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Citizenship

Fünf Dinge, auf die man in der Fastenzeit guten Gewissens verzichten kann

Wir haben alles und brauchen nichts – das kommt auch euch bekannt vor? Vielleicht gerade deshalb liegt Fasten derzeit wieder im Trend. Insbesondere junge Menschen scheinen auf den Geschmack gekommen zu sein.

Insgesamt sogar mehr als die Hälfte der Deutschen hält es laut einer Forsa-Umfrage für eine gute Idee, in der Fastenzeit auf ein Genussmittel oder Konsumgut zu verzichten. Kein Wunder, denn in der heutigen Überflussgesellschaft, ist der Verzicht zu etwas Besonderem geworden.

Schon lange geht es nicht mehr nur um Zucker- oder Heilfasten. Die Deutschen sind wirklich kreativ, wenn es ums Fasten geht. Ihr denkt jetzt: Eine Auszeit von der Völlerei wäre genau das Richtige, aber mir fehlt noch die Inspiration? Dann seid ihr genau richtig! Hier erzählen Global Citizens von ihren Fasten-Erfahrungen – nachmachen ausdrücklich erwünscht!

1. Plastikfasten

Plastik hat bei den Deutschen einen schlechten Ruf. Wie eine aktuelle Studie ergab, achten drei Viertel der Verbraucher im Supermarkt darauf, Produkte mit so wenig Verpackung wie möglich zu kaufen. Doch bei einigen Produkten hat man kaum eine Wahl. Eingeschweißte Gurken, Einwegflaschen und Jogurt in Plastikbechern sind eher die Regel, als die Ausnahme – und das auch, weil immer noch genug Konsumenten beherzt zu greifen. Wie schädlich Plastik für unsere Umwelt und die Meere ist, wollen wir an dieser Stelle nicht ausführen. 

Aber so viel sei verraten: Es gibt gute Gründe, mindestens sieben Wochen zu rebellieren – und vielleicht wird aus dem Experiment ja auch ein neuer Alltag?

Theresa Pieper GER fasting.jpgTheresa, 28, verzichtet für die Umwelt so gut es geht auf Plastikflaschen.

So war auch der Vorsatz von Theresa, 28, aus Bremen. Sie hat sich im vergangenen Jahr vorgenommen, sieben Wochen lang keine Getränke in Plastikflaschen zu kaufen. „Die Idee war, etwas zu tun, das nicht nur für mich, sondern auch für andere gut ist“, sagt Theresa. „Ich wollte etwas ändern, was ich normalerweise ganz selbstverständlich mache.“ Zum Beispiel am Kiosk oder im Supermarkt einfach eine Flasche Wasser zu kaufen, ohne darüber nachzudenken, wie die recycelt wird oder ob sie am Ende irgendwo landet, wo sie nicht landen soll.“ Sie hat auch nach der Fastenzeit versucht, bewusster mit Plastikkonsum umzugehen. „Das ist für mich eine echte Herausforderung – viel schwieriger, als auf Genussmittel zu verzichten.“

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2. Sozial – mal ganz ohne Medien

Back to the Roots ist das Motto! Handy, E-Mail und soziale Plattformen ermöglichen uns so einiges. Aber manchmal bleibt dabei die Zeit für persönliche Gespräche, lange Spaziergänge und die Entdeckung der Überraschungen im Alltag auf der Strecke. Wer ganz aufs Handy verzichtet, muss auf einmal wieder selbstständig Straßenschilder lesen, sich mit der Musik im Radio begnügen oder Nachrichten tatsächlich in der Zeitung lesen.

Nele Siegmeyer GER fasting.jpgGeschafft: Nele liebt nicht nur sportliche Herausforderungen.

Nele, 31, aus Neumünster, liebt es, sich neue Herausforderungen zu suchen: „Ich kann die Zähne zusammenbeißen und laufen, bis ich umkippe“, sagt die Triathletin. „Aber Fasten ist schon eine besondere Herausforderung.“ Neben Heilfasten, hat sie auf Zucker verzichtet und schließlich auch aufs Handy. „Am Anfang hatte ich immer das Gefühl, etwas vergessen zu haben, wenn ich aus dem Haus gegangen bin“, sagt Nele. „Es war ganz schön hart, keine Whats App Nachrichten mehr zu beantworten und statt Navi ab und an am Straßenrand nach dem Weg zu fragen. Aber es hilft, sich nicht von dem Smartphone beherrschen zu lassen“, sagt Nele. „Mit dem Handy macht man vieles gleichzeitig. Man will immer effizient sein – dabei ist es oft das Gegenteil. Am Ende fühlte ich mich ohne Handy wie im Urlaub.“

3. Konsumlos glücklich

Manchmal scheint es, als laute die Philosophie unseres Zeitalters: „Kauf dich glücklich". Doch brauche ich wirklich noch ein Kleid oder das 10te Paar Schuhe, um zufrieden zu sein? Jetzt könnte die Gelegenheit sein, dich mal dem Praxistest zu unterziehen.

Jeder Deutsche kauft im Schnitt 60 neue Kleidungsstücke im Jahr – das ist mehr als ein Kleidungsstück in der Woche! Statistisch gesehen würde man also alleine schon acht Kleidungsstücke einsparen, wenn man sieben Wochen ohne Neukäufe durchhält.

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Zippora Marti_One Project I.pngEine besondere Challenge: 365 Tage dasselbe Kleid
Image: ©RA PHOTOGRAPHY

Eine junge Bloggerin aus der Schweiz ist das nicht genug: Zippora erzählte Global Citizen, warum sie ein Jahr lang ein und dasselbe Kleid tragen möchte – und sich auch kein neues in den Kleiderschrank hängt. „Ich möchte dazu beitragen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. So oldschool und vielleicht auch ausgelutscht der Song ‚Make it a better place’ von Michael Jackson auch sein mag: Genau diese Worte sind auch meine Motivation", sagt Zippora.

4. Klimafasten

Schon mal darüber nachgedacht, wie oft du ins Auto steigst, statt die Bahn zu nehmen? Oder den Bus, statt dich aufs Fahrrad zu schwingen? Mehrere Kirchen haben sich in diesem Jahr zusammengeschlossen und unter dem Motto „So viel brauchst du...“ dazu aufgerufen, klimafreundlicher zu handeln. Die passenden Stellschrauben dafür finden wir überall in unserem Alltag – sei es der Weg zur Arbeit, der wöchentliche Einkauf oder der Umgang mit Waschmaschine und Co. Die Fastenzeit kann ein guter Impuls sein, mal ein paar Schrauben neu zu justieren.

5. No Meat to eat

Während der Fastenzeit auf Fleisch zu verzichten, ist eher eine traditionellere Variante. Auch aus religiösen Gründen, verzichten seit Jahrhunderten viele Menschen während der Fastenzeit auf Fleisch. Heute sind es vor allem ethische und moralischn Gründen, die Menschen zum Fleischverzicht bewegen – acht Millionen sind es allein in Deutschland.

Georgia Hornberger GER fasting.jpgGeorgia ist ein richtiger Genießer. Trotzdem oder genau deshalb verzichtet sie auf Süßes und Fleisch.

Aber auch für den ein oder anderen Fleischliebhaber geht es zumindest in der Fastenzeit mal ohne. Zum Beispiel für Georgia. „Fasten ist immer wieder eine Herausforderung, die man an sich selbst stellt", sagt die 27-Jährige. „Man lernt Dinge mehr zu schätzen, wenn man sie lange nicht benutzt oder gegessen hat." Eine bestimmte Strategie habe sie nicht: „Wenn Tag X gekommen ist, dann ist es reine Kopfsache."