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© Erol Ahmed/Unsplash
Frauenrechte

So teuer ist die Periode

Warum das wichtig ist
Jeden Tag menstruieren mehr als 800 Millionen Menschen. Und das ist teuer! Nicht alle können sich Binden, Tampons und Schmerzmittel leisten. Deshalb setzen wir uns für bezahlbare Hygieneprodukte sowie den Zugang zu Sanitäranlagen und Gesundheitsversorgung für Mädchen weltweit ein. Hier kannst du mitmachen.

Wer keine Periode hat, kann es sich womöglich schwer vorstellen: Aber die Schmerzen können gewaltig sein. Eine Studie hat sogar herausgefunden, dass sich Regelschmerzen fast so schlimm anfühlen können, wie ein Herzinfarkt – man muss wohl nicht dazusagen, dass Arbeiten, zur Schule gehen oder Sport zu machen mit solchen Schmerzen nicht besonders angenehm ist. Und das Ganze passiert so alle drei bis vier Wochen. 

Doch das ist nur eines der Probleme. In einigen Regionen der Welt gilt die Periode als “unrein”. In Nepal werden Frauen und Mädchen sogar in sogenannte “Menstruationshütten” verbannt, auch wenn diese offiziell verboten sind. Das ist besonders extrem. Aber seien wir mal ehrlich: Selbst hierzulande wird das Thema oft noch tabuisiert – obwohl es das normalste der Welt ist und rund die Hälfte der Weltbevölkerung direkt betrifft. 

Als wär das nicht genug, kommt noch hinzu, dass Binden, Tampons und Schmerzmittel Geld kosten – und zwar viel Geld. Eine Studie kam zu dem Ergebnis, dass Frauen in Großbritannien jährlich 550 Euro für ihre Periode ausgeben. Und Frauen verdienen ja bekanntlich tendenziell weniger als Männer – eine doppelte Ungerechtigkeit. 

Das ist Periodenarmut

Das führt dazu, dass sich nicht alle Frauen und Mädchen Hygieneartikel wie Binden oder Tampons überhaupt leisten können. Dieses Problem wird als “Period Poverty” oder “Periodenarmut” bezeichnet: Es fehlt der Zugang zu bezahlbaren Hygieneprodukten, Aufklärung, Toiletten, Waschbecken oder Abfallentsorgung. 

Periodenarmut gibt es auch in Europa

Das Ausmaß von Periodenarmut ist in ärmeren Ländern natürlich größer. Doch auch in Europa ist das Problem bekannt. Einige Jugendliche verpassen deshalb jeden Monat ein paar Tage die Schule. 

In Großbritannien etwa ist das Problem durchaus verbreitet: Eine Studie der Kinderhilfsorganisation Plan aus 2017 stellte fest, dass eines von zehn Mädchen in Großbritannien sich keine Hygieneprodukte leisten kann. In Schottland etwa sogar jede vierte Schülerin mit “Period Poverty” zu kämpfen. 

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Um dem entgegenzuwirken, hat Schottland 2018 entschieden, Binden und Tampons in Schulen und Universitäten kostenlos zur Verfügung zu stellen. Nun will das Land noch einen Schritt weitergehen: Ende Februar stimmte das Parlament für den Vorschlag, alle Menstruierenden, die darauf angewiesen sind, mit kostenlosen Menstruationshygiene-Produkte zu versorgen. Diese sollen an öffentlichen Orten wie in Jugendzentren und in Apotheken verfügbar sein. 

Wie sieht’s in Deutschland aus?

Es ist schwer zu sagen, wie verbreitet das Problem in Deutschland ist. Es fehlen belegbare Studien – und auch Erhebungen zu den Kosten der Menstruation gibt es hierzulande nicht. 

Also starten wir mal ein kleines Rechenexperiment: Ein Tampon der Marke OB kostet rund 20 Cent. Mindestens alle sechs Stunden sollte ein Tampon gewechselt werden. Das macht 20 Tampons pro Zyklus und damit vier Euro pro Monat. Hinzu kommen bei vielen Frauen Schmerzmittel, die je nach Marke und Inhaltsstoffen zwischen vier und zehn Euro kosten, so der Spiegel. Hinzu kommen Kosten für neue Unterwäsche und Bettwäsche, weil hier und da mal etwas Blut daneben geht. Die monatlichen Kosten kommen also locker einer Mitgliedschaft im Fitnessstudio oder einem Handyvertrag gleich. 

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Natürlich ist das nur eine grobe Schätzung. Aber sie zeigt, dass Frauen und Mädchen Monat für Monat für etwas Geld ausgeben müssen, das sie sich nicht ausgesucht haben. 

Diese Kosten werden weder beim Gehalt berücksichtigt, noch beim Hartz-IV-Regelsatz. Der sieht für "Gesundheitspflege" 15,55 Euro im Monat vor – da fallen die oben genannten Kosten natürlich ins Gewicht. 

Immerhin werden Tampons und Co. seit 1. Januar 2020 nur noch mit sieben Prozent besteuert. Ein Anfang, liebe Bundesregierung. Aber nur so als kleiner Wink: In Kenia, Kanada, Irland und auch in Indien werden Frauenhygieneartikel komplett steuerfrei verkauft.