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So geht recyceln: Japan will Olympia-Medaillen aus alten Handys herstellen

„Dabei sein ist alles” - so der Olympische Gedanke, der alle vier Jahre in der Sportlerwelt aufkommt. Eine Medaille zu gewinnen, ist aber auch schön. Und das könnte bei den nächsten Olympischen Spielen 2020 in Japan sogar noch symbolträchtiger werden.

Denn Japan hat vor, die Gold-, Silber- und Bronzemedaillen aus dem Material herzustellen, das von anderen Menschen bereits auf den Müll geworfen wurde: aus Elektroschrott. Statt also den Erdboden auf der Suche nach neuen Ressourcen zu durchlöchern, wird einfach das genommen, was schon existiert: alte Handys, Computer und Laptops.

Um die Olympischen Medaillen herzustellen, braucht es nämlich eine ganze Menge kostbaren Materials. London verwendete für die Spiele 2012 zum Beispiel 9,6 Kilogramm Gold, 1,2 Tonnen(!) Silber und 700 Kilogramm Kupfer (der Hauptbestandteil in Bronzemedaillen). Häufig beauftragt das Gastland der Olympischen Spiele seine eigenen Minen, das kostbare Metall zu beschaffen, doch Japan hat fast keine natürlichen Ressourcen. Was das Land allerdings hat, sind riesige Elektromüllberge.

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Japans technikaffine Bevölkerung schmeißt jährlich sage und schreibe 650.000 Tonnen Elektroschrott auf den Müllberg. Dadurch besitzt das Land tatsächlich 16% der weltweiten Gold- und 22% der weltweiten Silberreserven - und das ohne eigene Minen zu besitzen.

Diese Materialien zu recyceln, wurde 2010 zur absoluten Priorität in Japan erklärt - vor allem aber auch deshalb, weil der nächstgelegene Nachbar China kurzzeitig den Export wichtiger Rohstoffe nach Japan einstellte - ein Schock für japanische Unternehmen. Damit das nicht wieder passiert, wird nun recycelt.

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Das sind für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 doch gute Aussichten. In den kommenden vier Jahren muss nun sichergestellt werden, dass das Recyclingverfahren auch wirklich rund läuft - das heißt, dass jeder Bewohner dazu aufgerufen wird, seine Elektrogeräte zu recyceln, und die weitere Infrastruktur auf den Weg gebracht werden muss. Denn trotz eines Gesetzes aus dem Jahr 2013, welches das Recyceln jedes elektronischen Haushaltsgeräts vorsieht, recycelt in Japan bisher gerade einmal 24% der Bevölkerung.

Dabei wäre die Nachfrage groß: 2014 wurden zum Beispiel 143 Kilo Gold, 1,56 Tonnen Silber und 1.112 Tonnen Kupfer recycelt, doch die waren im Nu weg - aufgekauft von den Technologieunternehmen, die in Japan angesiedelt sind. Es muss also so viel recycelt werden, dass auch noch genügend Material für die Olympischen Spiele übrig ist.

„Wir brauchen ein System, dass es für die Verbraucher einfach macht, ihre ausgedienten elektronischen Artikel abzugeben”, sagt Takeshi Kuroda, Präsident der ReNet Japan Group, gegenüber Nikkei. Das Unternehmen kauft und verkauft gebrauchte Haushaltsgeräte und ist Teil der Gruppe, die sich für die Idee, die Medaillen der Olympischen Spiele aus recyceltem Elektroschrott herzustellen, stark gemacht hat.

„Ein privates Unternehmen sollte damit beauftragt werden, ein Abholsystem zu schaffen, für welches die überregionale Regierung dann Werbung machen kann und auf welches Ortschaften und Kommunen dann zurückgreifen können”, schlägt Kuroda vor.

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Japans Fokus auf Nachhaltigkeit für die anstehenden Olympischen Spiele folgt einem schon länger anhaltenden Trend. Auch in Rio lag der Fokus dieses Jahr auf den Medaillen: Ganze 30% des Silbers in allen Silber- und Goldmedaillen (normalerweise bestehen sie aus einem silbernen Kern) wurde aus weggeworfenen Spiegeln und ausgedienten Röntgenapparaten hergestellt. Die Bronzemedaillen stellte man aus Kupfermüll her und jedes Olympische Band enthielt zu 100%  recyceltes Plastik.

Zwar ist es noch ganze vier Jahre hin bis zu den Olympischen Spielen in Tokio, doch Japan macht schon jetzt deutlich, dass das Thema Nachhaltigkeit eine ganz große Rolle spielen wird.