Mattel eine neue Barbie-Edition, die Teil der Reihe „Sheros“ – zusammengesetzt aus „She“ und „Hero“ ist. Sie sollen Vorbilder sein. Es sind außergewöhnliche Frauen, die es tatsächlich gibt oder gab. Darunter etwa die NASA-Physikerin Katherine Johnson und die Künstlerin und Feministin Frida Kahlo.

Jeder „Shero-Barbie" ist ein kleines Heft beigefügt mit Hintergrundinformationen über die jeweilige Persönlichkeit.

„Wir wollen ein Licht auf starke weibliche Vorbilder aus der Gegenwart und der Vergangenheit werfen und so mehr Mädchen inspirieren“, schreibt Barbie auf Twitter. Der Hashtag #MoreRoleModels wurde kreiert, damit auch in den sozialen Medien weitere weibliche Vorbilder geteilt werden.

Doch auch wenn die Idee, vielleicht, gut gemeint ist – ist sie auch gut gemacht?

Nein. Denn im Kern hat sich nichts daran geändert, dass Barbie ein Schönheitsideal für Mädchen darstellen soll. Die Gesichter der Heldinnen wurden einfach auf Barbies Körper gemalt, ein bisschen schöner natürlich als in Wirklichkeit und dazu dann das passende Outfit. Fertig.

Die neuen Barbies belegen nur einen Irrtum, den es in ähnlicher Form in der Modewelt gibt. Dort müssen die Models einheitlich mager sein, denn eine Frau mit Größe 38 bekommt man schließlich wirklich nicht in die Kleidergröße 34 gepresst (und größere Kleidung gibt es in der Modewelt nicht – ja, warum eigentlich nicht?).

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Barbie hat den Anspruch, die Realität abzubilden und auch die Macht, diese zu beeinflussen. Mit neuen Modellen wie den kurvigen Barbies und den inspirierenden Vorbildern, will Mattel eine Vielfalt an Wahlmöglichkeiten schaffen, „die Mädchen in der heutigen Welt sehen und erleben.”

Natürlich kann man auch den Standpunkt vertreten: Es sind nur Puppen, Kinder sollen damit spielen und sich nicht für den Rest ihres Lebens mit ihnen identifizieren. Doch so einfach ist das nicht. Denn während jedem Mädchen schnell klar wird, dass es sich nicht eines Tages in Mini Mouse verwandeln wird, ist das bei Barbie etwas anderes. Denn Barbie ist keine Maus oder Meerjungfrau. Sie ist zwar eine fiktiv Figur, aber sie soll ein menschliches Wesen darstellen: Eine junge Frau mit makellosem Aussehen. Das ist und bleibt ein Problem.

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