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Frauenrechte

Neuartiger 'Penis-Sitz' lässt Männer in Mexiko sexuelle Belästigung spüren

In Mexiko City hat eine UN-Frauen-Kampagne gegen sexuelle Belästigung gestartet, die Männer dazu bringen soll, einmal genauer hinzusehen und nachzudenken.

Der sogenannte „Penis-Sitz“ in der U-Bahn von Mexiko City ist mit dem Hinweis „nur für Männer“ versehen und ist mit einem voll erigierten Penis und einer hervortretenden Männerbrust ausgestattet. Das Video der Kampagne wurde bereits jetzt über 800.000 Mal angeschaut und zeigt eine Reihe von schockierten Männern, die sich zwar gerne hinsetzen wollen, aber es sich beim Anblick des Penis dann doch anders überlegen.

Laut der britischen Tageszeitung The Independent lautet eine Notiz auf dem Boden vor dem Stuhl: „Es ist unbequem hier zu sitzen, aber das ist gar nichts im Vergleich zu der sexuellen Gewalt, unter der Frauen jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit und nach Hause leiden.“

Der Plastiksitz ist nur eine vorübergehende Maßnahme, um Aufmerksamkeit auf die Tatsache zu lenken, dass 90 Prozent aller Frauen in Mexiko City Erfahrungen mit Formen von sexueller Gewalt im öffentlichen Verkehr gemacht haben. Der Stuhl steht im Kontext mit der „#NoEsDeHombres (‘Das ist nicht männlich’)“- Kampagne, einer Serie von sozialen Experimenten, in denen Männer in dieselbe Situation gebracht werden sollen, mit der normalerweise Frauen tagtäglich konfrontiert sind. So werden in einem anderen Video männliche Hinterteile auf große Leinwände in den U-Bahnhöfen projiziert.

„Die meisten Männer sehen sexuelle Belästigung nicht als Gewalt. Anzügliche Dinge zu Frauen zu sagen oder ihnen nachzupfeifen wird als völlig normal wahrgenommen“, sagt Ana Güezmes von ’UN-Women-Mexiko’ als die Kampagne startete. „Die Kampagne will diese Einstellung ändern und Männer davon abhalten, zu denken, dass sexuelle Belästigung normal wäre.“

Es wurden schon viele Gesetze zum Schutz von Frauen in öffentlichen Transportmitteln in Mexiko City aufgestellt. Viele von ihnen sind jedoch schnell wieder gescheitert. Doch die Regel, dass in den ersten drei U-Bahnwaggons während des Berufsverkehrs nur Frauen Platz nehmen dürfen, existiert schon seit Jahrzehnten. Im Jahr 2000 wurde diese Maßnahme sogar auf den ganzen Tag ausgedehnt. Es wurden Busse erprobt, die nur für Frauen sind und städtisch gekennzeichnete Trillerpfeifen, die bei Gefahr benutzt werden können.  

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Nicht, dass es Mexiko etwa an Kreativität fehlen würde. Seit letztem Jahr setzt eine Gruppe von Feministinnen, die sich selbst „Hijas de Violencia (Die Töchter der Gewalt)“ nennen, Punkrock und Konfetti-Pistolen ein, um sich selbst zu schützen. Jedes Mal, wenn sie öffentliche Übergriffe mitbekommen, feuern sie ihre Konfetti-Pistolen in das Gesicht des Angreifers ab, drehen die Lautsprecher auf und singen das Lied „Sexista Punk“, so aggressiv sie nur können.

„Wir denken bestimmt nicht, dass wir damit die Welt verändern werden“, erklärt eine der Töchter in einem Interview mit AJ+. „Aber wir wissen mit Sicherheit, dass wir unsere verändern.”

Aber letzten Endes hat keine dieser Maßnahmen Mexiko City davor bewahren können, hinsichtlich sexueller Belästigung zu einer der gefährlichsten Städte der Welt  zu werden. Die BBC hat über eine Studie von„YouGov“ über die weltweiten öffentlichen Verkehrsmittel 2013 berichtet, in der Mexiko City am schlechtesten von allen Städten bewertet wurde, sowohl was den körperlichen, wie auch den verbalen Missbrauch angeht. Ein UN-Bericht aus dem Jahr 2000 hat ebenfalls bestätigt, dass Mexiko City die weltweit schlimmste Stadt in Bezug auf sexuelle Gewalt gegen Frauen sei – fast die Hälfte aller mexikanischen Frauen würden so etwas mindestens einmal in ihrem Leben erleben.

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Der umstrittene „Penis-Stuhl“ wird von denen gelobt, die daran glauben, dass Schockmomente nötig sind, um die Aufmerksamkeit einer Stadt zu bekommen, die schon viel zu lange ihre Probleme mit sexueller Belästigung ignoriert hat. Auf jeden Fall wurde dadurch eine hitzige Debatte losgetreten. Kritiker behaupten, dass damit nicht im ausreichendem Maße der Kern des Problems berührt wird – nämlich das Verhalten der Männer gegenüber Frauen. Obwohl „#NoEsDeHombres“-Kampagne die Männer im wahrsten Sinne des Wortes  ins Visier nimmt, scheinen manche zu spüren, dass es noch viel mehr gibt, was man tun könnte.