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6 Dinge, die du nicht vergessen solltest, während Russland die WM ausrichtet

Fußball kann Frieden stiften und Menschen zusammenbringen. Das historische Fußballspiel an Heiligabend 1914 hat das gezeigt – als deutsche und britische Soldaten im ersten Weltkrieg ihre Waffen niederlegten und stattdessen kickten.

Die UNICEFs Initiative „Soccer Aid“ sammelte kürzlich Millionen und unterstützte mit dem Geld Kinder rund um die Welt. Fußball verbindet, das steht fest.

Die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft hat gerade erst begonnen und schon jetzt entsteht der Eindruck, dass der Sport dazu beitragen könnte, die politischen Spannungen zu überwinden oder sie zumindest für einen kurzen Moment zur Ruhe kommen zu lassen.

Die Hälfte der Weltbevölkerung wird bei der WM zuschauen (wirklich wahr). Doch während wir auf die Bildschirme blicken, während wir mitfiebern, jubeln und bangen, sollten wir eines nicht vergessen: Die Weltmeisterschaft ist weit mehr als das, was sich auf dem Fußballplatz abspielt.

Hier sind ein paar Dinge, die wir nicht aus den Augen verlieren sollten.

1. Armut

Im Jahr 2014 nahm Russland 51 Milliarden US-Dollar in die Hand, um die Olympischen Winterspiele in Sotchi auszurichten.

Die Ausrichtung der Weltmeisterschaft dieses Jahr kostete deutlich weniger. Allerdings war es – pro Sitz gerechnet – die teuerste Stadionrenovierung einer Weltmeisterschaft dieses Jahrhunderts. Elf Milliarden Dollar gab Russland im Vorfeld der WM aus, so wird es berichtet.

Gleichzeitig leben 20 Millionen Menschen in Russland unter der Armutsgrenze - von weniger als 9.828 Rubel (158 Dollar) pro Monat – während spekuliert wird, dass Präsident Wladimir Putin insgeheim der reichste Mann der Welt sein könnte. Nach Aussagen eines früheren Hedgefonds-Managers aus Russland und anderer Insider könnte das Gesamtvermögen des Präsidenten 200 Milliarden Dollar betragen.

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Die Weltmeisterschaft wird die russische Wirtschaft zwar kurzfristig in Schwung bringen, doch die Zentralbank hat bereits davor gewarnt, dass die Inflation dadurch steigen könnte. Im Wesentlichen bedeutet dies: Die Reichen würden wohlhabender, während lokale, kleinere Unternehmen wenig profitieren. Und wenn die Preise erst steigen, wird es die Armen noch schlimmer treffen.

2. LGBTQ: Die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender- und Queer-Personen

Als der amerikanische Skier Gus Kenworthy seinen Freund bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang vor laufenden Kameras küsste, tobte das Internet vor Freude. Es war ein starker Moment.

In Russland hingegen werden Schwule gekidnappt, gefoltert und ermordet. In den vergangenen Jahren wurde über „schwule Folterlager“ in der südrussischen Republik Tschetschenien geschrieben. Eltern sollen zur Hinrichtung ihrer LGBTQ-Kinder aufgefordert worden sein, auch das wurde berichtet. Inzwischen hat die lokale Regierung behauptet, schwule Menschen würden nicht existieren.

3. Menschenrechte

Oleg Sentsovs Schicksal ist ein trauriges Symbol für die Macht Russlands. Nach der Annexion der Krim wurde der ukrainische Filmregisseur und Kreml-Kritiker festgenommen und wegen der angeblichen Gründung einer terroristischen Organisation zu 20 Jahren Haft verurteilt.

Nun hat Sentsov im Straflager den Hungerstreik angetreten. Seine Nieren drohen zu versagen. Es gilt als wahrscheinlich, dass er während der WM im Gefängnis sterben wird.

In mehr als 80 Städten in 25 Ländern demonstrierten Menschen währenddessen für Sentsov Freilassung.

