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Frauenrechte

Diese Frau aus München hat Sexismus in Zeitungen den Kampf angesagt

Vor knapp fünf Jahren verbannte Deutschlands auflagenstärkste Tageszeitung - die BILD - eins ihrer bis dato Markenzeichen von der Titelseite: das sehr leicht bekleidete (man könnte auch 'nackt' sagen) Seite-1-Girl, das seit 1984 über 5.000 Ausgaben zierte, zog ins Zeitungsinnere um.

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Penelope Kemekenidou kann darüber, wie sie selbst sagst, nur den Kopf schütteln. Für sie sind solche Aktionen Augenwischerei.  

Seit Jahren setzt Penelope sich für eine gleichberechtigte Welt ein. Auf change.org startete sie zum Beispiel eine Petition mit der Forderung, die Tamponsteuer in Deutschland zu senken. Ihr Argument: warum werden notwendige Hygieneartikel mit 19% besteuert, Dinge wie Lachskaviar allerdings gerade einmal mit 7%? Lachskaviar wird als Gut des täglichen Gebrauchs angesehen, Tampons und Slipeinlagen hingegen nicht. Für sie hat das mit Gleichberechtigung wenig zu tun.

Auch die Aktion der BILD-Zeitung ärgerte Penelope. 2014 stieß sie dann auf eine weitere Petition auf change.org, die von Kristina Lunz ins Leben gerufen wurde, mit dem Ziel, dem Sexismus in der BILD-Zeitung entgegenzuwirken. Penelope und viele weitere hatten ihr Sprachrohr gefunden. Die Petition war in den folgenden Wochen und Monaten so erfolgreich, dass die Initiatorin, Kristina Lunz, Penelope mit an Bord holte und sie gemeinsam den gemeinnützigen Verein Gender Equality Media e.V. gründeten.

Als eines der Beispiele nennt der Verein auf der Petitionsseite die Ausgabe vom 17. September 2014: An dem Tag wurden die Leser auf der Titelseite dazu aufgerufen, das Dekolleté von sechs prominenten Frauen zu bewerten.

Auf der Petitions-Seite heißt es hierzu: „Diese sechs Frauen sind erfolgreiche Persönlichkeiten der deutschen Medienlandschaft. Dennoch werden sie, anders als ihre männlichen Kollegen, nur auf ihr Äußeres und ihre Sexualität reduziert.” 

Foto: Penelope Kemekenidou

Global Citizen hat mit Penelope Kemekenidou ein Interview geführt. 

Was war der ausschlaggebende Punkt, dass ihr den Verein Gender Equality Media e.V. gegründet habt?

‘You can’t be what you can’t see’. Studien belegen, dass die deutsche Medienlandschaft ein längst veraltetes Geschlechterbild reproduziert und so zur Objektifizierung von Frauen sowie der Verharmlosung häuslicher Gewalt und Vergewaltigung beiträgt, während Vorurteile gegenüber Homo- und Transsexuellen bestärkt werden. Wir sind ein Team das zum einen diese Problematik ins Bewusstsein führt, zum anderen auch ein Gegengewicht mit positiven Inhalten erzeugt. So ist neben unserer Kampagne gegen die Bild-Zeitung gerade eine Dokumentation über die deutsche feministische Szene in Arbeit.

Wie glaubst du wird Europas auflagenstärkste Tageszeitung auf eure Kampagne ‘StopBildSexism’ reagieren?

Unsere Kampagne wird von über 100 Politikern und Organisationen, darunter UN Women, dem Deutschen Frauenrat und Pinkstinks, unterstützt, so dass die Chefredakteurin der Bild, Frau Tanit Koch, schon in einem Interview auf uns angesprochen wurde, was sie nicht sonderlich erfreut hat. Der Druck wird auch mit unserer nächsten Aktion sicher nicht weniger werden.

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In einer anderen Petitionen forderst du, dass in Deutschland die Tamponsteuer gesenkt wird. 

Während finanzielle Gleichstellung nach einer Studie der UN noch über 100 Jahre entfernt ist, zahlen Frauen für Dienstleistungen und Produkte oft grundlos mehr, was auch ‘pink tax’ genannt wird. Gerade beim Thema Periode meinte auch schon Barack Obama: Er ist sich sicher, dass Tampons und Binden so besteuert sind, weil Männer an der Macht sind. Die weltweiten Tampontax-Aktionen haben dieses Thema wieder nach oben gebracht, so dass in Kalifornien nun über kostenlose Produkte in Krankenhäusern und Schulen diskutiert wird. Ein Team in Bayern sitzt nun ebenso an einem Projekt dazu.

In einem Satz: Was würdest du dir für alle Mädchen & Frauen weltweit für die Zukunft wünschen?

Ich habe keine Wünsche, nur Forderungen. Gerechtigkeit kann nur dann erzielt werden, wenn andere ihre Privilegien abgeben, was selten freiwillig passiert.