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Das "Klo 2 Go" von Goldeimer und Werkhaus. Bild ©Jessica Zumpfe
Wasser & Hygiene

Ein Hoch auf das Klo!

Warum das wichtig ist:
4,2 Milliarden Menschen weltweit haben keinen gesicherten Zugang zu Sanitärversorgung, 673 Millionen von ihnen haben gar keine Toilette. Täglich sterben dadurch etwa 1.000 Kinder unter fünf Jahren an Durchfallerkrankungen. Die Global Goals der Vereinten Nationen (UN) wollen sicherstellen, dass jeder Mensch bis 2030 Zugang zu sanitären Einrichtungen hat. Du kannst hier mit uns aktiv werden.

Der Ort, an den wir euch heute entführen möchten, ist ein ganz besonderer. An diesem Ort kann der Mensch durchatmen und für einen kurzen (oder längeren) Moment alleine sein. Nicht umsonst ist er vielen bekannt als das “stille Örtchen”. Dieser Ort für das große oder kleine Geschäft kann ganz unterschiedlich aussehen: ein Loch im Boden, ein Kasten aus Holz oder – in seltenen Fällen – eine goldene Schüssel.

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Aber das wirklich besondere an diesem Ort ist nicht sein Aussehen. Seine wahre Kraft ist anderer Natur – denn dieser Ort rettet täglich Menschenleben.

Deshalb setzen sich die Gründer*innen und Klo-Enthusiasten der gemeinnützigen GmbH Goldeimer dafür ein, dass jeder Mensch und vor allem jedes Kind weltweit Zugang zu einem Klo erhält.

“Keine andere Erfindung hat in den vergangenen 200 Jahren mehr Menschenleben gerettet als das gute, alte Klo. Leider weiß das heute kaum noch jemand. Mit Goldeimer wollen wir das ändern und den Welttoilettentag nutzen, um [Aufmerksamkeit] auf die schönste Nebensache der Welt zu lenken”, sagt Malte Schremmer, Geschäftsführer von Goldeimer, in einer Pressemitteilung zum diesjährigen Welttoilettentag.

Ein Durchfall stimmt nachdenklich

Die Geschichte von Goldeimer begann – natürlich – auf dem Klo. Während einer Projektreise mit der Hilfsorganisation Welthungerhilfe und der Non-Profit-Organisation Viva con Agua durch Burkina Faso, Westafrika, hätte Geschäftsführer Malte wahrscheinlich ein Königreich für eine Toilette gegeben. Die defizitäre Sanitärversorgung vor Ort stimmte ihn nachdenklich. Um das Toilettenproblem zu beheben, mussten schnelle, effiziente und nachhaltige Lösungen her – die Idee von Goldeimer war geboren.

Heute steht Goldeimer für alles, was der Hintern und leidenschaftliche Klogänger begehrt. Es begann mit Komposttoiletten für Festivals. 2014 tat sich Goldeimer dann mit Viva con Agua zusammen, um das erste “soziale Klopapier” auf den Markt zu bringen. Und wer mehr über die lustige und lehrreiche Geschichte des Klos erfahren möchte, kann sich das liebevoll illustrierte Kinderbuch "Die kleine Geschichte vom großen Geschäft" als neue Toilettenlektüre zulegen.

Goldeimer_Klopapier-2588.jpgDas erste soziale Klopapier! ©Goldeimer






Um dem täglichen Bedürfnis und der gesundheitlichen Relevanz des Klogangs die nötige Aufmerksamkeit zu schenken, hat Goldeimer den #Klovemberins Leben gerufen. Bei dieser Aktion werden große und kleine Geschäftspartner*innen für den Bau von Toiletten gesucht. Mit jeder Spende wird das WASH-Projekt (Water, Sanitation, Hygiene) der Welthungerhilfe in Karamoja, Uganda, unterstützt.

Alle für Klos! Klos für Alle!

So selbstverständlich das Klo für die meisten Menschen in der westlichen Welt ist, so häufig bleibt es für viele Menschen in Entwicklungsländern ein Luxus. “4,2 Milliarden Menschen auf der Welt haben keinen gesicherten Zugang zu Sanitärversorgung, 673 Millionen Menschen haben gar keine Toilette”, so Malte von Goldeimer gegenüber Global Citizen.

Der fehlende Zugang zu sanitären Einrichtungen und Hygiene hat fatale Folgen: “Täglich sterben weltweit etwa 1.000 Kinder unter fünf Jahren an Durchfallerkrankungen”. Das macht Durchfall laut UNICEF zur vierthäufigsten Todesursache für Kinder unter fünf Jahren. Wer Toiletten spendet, rettet daher Leben: “Jährlich könnten ca. 850.000 Todesfälle verhindert werden, wenn Durchfallerkrankung eingedämmt würde”, fügt Malte hinzu.

Das Verständnis beginnt beim Klodeckel

Die große Herausforderung sei aber weniger der Bau, sondern eher die Nutzung der Lebensretter: “Toiletten sind vorrangig eine kulturelle Herausforderung und keine technische. Daher ist es wichtig, neben der “Hardware” auch immer die notwendige “Software” und die nötige Bildungsarbeit mitzudenken und diese in den entsprechenden geographischen Kontext einzuordnen”, erklärt Malte.

Denn vielen sei nicht bewusst, wie kompliziert Sanitäranlagen tatsächlich sind. Zu einem erfolgreichen und gesundheitlich sicheren Klogang gehört neben dem Vorhandensein einer angemessen Toilette mit Klopapier nämlich auch, sich im Anschluss die Hände mit Seife waschen zu können. Doch 1,4 Milliarden Menschen (18 Prozent der Weltbevölkerung) besitzen gar keine Einrichtung zum Händewaschen und weiteren 1,6 Milliarden Menschen (22 Prozent) fehlt es an Wasser oder Seife zum effektiven Händewaschen, so Goldeimer in ihrer Pressemitteilung. Zudem ist die fachgerechte Entsorgung der Fäkalien ebenso wichtig, um zu verhindern, dass diese zur Ansteckungsquelle für andere Menschen werden.

Um die Wasser- und Sanitärversorgung für alle Menschen weltweit zu ermöglichen, haben sich Nichtregierungsorganisationen, darunter auch Goldeimer, mit der internationalen Entwicklungszusammenarbeit zusammengeschlossen. Gemeinsam bilden sie das WASH-Netzwerk.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat im Juli 2017 eine neue Wasserstrategie erarbeitet. Diese soll einen Beitrag zur Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen sowie des Pariser Klimaabkommens leisten. Darin verpflichtet sich das BMZ dazu, sein Engagement für eine größere Sicherheit der Wasserversorgung um ein Drittel auszubauen.

Werkhaus_Klotogo_05_c_Jessica_Zumpfe.jpgÜber den Wolken muss die Klo-Freiheit wohl grenzenlos sein. Bild ©Jessica Zumpfe

Deshalb ist es heute am Welttoilettentag an der Zeit, einmal selbst über den eigenen Klodeckelrand zu schauen. Denn der Zugang zu Toiletten befriedigt nicht nur eines der grundlegendsten menschlichen Bedürfnisse – er ist auch ein Menschenrecht.

“Eine Toilette bedeutet Würde. Eine Toilette bedeutet Sicherheit. Eine Toilette bedeutet ein gesundes Leben”, resümiert Malte – und wir ahnen zu wissen, wo ihm dieser weise Spruch eingefallen ist.