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Frauenrechte

Norwegens Fußballer verzichten auf Prämien, damit Frauenmannschaft gleichen Lohn bekommt

Tom Andre Skarning/Flickr

Nicht nur in Sachen Bildung, auch im Punkto Gleichberechtigung sind die Skandinavier Vorreiter.

Und dieses mal scheint es, als könnten wir uns eine Scheibe von den Norwegern abschneiden: Denn ab dem kommenden Jahr sollen die Nationalfußspielerinnen genauso viel verdienen, wie ihre männlichen Kollegen. Das gab der norwegische Fußballverband jetzt bekannt.

Beide Mannschaften bekommen ab 2018 jeweils sechs Millionen Kronen (rund 640.000 Euro). Das bedeutet, dass sich die Bezahlung für das Frauenteam mal eben von 3,1 Millionen Kronen (rund 331.000 Euro, die sie derzeit verdienen), fast verdoppeln wird! Gerechtfertigt ist das allemal. Auch, weil das Frauenteam in internationalen Turnieren konsequent die besseren Ergebnisse erzielte.

Die männlichen Fußballspieler verzichteten dafür im Gegenzug auf Geld. Derzeit verdient das Team insgesamt 6,55 Millionen Kronen. Rund 550.000 Kronen davon sind Erlöse aus kommerziellen Aktivitäten - und werden ab 2018 an die Frauenmannschaft ausgezahlt.

Norwegens Offensivspielerin Caroline Graham Hansen bedankte sich auf Instagram für die Aktion ihrer männlichen Nationalmannschaftskollegen: „Für euch war das vielleicht eine kleine Sache“, schreibt sie „aber für uns, unser Team, unseren Sport und alle weiblichen Athleten, die den gleichen Job machen und trotzdem weniger verdienen als Männer, ist es ein großer Schritt.“

„Danke dafür, dass ihr diesen Schritt für alle weiblichen Athleten gemacht habt. Dafür, dass ihr Gleichberechtigung gezeigt habt und uns allen dabei helft, es ein bisschen leichter zu machen, unsere Träume zu verfolgen und zu erreichen“, schreibt sie weiter.

Joachim Walltin, Chef der norwegischen Fußballspieler-Vereinigung, sagte, dass die Lohnanpassung einen großen Unterschied machen werde für den Sport in seinem Land.

„Norwegen ist ein Land, in dem Gleichberechtigung sehr wichtig ist“, sagte er dem norwegischen Rundfunk NRK. „Insbesondere für die Frauen wird es einen Unterschied machen. Manche von ihnen arbeiten oder studieren neben dem Fußballspielen noch.“

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Der Verband sehe seine Entscheidung auch als eine Investition, um das Niveau der Frauenmannschaft weiter zu steigern.

Auch die dänische Herrenmannschaft hat in der Zwischenzeit den Kolleginnen rund 67.000 Euro pro Jahr zugesagt, um ihre Kosten zu decken. Das wurde bekannt, nachdem Dänemark im September ein Spiel gegen die Niederlande abgesagt hatte. Der Grund für die Absage war ein Streit um die Finanzierung zwischen der dänischen Nationalmannschaft und dem nationalen Fußballverband (DBU).

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Walltin ist der Meinung, dass Norwegen das erste Land sei, das im Weltfußball eine solche Abmachung getroffen hat. „In Dänemark verhandeln sie noch immer, in den Vereinigten Staaten haben sich die Dinge verbessert, aber wir sind das einzige Land, in dem beide Mannschaften gleich behandelt werden", sagte er.

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Tore Reginiussen, Abwehrspieler der Nationalmannschaft, fügte hinzu: „Es ist schön, einen Beitrag leisten zu können. Guckt man auf unsere Ergebnisse aus den letzten Jahren, gibt es keinen Grund, warum wir so viel mehr verdienen sollten. Jetzt wird es eine gerechtere Verteilung geben. Das ist wichtig.“

Es ist ein großer Schritt für weibliche Athleten in Norwegen, obwohl das Land schon vorher zu den führenden Ländern in Sachen Gleichberechtigung galt. Im Global Economics Gap Report 2016 des Weltwirtschaftsforums, bei dem die Gleichstellung der Geschlechter analysiert wird, belegte Norwegen den dritten Platz von insgesamt 144 Ländern.