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Frauenrechte

Paris verbietet sexistische Werbung an allen öffentlichen Plätzen

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Tolle Nachrichten: Noch vor Ende 2017 wird Paris von sämtlicher sexistischer Werbung auf öffentlichen Plätzen befreit sein.

Die Stadtverwaltung von Paris stimmte am 28. März für einen neuen Vertrag mit der Agentur für Außenwerbung JCDeceaux, der am 20. November 2017 in Kraft treten wird.

Laut New York Times werden folgende Werbeanzeigen aus öffentlichen Darstellungen verbannt:

  • Sexistische Stereotypen

  • Schwulenfeindliche Bilder

  • Alle Arten von entwürdigenden, entmenschlichten oder beleidigenden Darstellungen von Frauen und Männern

  • Ethnische Diskriminierung

  • Diskriminierung von Nationalitäten

  • Religiöse Diskriminierung

  • Altersfeindliche Bilder

  • Bilder, die offensichtlich die menschliche Würde angreifen

Anne Hidalgo, Bürgermeisterin von Paris, lobte die richtungsweisende Wahl in einer Pressemitteilung: „Nach London und Genf, die bereits ähnliche Maßnahmen ergriffen haben, zeigt Paris nun den Weg auf, indem es alle nur denkbaren Möglichkeiten ergreift, um die Förderung und Verbreitung von entwürdigenden Darstellungen bestimmter Kategorien von Bürgern zu verhindern.”

Laut Hidalgos Aussagen folgt das französische Gesetz einem ähnlichen Regierungsbeschluss von London - in Englands Hauptstadt wurde vergangenes Jahr eine umstrittene Diät-Werbung veröffentlicht, die Berufspendler fragte, ob sie schon „ihre Strandfigur erreicht hätten”. Angetrieben durch diese Werbung schaffte es Londons Bürgermeister Sadiq Khan ein Jahr nach Amtsantritt, dass die Werbemethoden in Londons U-Bahnhöfen geändert werden mussten.

„Als Vater von zwei Mädchen im Teenageralter bin ich ziemlich über diese Art Werbung besorgt, die Menschen, vor allem Frauen, dazu bringen kann, ihre Körper zu hassen. Es ist höchste Zeit, dass es endlich ein Ende hat“, erklärt Khan in einem Interview mit dem der Londoner Tageszeitung Evening Standard.

„Niemand sollte sich von unrealistischen Erwartungen an seinen Körper unter Druck gesetzt fühlen, während er mit der U-Bahn oder dem Bus fährt, und ich will damit eine klare Botschaft an die Werbeagenturen senden.“

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Zwar ist eine Gesetzesänderung wie in Paris oder London eine gute Sache, aber dem großen Problem wird auch sie allein nicht Herr - Sexismus schlüpft immer noch durch die Maschen des Systems. Sexistische Werbung, die einen an sich und seiner Figur zweifeln lässt, wird nun verboten, aber es gibt mehr als nur eine Möglichkeit, frauenfeindliche Inhalte zu fördern. Erst diese Woche entfernte die Immobilienfirma Marsh & Parsons eine Werbung aus der Londoner U-Bahn, nachdem Beschwerden an die Behörde für Werbestandards vorgedrungen waren. Das Poster vergleicht eine junge Frau mit einer Hauserweiterung, während sie neben einem sehr viel älteren Mann steht.

Schon zuvor in diesem Monat wurde der mobile Wellness-Service „USPAAH“ mit einer ähnlichen Reaktion konfrontiert, nachdem sie eine Werbekampagne starteten, die Männern Ratschläge gibt, wie man „die Geliebte bei Laune hält“ - und zwar mit Wellness-Geschenken. Viele haben das Unternehmen für die Verstärkung von potentiell gefährlichen Geschlechter-Stereotypen kritisiert – nämlich, dass die Frauen darauf warten müssen, bis ihre Männer nach Hause kommen und mit simplen Tricks gekauft werden können. In diesem Fall hat das Unternehmen die Kampagne allerdings verteidigt, und sich geweigert, die Plakate zu überarbeiten oder zu entfernen. Aber Warum?

Ganz einfach: Sex sells. Die enorme öffentliche Aufmerksamkeit, die die Werbung über die perfekte Strandfigur erhielt, brachte dem Unternehmen „Protein World“, das dahinter steckte, schätzungsweise eine Millionen Pfund in nur vier Tagen ein - trotz öffentlicher Empörung. Sie war so erfolgreich, dass sie die Abnehm-Kampagne als Idee nach New York exportierten und eine ähnlich angewiderte Reaktion provoziert haben. Hat das Unternehmen bewusst auf die liberalen Gesinnungen gezielt, um eine große Empörung auszulösen, damit sie so den Fokus der Öffentlichkeit auf sich ziehen? Weil das Konzept sowohl in London als auch in New York aufzugehen schien, investierte das Unternehmen weitere Millionen in den gleichen Plan, um letzten Monat eine Anzeige in der südenglischen Grafschaft Sussex zu starten, die Passanten wörtlich dazu drängt, zu versuchen mit Khloe Kardashian mitzuhalten.

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Auf Twitter hat USPAAH sogar unterschiedliche Medienunternehmen getaggt und deren Argumente gegen USPAAH versucht, den Wind aus den Segeln zu nehmen – ein vergeblicher Versuch, trotz Gegenargumente die Diskussion am Leben zu erhalten? Wenn es USPAAH darum ging, Aufmerksamkeit in der Presse zu erhalten, dann ist ihnen das auf jeden Fall gelungen. Und warum sollten sie damit nicht fortfahren, wenn eine der auflagestärksten Zeitungen Englands einen Tag vor Brexit fröhlich die Beine der Premierministerin des Landes mit denen der schottischen Ministerin Sturgeons auf der Titelseite auf der Titelseite vergleicht? Die Titelseiten der Boulevardzeitungen und Werbeplakate sehen täglich Millionen Menschen. Wenn nicht damit angefangen wird, diesen öffentlichen ‘Raum’ zu regulieren, dann wird Sexismus immer weiter als etwas normales akzeptiert werden.

Glücklicherweise werden solche Werbungen in Paris nicht länger geduldet sein. Das Plakat der Immobilienfirma, das in Londons U-Bahn-Stationen zu sehen war, würde in Paris nun als entwürdigende Darstellung“ von Frauen gezählt. Und vermutlich würde sie auch durch den „Altersfeindlichen-Test“ fallen. Der Wellness-Service würde sich selbst in einem Werbespot wiederfinden, in dem er mit den Regeln hinsichtlich der Darstellung von „sexistischen Stereotypen“ konfrontiert wird, während die „Strandfigur-Idee“ bereits am Reißbrett gestorben wäre.

Das neue Gesetz von Paris ist wichtig und zeigt, wie Gerichte und Regierungen gesetzlich gegen die verschiedenen Formen von öffentlicher Diskriminierung vorgehen können. Sadiq Khan hat die Werbelandschaft von London verbessert, aber wie der letzte Monat zeigte, braucht es noch mehr. Der Rest der Welt muss schnell daran anschließen – andernfalls wird es weiterhin Firmen geben, die versuchen, mit frauenfeindlichen Ideen Profit zu schlagen.