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Das Schicksal Sentsov ist kein Einzelfall. Der Aktivist Igor Nagavkin wurde jahrelang festgehalten und gefoltert, berichtet Amnesty International.

Bei Protesten gegen Putin im Mai diesen Jahres wurden 1.600 Demonstranten inhaftiert - darunter der Oppositionsführer Alexej Nawalny.

Die Sicherheit von Demonstranten habe sogar noch einmal deutlich abgenommen, seit bekannt wurde, dass Russland die WM ausrichten würde, so Amnesty.

4. Moderne Sklaverei

Die Weltmeisterschaft 2022 in Katar soll noch mehr kosten, als die diesjährige WM. Schätzungsweise 200 Milliarden Dollar soll das Event kosten – neben brandneuen Stadien, die in dem Wüstenstaat gebaut werden, muss auch in Bahn- und Busnetze investiert werden.

Aber es ist nicht nur das Geld. Viel schwerer wiegen die Kosten, die auf das Konto von Menschenleben gehen.

Denn das System von Katar gibt Arbeitgebern die vollständige Kontrolle über ihre Beschäftigten – moderne Sklaverei ist häufig die Folge.

Berichten zufolge sind bereits 1.200 Menschen im Vorfeld der Veranstaltung gestorben, die für niedrige Löhne unter entsetzlichen und hochriskanten Bedingungen gearbeitet haben. Und der Bauprozess hat seinen Höhepunkt noch lange nicht erreicht.

Wann also wäre ein besserer Zeitpunkt, als schon jetzt auf die Missstände aufmerksam zu machen?

5. Rassismus

Englands Abwehrspieler Danny Rose hat seiner Familie im Vorfeld des Turniers gesagt, sie sollten nicht nach Russland reisen. „Um mich selbst mache ich mir keine Sorgen“, sagt Rose. „Aber meiner Familie habe ich gesagt, dass sie zuhause bleiben sollen – wegen des Rassismus und allem anderen, was passieren könnte.“

„Mein Vater ist wirklich aufgebracht. Ich konnte es in seiner Stimme hören“, fuhr Rose fort. „Er sagte, dass er vielleicht nie wieder eine Chance bekommen würde, mich während einer Weltmeisterschaft [auf dem Spielfeld] zu sehen.“ Doch so sei es nun eben, sagt Rose. „Russland hat die Zusage bekommen, die WM ausrichten zu dürfen und wir müssen nun damit klarkommen.“

Der russische Fußballverband musste eine Geldstrafe von mehr als 30.000 US-Dollar zahlen, nachdem Fans im März mit rassistischen Gesängen in einem Freundschaftsspiel gegen Frankreich auffielen.

„Kick It Out“, eine Organisation, die Rassismus im Fußball bekämpft, hat Zweifel, dass Russland während der WM entschlossen mit Vorfällen wie diesen Umgehen wird.

Der russische Nationaltrainer Stanislav Cherchesov betonte im März hingegen, er glaube nicht, dass es in seinem Land „Rassismus in einem Ausmaß gibt, den es zu bekämpfen gilt“.

6. Konflikte

Die Annexion der Krim, der Krieg in Syrien – außenpolitische Ereignisse wie diese lassen sich auch während einer WM nicht ausblenden. Die Lage zwischen Deutschland und Russland ist seit Jahren angespannt.

Wird Kanzlerin Angela Merkel trotzdem für einen Besuch im Stadion nach Russland reisen? Vor vier Jahren war die Kanzlerin bei dem Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft in Brasilien dabei. Am gestrigen Sonntag, beim DFB-Spiel gegen Mexiko, war sie in Berlin. Dennoch schließe Merkel nicht aus, während der WM nach Russland zu reisen.

Auch CSU-Bundesminister Horst Seehofer, mit seinem Ministerium zuständig für Sport, habe wohl Interesse, sich ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft im Stadion anzusehen. Derzeit sind die Politiker der Schwesterparteien CDU und CSU jedoch ohnehin damit beschäftigt, ein nationales Problem zu lösen und sich auf eine gemeinsame Migrationspolitik zu einigen.

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