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Umweltschutz

Gemeinde in Indien rafft sich auf, befreit Strand von 5.000.000 Tonnen Müll

Twitter screenshot @AfrozShah1

Afroz Shah ist jung, arbeitet als Anwalt und lebt in Indien. 

2015 zog er in eine Wohnung nahe des Versova-Beach, einem damals vergessenen Stück Küste, in einem Vorort von Mumbai. Shah wollte sich ein Stückchen Natur und Ruhe von der hektischen Stadt gönnen. 

Doch was ihn in Wirklichkeit erwartete, versetzte Shah einen schlimmen Schock – der Strand war komplett übersät mit stinkendem, verrottendem Müll. Am Strand entlang laufen war schier unmöglich, geschweige denn, im Wasser zu schwimmen, ohne von dem Gestank überwältigt zu werden.

„Der Plastikmüll war knapp 170 cm hoch! Man hätte in dem Plastik versinken können“, erzählte Shah dem US-Sender CNN. „Da habe ich zu mir selbst gesagt: Okay, ich nehme die Herausforderung an und werde etwas tun. Ich muss meine Umwelt schützen und das erfordert Maßnahmen vor Ort.“

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Am Anfang gingen Shah und sein Nachbar, ein 84-jähriger Rentner, einfach zum Strand und sammelten bei jedem Spaziergang so viel Müll wie möglich auf.

Nach einiger Zeit allerdings wurde Shah klar, dass er ein größeres Team braucht, wenn er wirklich Einfluss auf diese Umweltkrise nehmen will. Gesagt, getan.

Er begann, an Türen zu klopfen und mit Anwohnern zu sprechen. Er erklärte ihnen die schrecklichen Folgen der Meeresverschmutzung. Und seine Entschlossenheit war ansteckend: Schon bald packten hunderte, vielleicht sogar mehr als tausende von Freiwilligen aus allen Gesellschaftsschichten mit an.

Die Reinigungsaktionen trugen den ironischen Namen „Dates mit dem Ozean“, weil es laut einem 'UN'-Berichteine durchaus mühselige Affäre war, „knietief in verrottendem Müll unter der glühenden Sonne Indiens zu stehen“.

Global Citizen hat bereits letztes Jahr über die Anstrengungen des 33-jährigen Anwalts berichtet. Schon damals war seine Freiwilligenorganisation „Versova Residents Volunteers“, die seit jeher als 'die größte Strandsäuberungsaktion der Welt' gefeiert wird, sehr erfolgreich. Konnten sie damals den Hauptbereich des Strandes von Müll und Plastik befreien, haben sie es jetzt geschafft, den gesamten Strandabschnitt zu säubern.  

Nach 21 Monaten knochenharter Arbeit ist der Strand von über 5 Millionen Tonnen Abfall befreit worden - das meiste davon Plastik, das sich am Ufer angesammelt hatte. Zusätzlich hat Shahs Team 52 öffentliche Toiletten gesäubert und 50 Kokosnusspalmen gepflanzt.

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Für seine Vision und seinen fantastischen Einsatz wurde Shah jetzt von der UN mit dem „Champion of the Earth Award“ ausgezeichnet.

„Ich liebe den Ozean und bin davon überzeugt, dass es unsere Pflicht ist, unsere Meere von Plastik zu befreien”, erzählt er der UN. „Ich habe die Hoffnung, dass dies erst der Anfang für die Küstengemeinden in Indien und der ganzen Welt ist.“

Und tatsächlich endet Shahs Arbeit nicht mit dem letzten Stück Abfall, das er am Versova-Beach eingesammelt hat. Schon in naher Zukunft will er tausende von Kokosnusspalmen pflanzen, damit der Strand wieder in die Lagune verwandelt werden kann, die er vorher war.

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Zudem arbeitet er an einer Lösung, die Menge an Abfall zu beschränken, die an den Strand kommt. Hierfür will er Zäune entlang der Flüsse zum Meer hin errichten, damit sie keinen Abfall mehr an den Strand spülen.

Shah plant, seine Aufräumarbeiten auf die Mangrovenwälder entlang der Küste auszuweiten, die ähnlich stark von Abfall betroffen sind. Diese Wälder dienen als einzigartiges Filtersystem und bieten einen natürlichen Schutz gegen Stürme - wenn sie denn sauber und frei von Müll sind.

Darüber hinaus hofft Shah, diese Maßnahmen auch in andere Teile Indiens zu tragen und die Menschen zu einem nationalen Bewusstsein für Umweltschutz zu inspirieren. Und schließlich will Shah sein Engagement an die ganze Welt weitergeben, damit durch die Säuberung der Ozeane und Ökosysteme eine Welt geschaffen werden kann, die das Leben in all seiner Pracht schützt.

Zugegeben, das wird ein harter Kampf. Aber es ist nicht unmöglich.

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Denn während Unternehmen regelmäßig für ihre in den Umlauf gebrachten Plastikmengen kritisiert werden, fängt die Umweltverschmutzung in Wahrheit schon bei jedem einzelnen von uns an.

Jedes Jahr gelangen zwischen acht und dreizehn Millionen Tonnen Plastik in die Meere und Ozeane - das entspricht zwei Müllwagen pro Minute, die bis obenhin mit Plastikmüll beladen sind. Weltweit betrachtet kommen auf jeden Meter Küste fünf Plastiktüten, die wiederum mit Plastik gefüllt sind. Bis 2050 wird es mehr Plastik als Fische in unseren Ozeanen geben.

Wenn Shahs Arbeit neben einem sauberem Strand also eins bewiesen hat, dann, dass die Menschen ihr Verhältnis zu Müll verändern können und es in der Hand haben, für eine saubere Umwelt zu sorgen.