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OpinionFrauenrechte

Diese Momente sexueller Belästigung widerfahren Männern einfach nicht

©Suistudio

Dass vom Autolack bis zur Müllermilch alles mit halbnackten Frauen beworben wird, ist nichts Neues. Aber diese Bilder sind irritierend – auch für mich als Frau. Ein nackter Männerkörper, präsentiert als Accessoire einer Frau? Irgendwie verstörend. Es klingt dramatisch, aber das ist es auch: Wäre diese Werbekampagne des Modelabels Suistudio ernst gemeint, würde sie tatsächlich unsere Welt verändern.

In Wirklichkeit erkennen wir aber sofort: Das ist absurd. Die Macher der Kampagne erlauben sich offensichtlich einen Scherz mit uns.

Bildschirmfoto 2017-10-19 um 12.21.58.png©Suistudio

Ob es jemals Wirklichkeit werden wird, dass Männer und Frauen komplett gleichberechtigt sind und gleich behandelt werden?

Ich konnte mich bis heute nicht dazu durchringen, mich als Feministin zu bezeichnen. Mit der Frage danach wäre ich wohl ähnlich überfordert gewesen wie kürzlich Angela Merkel. Trotzdem will ich, dass sich etwas ändert.

Den Vorwurf, dass Männern und Frauen in der Werbung klare Rollen zugewiesen werden, kann man natürlich der Werbebranche machen. Doch muss man nicht auch unsere ganze Gesellschaft infrage stellen?

Sexuelle Belästigung im Alltag passiert überall

In Hollywood und Holland, in Diskotheken und Fitnessstudios – und auch im Internet werden Frauen sexuell belästigt.

Die Geschichte einer 21-Jährige, die bei eBay obszöne Angebote bekam, beweist einmal mehr, was sich manche Männer trauen. Die junge Frau bekam lästige Anmachsprüche, Date-Anfragen und Komplimente. Dabei war sie nicht auf der Suche nach einem neuen Lover, sondern nach einem Nebenjob als Babysitterin. Es stand klar und deutlich in der Anzeige – Missverständnisse ausgeschlossen. Ich glaube – nein, ich weiß – sie ist damit nicht allein.

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Ich selbst habe vor einigen Jahren ähnliches erlebt. Es war bevor Secondhand-Portale wie Kleiderkreisel und Mädchenflohmarkt durch die Decke gingen und man seine Klamotten noch bei eBay-Kleinanzeigen loszuwerden versuchte. Ich stellte damals eine Leggings ein. Ich legte die Hose auf meine Kommode und machte ein Foto. Wahrscheinlich wollen die potenziellen Käuferinnen auch sehen, wie sie sitzt, dachte ich mir. Also zog ich die Hose an und machte noch ein Bild. Ohne dass mein Gesicht zu sehen war, mein Oberkörper oder mein Po. Es waren einfach nur zwei Beine in einer schwarzen Hose.

Es dauerte keine zwei Stunden, bis ich die erste Nachricht bekam. Von einem Mann (zumindest hatte der eBay-Account einen männlichen Namen), der fragte, ob ich nicht noch mehr Fotos machen könne, vielleicht auch eins von hinten. Seine Begründung: der Stoff sei so schlecht zu erkennen. Es war ein Mittwochvormittag. Ich reagierte nicht.

Eine Stunde später die nächste Nachricht: Ein Mann schrieb mir, ob ich nicht auf in der Hose und auf hochhakigen Schuhen auf einer Luftmatratze springen könnte. Er würde mir dafür auch 50 Euro überweisen. Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte und fragte mich tatsächlich kurz, ob ich etwas falsch gemacht hatte. Ich löschte die Anzeige.

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Ich erzählte meinen Freundinnen davon und  – wen wundert es – sie berichteten von ähnlichen Geschichten. Sogar von einem Mann, der sie nach getragenen Slips fragte (natürlich ging es auch in der Anzeige nicht um den Verkauf von Unterwäsche).

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Man könnte meinen, dies sind Einzelfälle. Doch spätestens die Reaktionen auf Kampagnen wie #MeToo und  den Instagram-Account einer jungen Holländerin, die einen Monat lang Selfies mit ihren „Catcallern“ machte, zeigen, dass es zu viele Männer gibt, die sich in allen gesellschaftlichen Bereichen des Lebens erlauben, Grenzen zu überschreiten.

Was wir tun müssen? Nicht aufhören, wütend zu sein. Nicht aufhören, mutig zu sein. Und nicht anfangen, etwas hinzunehmen, das offensichtlich falsch ist.