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Frauenrechte

TV-Spot für Slipeinlagen zeigt zum ersten Mal etwas ganz Natürliches: Blut

Jahrelange wurde Werbung für Tampons und Binden als sauber, adrett und irgendwie auch immer mit einem Hauch Geheimnis dargestellt. Erinnert sich noch jemand an den Slogan 'Die Geschichte der Menstruation ist eine Geschichte voller Missverständnisse'?! Oder aber: 'Nimmt die Regel da auf, wo sie passiert, im Inneren des Körpers' und dazu das Bild von einem Tampon in einer Hand? Ja, richtig gehört, in einer HAND. 

OB Werbung Im Inneren.pngQuelle: Screenshot Youtube

Auch aktuelle Werbung ist nicht unbedingt realistischer. Und immer noch ist alles sehr weiß und übertrieben fröhlich, mit adretten Frauen in makellosen Outfits, die über eine Wiese voller Gänseblümchen oder aber morgens Flecken- und ganz offensichtlich Unterleibskrampf-frei aus dem Bett hüpfen. 

OB Werbung 2015.pngQuelle: Screenshot Youtube

Tatsache ist: in keiner dieser Werbespots wird je Blut gezeigt. Teilweise nicht mal angedeutet. Oder aber ziemlich abstrus, wie diese komische blaue Flüssigkeit, die immer von Slipeinlagen aufgesogen wird. (Blau? Wer hat sich das denn ausgedacht?)

Vielleicht hat sich die britische Firma Bodyform, die Slipeinlagen herstellt, ähnliches gedacht. Man weiß es nicht genau. Fakt ist: ihre neue Werbekampagne zeigt Blut.
Frisches, rotes, fließendes Blut. Zusammen mit der Message, dass Frauen, die ihre Periode haben, sich von Blut nicht abschrecken lassen. Eine neu interpretierte Form der Aussage 'Frauen die ihre Periode haben, können alles.' Allerdings ohne weiß und ohne übertrieben fröhlich. Keine Frauen mehr, die sich über Flecken sorgen macht, übertrieben emotional dargestellt werden oder aber noch schlimmer: irgendwie peinlich berührt, dass es mal wieder 'diese Zeit im Monat ist' und man 'es hoffentlich nicht sieht'.

Bodyform erzählt die Geschichte neu. Denn der Spot zeigt nicht nur Frauen, die sich blutige Wunden zuziehen, sondern Frauen in Situationen, in denen wir sonst eher Männer erwarten würden: beim Boxen, in Rüstung mit Schwert, auf dem BMX-Rad. Starke Frauen, die sich von Blut nicht abschrecken lassen. Denn: es ist nur Blut, nichts außergewöhnliches, nichts peinliches. Genau wie Menstruation. Keine große Sache. Es gehört zum Leben dazu. Punkt.    

Frauen weltweit feiern den Spot und hoffen, dass der Rest der Hygieneartikel-produzierenden Welt das Signal versteht: dass endlich Schluss sein muss mit der Idee, die von der Werbung verkauft wird, dass Menstruation etwas ist, was Frauen 'überwinden' müssen. Das sie 'zurückhält' und Frauen in dieser Zeit 'besondere Hilfe' brauchen. 


Denn es sind solche Stigmata die dazu führen, dass in unzähligen Ländern Mädchen und Frauen sich für ihre Periode schämen bis hin zu dem Umstand, von der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden.

In Afrika beispielsweise bricht jedes zehnte Mädchen die Schule ab, sobald sie in die Pubertät kommt bzw. regelmäßig ihre Periode hat, entweder aus Scham und/oder weil die Schule keine sauberen Toiletten für Mädchen bereitstellt. In Afghanistan und Nepal ist es sogar jedes siebte Mädchen.
In anderen Ländern gelten Frauen, die ihre Periode haben, in der Zeit als 'unrein' und es ist sogar verboten, sie zu berühren. Was dazu führt, dass Frauen ausgegrenzt werden, keinen geregelten Alltag oder aber Job nachgehen können und sie ihr ganzes Leben lang benachteiligt und diskriminiert werden.

Aber die Scham vor einem biologisch total normalen Prozess lässt sich nicht nur in weit entfernten Ländern finden. Auch bei uns wird eher selten offen darüber gesprochen. Vielmehr hört man verschleierte, verniedlichte oder komplett bescheuerte Formen wie 'den roten Indianer zu besucht haben' oder 'auf der roten Welle schwimmen'. Auch gerne Mal von Männern genutzt: 'ins rote Meer stechen'.

Wen wundert es da noch, dass vor allem junge Mädchen die zum ersten Mal ihre Periode haben völlig verunsichert sind und sich mitunter schämen?

Der Spot der Firma Bodyform ist also nicht nur gut umgesetzt, sondern es war auch an der Zeit, dass solche Werbung gezeigt wird, um echte Debatten um Menstruation und ein gesundes Körpergefühl anzuregen. Damit die Geschichte der Menstruation zu einer offenen und vorurteilsfreien Geschichte wird.