Warum das wichtig ist
Japan landet auf Platz 114 von 144 Ländern, wenn es um Geschlechtergleichheit in der Arbeitswelt geht, sagt der aktuelle “Global Gender Gap Report“ des World Economic Forums. Die Tokyo Medical University hat die Ergebnisse der Aufnahmetest von Bewerberinnen absichtlich verschlechtert und so Männer systematisch bevorzugt. Global Citizen setzt sich mit Kampagnen für Geschlechtergerechtigkeit ein. Hier kannst du aktiv werden.

Jahrelang hofften junge Frauen darauf, an der Tokyo Medical University angenommen zu werden, an einer der begehrtesten Unis des Landes. Doch das Hoffen war vergebens.

Dass ihre Bewerbungen scheiterten, lang allerdings nicht an ihren mangelnden Fähigkeiten. Doch davon erfuhren die Bewerberinnen erst jetzt.

Wie die lokale Zeitung Yomiuri Shimbun vergangene Woche berichtete, hat die Universität die Ergebnisse von Frauen um 10 bis 20 Prozentgesenkt.

Eine interne Untersuchung an der Hochschule hat nun bestätigt, dass die Testergebnisse tatsächlich jahrelang systematisch manipuliert wurden, um Frauen an einem Medizinstudium zu hindern – und Männer ganz dreist vorzuziehen. Laut eines Anwalts, der an der Untersuchung beteiligt war, wurde das mindestens seit 2006 so gehandhabt, womöglich auch noch länger.

Seit Tagen berichten die nationalen Medien über den Vorfall, nun hat auch die internationale Presse den Skandal aufgegriffen.

Die Hochschule hat sich mittlerweile entschuldigt. Die Manipulationen hätten niemals stattfinden dürfen, heißt es. Und man werde dafür sorgen, dass dies in Zukunft nicht mehr vorkommt. Ob die benachteiligten Frauen entschädigt oder nachträglich doch noch einen Studienplatz bekommen, ist allerdings noch offen.

In diesem Jahr waren unter den erfolgreichen Bewerbern nicht mal 9 Prozent Frauen.

Wie die Untersuchung feststellte, wurden in diesem Jahr die Ergebnisse zur Aufnahmeprüfungen bei allen Frauen im ersten Schritt um 20 Prozent gesenkt. Die Männer hätten mindestens 20 Punkte extra bekommen - ausgenommen waren nur jene, die bei dem Test zuvor mindestens vier Mal durchgefallen waren.

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Die Universität wollte mit dem Betrug wohl dafür sorgen, dass mehr Frauen Mütter werden, anstatt einer Karriere nachzukommen. Ein weiterer Grund sei die angebliche Gefahr, dass Ärztinnen nach einer Schwangerschaft lange Zeit ausfallen würden oder gar nicht wieder anfangen würden zu arbeiten. Die Universität sah das scheinbar als Verschwendung einer Ausbildung und bevorzugte daher männliche Bewerber.

Obwohl Japan erst kürzlich dafür gesorgt hat, dass Frauen besser in den Arbeitsmarkt integriert werden – eine Initiative die oft als „womenomics“ (eine Zusammensetzung aus den englischen Worten für Frauen und Wirtschaft) bezeichnet wird – werden japanische Frauen in der Arbeitswelt noch immer stark diskriminiert. Japan landete auf Platz 114 von 144 Ländern für Geschlechtergleichheit in Bezug auf wirtschaftliche Teilhabe, berichtet der aktuelle “Global Gender Gap Report“ des World Economic Forums.

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Und auch wenn immer mehr Frauen in Japan einen Job haben, sind die Chancen, in Führungspositionen zu gelangen, weiterhin gering. Rund ein Drittel der Japanerinnen berichten von sexueller Belästigung und sagen, die Diskriminierung von Schwangeren und arbeitenden Frauen mit Kindern sei noch schlimmer.

„Es ist für in Vollzeit arbeitende Frauen normal, den Job zu kündigen und Hausfrauen zu werden, sobald sie schwanger sind. Dieses Phänomen ist so weit verbreitet, dass es sogar eine Redewendung gibt. Die Leute sagen “Happy retirement“ (“Glückwunsch zur Rente“)“, sagt Sayaka Osakabe, eine Frau aus der Werbebranche dem US-amerikanischen Sender PBS. „Mein Vorgesetzter sagte mir, ich sollte mich für die Karriere oder das Baby entscheiden. Entscheide ich mich zu bleiben, solle ich mir ein Baby abschreiben.“

„Es ist ein systematisches Problem der japanischen Gesellschaft, dass wir unsere Mütter nicht unterstützen“, sagt Yusuku Tsugawa, ein japanischer Arzt gegenüber der Washington Post. „Doch dies ist der denkbar schlechteste Weg, das Problem zu beheben… Die Aufgabe und Rolle der Universität ist es, Ärzte auszubilden. Es ist nicht ihre Aufgabe, optimale Arbeitskräfte in Japan hervorzubringen.“

Bei den Manipulationen handle es sich um “schlimmsten Sexismus“, so der Anwalt Kenji Nakai in dem Untersuchungsbericht. Bisher wurde nur der diesjährige Aufnahmetest untersucht, weitere Nachforschungen stehen noch aus.

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Gerechtigkeit fordern

Uni in Japan manipuliert Ergebnisse von Bewerberinnen, um Frauen am Studium zu hindern

Ein Beitrag von Daniele Selby  und  Jana Sepehr