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365 Tage lang wird diese Bloggerin dasselbe Kleid tragen

©RA PHOTOGRAPHY

Wer kennt es nicht? Kaum schlägt man morgens die Augen auf, wirft die Bettdecke zurück und tapert Richtung Kleiderschrank, da stellt sich die quälende Frage: Was zieh ich heute eigentlich an? Die schwarze Hose mit dem roten Top? Oder doch lieber einen Rock und dazu den neuen Pullover?

Zippora Marti entschied sich für das kleine Schwarze. Nein, nicht für einen Tag im Büro oder ein Abendessen. Ihr Masterplan: Ein Jahr lang wird sie jeden Morgen in das gleiche Kleid schlüpfen. Egal, ob Sommer oder Winter, ob es regnet oder schneit. Egal, ob gerade Ostern ist, ihr Geburtstag oder ihr Hochzeitstag. Abgesehen von Sportbekleidung und Pyjama soll es keine Ausnahme geben.

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Für manch einen mag das ein bisschen verrückt klingen, gesteht Zippora. Doch für die junge Bloggerin aus der Schweiz ist das Projekt eine Herzensangelegenheit. Und eigentlich geht es dabei auch um viel mehr, als morgens ein bisschen Zeit zu sparen. Denn dieses eine Kleid soll ein Symbol sein für das einfache Leben, für „Simplicity“, wie sie es nennt.

Zippora war nicht die erste mit dieser Idee: Im Jahr 2009 rief eine New Yorkerin das „Uniform Project“ ins Leben. 365 Tage lang trug Sheena Matheiken ein und dasselbe Kleid – kombiniert mit unterschiedlichen Accessoires. Jeden Tag stellte sie ein Bild ins Internet. So sammelte die gebürtige Inderin Spenden für Kinder in ihrer Heimat. Ein Jahr später entschied sich die deutsche Journalistin Meike Winnemuth für ein ähnliches Experiment.

Auch Zippora ging diese Idee nicht aus dem Kopf. Sie wollte sich der Herausforderung stellen und ein Statement setzen: gegen die Ausbeutung in der Textilindustrie und die unfairen Bedingungen, unter denen Menschen leben.

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Was Zippora antreibt, hat sie in wenigen Worten erklärt: „Ich möchte dazu beitragen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. So oldschool und vielleicht auch ausgelutscht der Song ‚Make it a better place’ von Michael Jackson auch sein mag: Genau diese Worte sind auch meine Motivation.“

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Zippora_One Project.png©Zippora Marti

Das Kleid, was sie nun ein Jahr lang am Körper tragen wird, entstand in Zusammenarbeit mit Etris, einem jungen Label aus Bern. „Es ist gewissermaßen maßgeschneidert“, sagt Zippora. Bisher ist es ein Unikat. Doch wenn das Interesse groß genug ist, soll das Kleid in einer kleinen Fabrik im Schweizer Tessin produziert und für 167 Franken verkauft werden. „Mir ist wichtig, dass das Kleid auch in diesem Fall ein Symbol für Minimalismus, Simplicity, Fairness und Freiheit bleibt.“

Viele ihrer Kleidungsstücke, wie etwa die geliebten Jumpsuits, hat Zippora in den Keller verbannt oder an Freundinnen verliehen. „Eigentlich habe ich alles aussortiert, was ich nicht mit dem Kleid kombinieren kann.“

Was nach dem Jahr damit passiert, weiß Zippora noch nicht. „Vielleicht ziehe ich das Projekt weiter durch oder wiederhole es mit einem anderen Stück. Aber vielleicht wird nach dem Projekt auch wieder alles, wie es vorher war. Wir werden sehen.“