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Frauenrechte

Rektorin zwingt 70 Mädchen, sich auszuziehen, um Menstruation zu überprüfen

Flickr/Sarah Cohen-Rose

Eltern von Schülerinnen der Kasturba Gandhi Girls Residential School in Indien waren entsetzt, als sie erfuhren, dass die Schulleiterin Surekha Tomar 70 Mädchen im Alter von 10 bis 14 Jahren dazu zwang, sich auszuziehen, damit die Schulleiterin persönlich prüfen konnte, dass diese nicht ihre Periode hatten.

Der Vorfall ereignete sich bereits am 26. März, wurde allerdings erst jetzt bekannt. 

Laut der Times of India fand Tomar Menstruationsblut an die Tür einer Toilette geschmiert. Die Schulleiterin, die vehement auf den Schulregeln zur Disziplin und Sauberkeit beharrte, zitierte die Mädchen daraufhin in einen Klassenraum und befahl ihnen unter Androhung von Konsequenzen, sich auszuziehen.

„Ich bin immer noch der festen Überzeugung, dass meine Vorgehensweise die richtige war, denn ich bestehe auf Sauberkeit und Disziplin in meiner Schule. Die Mädchen und Lehrer dieser Schule stellen sich gemeinsam gegen mich, weil sie anscheinend keine strikte Schulleiterin haben wollen“, sagt Tomar.

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Obwohl die Schule versuchte, den Vorfall zu verschweigen, schlug die Nachricht hohe Wellen, nachdem die Mädchen sich öffentlich dazu äußerten. Schließlich hörte auch die Schulbehörde von der Situation.

Nun wird der Vorfall laut BBC offiziell untersucht.

Tomar rechtfertigte ihre Tat zunächst, schlug dann aber einen anderen Weg ein und bestritt die Tat. Nach Aussagen mancher Mädchen soll die Schulleiterin sogar versucht haben, sich für besagten Tag als 'fehlend' einzutragen.

Über den Vorfall im Klassenraum sagten einige später: „Einige von uns weinten, andere fingen an zu protestieren. Da griff die Schulleiterin in ihre Tasche, holte das Register heraus und trug sich selbst als 'fehlend' für den Tag ein. Vielleicht hatte sie schon da gemerkt, dass sie einen großen Fehler gemacht hat”, erzählte eine Studentin der Times of India.

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Die Schule ging in der darauffolgenden Woche rigoros vor, entließ Tomar und stellte stattdessen Neeta Chaudhary ein.

Für den Ruf der Schule schien es allerdings zu spät, denn nach dem Vorfall kamen nur noch die Hälfte aller Schülerinnen zurück in den Unterricht „Die gesamte Lehrerschaft ist bemüht, mit allen Eltern persönlich in Kontakt zu treten und sie davon zu überzeugen, ihre Töchter wieder zurück zur Schule zu schicken”, sagt Chandra Kesh Yadav, Verantwortliche der Schulbehörde.

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'Kasturba Gandhi Girls Residential School' ist Teil eines Schulzusammenschlusses, das Mädchen aus niedrigeren Kasten bzw. Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen eine Schulbildung ermöglichen wollen. Dass sich der Vorfall nun auch noch an dieser Schule ereignete, erschwert die Situation zusätzlich.

Denn schon jetzt schließen 23% der Mädchen im Land ihre schulische Laufbahn nicht ab. Zudem verpassen sehr viele Schülerinnen ab einem gewissen Alter pro Monat ca. sechs Tage Unterricht, weil die Schulgebäude häufig so alt und marode sind, dass sie keine funktionierenden sanitären Anlagen haben, in denen die Mädchen während ihrer Periode auf Toilette gehen könnten. In solchen Fall bleiben die Mädchen während ihrer Menstruation schlichtweg zu Hause und verpassen so wichtigen Unterrichtsstoff. 

Der Vorfall ist also schon schlimm genug in dem, wie die Mädchen sich haben behandeln lassen müssen - und es macht die Situation noch dramatischer, wenn dies nun viele davon abschreckt, weiterhin zur Schule zu gehen.