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Frauenrechte

13-Jährige kämpft erfolgreich gegen Eltern, die sie zwangsverheiraten wollen

A woman protests against underage marriages.
Sunday Alamba/AP

KUALA LUMPUR, 29. August (Thomson Reuters Foundation) - In einem Dorf in Indonesien auf der Insel Java sind Kinderehen so normal, dass Mädchen als  „alte Jungfrauen” gelten, wenn sie mit 16 Jahren noch nicht verheiratet sind. In dem Dorf lebte auch ein Mädchen namens Rini. So wie die meisten Eltern hier, versuchten auch Rinis Eltern, sie kurz nach ihrem 13. Geburtstag zu verheiraten - mit einem sieben Jahre älteren Motorradfahrer.

„Ich war schockiert. Ich habe geweint und war wütend”, sagte die mittlerweile 22-jährige Rini der Thomas Reuters Foundation. „Ich wusste von meinen Freunden, die jung verheiratet wurden, dass sie nicht mehr zur Schule gehen konnten. Ihr Leben war vorbei.”

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Rinis Geschichte ist nicht ungewöhnlich in Indonesien. Das Land in Südostasien mit 250 Millionen Einwohnern ist weltweit unter den Top 10 der meisten Kinderehen, berichtet die Organisation “Girls Not Brides”.

Jedes vierte Mädchen wird in Indonesien vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet, berichtet UNICEF. Im Durchschnitt sind das mehr als 3.500 Mädchen, die jeden Tag in Indonesien verheiratet werden. Weltweit sind es 15 Millionen. In Kinderehen sind sexuelle Gewalt, häuslicher Missbrauch und der Tod junger Mütter bei der Geburt besonders häufig.

Gemeinnützige Organisationen befürchten, dass Armut und Tradition in Indonesien weiterhin viele Mädchen in Kinderehen führen werden.

Global Citizen setzt sich dafür ein, dass Kinderehen auf der ganzen Welt verboten werden. Zusammen mit UN Women, Chime for Change und Global Citizen kann jeder dabei helfen, diese Ungerechtigkeit abzuschaffen.

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Rini erzählt, dass ihr Vater, ein Bauarbeiter, und ihre Mutter, die von zu Hause aus ein Lebensmittelgeschäft führt, zwei Jahre lang versucht hätten, sie mit einem Mann aus dem Dorf zu verheiraten, um die Familie finanziell zu unterstützen.

Rini, die jüngste von fünf Geschwistern, widersetzte sich und kam auf die Idee, mit ihren Eltern einen Deal zu schließen: „Ich habe meine Eltern gefragt, wie viel sie für meine Ausbildung bezahlt haben. Ich habe ihnen gesagt, ich würde alles zurückzahlen, wenn sie mich weiter zur Schule gehen ließen. Wenn sie mich aber verheiraten, würden sie keinen Cent bekommen”, sagt Rini.

Rini schaffte es, ihrer frühen Ehe zu entgehen und versucht nun, gemeinsam mit einer Gruppe Mädchen, anderen dabei zu helfen, es ihr gleich zu tun. Dafür rief sie das “Netzwerk Youth Coalition for Girls” ins Leben.

Das Netzwerk hofft, mit Rinis Geschichte andere Mädchen dazu inspirieren zu können, sich für ihre Rechte einzusetzen. Die Gruppe startete im März und hat mittlerweile bereits 180 Mitglieder im Alter von 15 bis 24 in ganz Indonesien. Sie wollen durch Gespräche und Buchprojekte mehr Menschen davon überzeugen, dass Gleichberechtigung der Weg nach vorne ist.

In der Youth Coalition for Girls sind einige Mädchen, die selbst schon verheiratet waren, und natürlich Rini, die stellvertretende Leiterin der Gruppe. Sie sagt, dass es Mädchen, die gefangen sind, helfen würde, wenn sie ihre Erfahrungen teilen, und ihnen zeigt, wie eine Zukunft aussehen könnte. „Ich möchte den Mädchen sagen, dass sie nicht allein sind. Sie haben die Macht, Nein zu sagen", sagt sie.

Die Gruppe hat sich seit März auch schon an Eltern gewendet, um ihnen die Bedeutung von Bildung näher zu bringen und sie zu ermutigen, ihre Kinder weiterhin zur Schule gehen zu lassen, mindestens bis zu ihrem 18. Lebensjahr.

Rini hat mittlerweile ihr Studium beendet. Sie berichtet von ihren Erfahrungen in Japan und den Niederlanden und davon, wie stolz ihre Eltern auf sie sind.

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Rini weiß, dass ihre Bewegung noch in den Kinderschuhen steckt. Aber sie hofft, dass Politiker bald selbst beginnen werden, Richtlinien zu erarbeiten und Gesetze zu erlassen.

„Mein Traum für Indonesien ist es, Mädchen und Jungs zu sehen, die die gleichen Rechte haben”, sagt Rini.


(Ein Beitrag von Beh Lih Yi @behlihyi; Überarbeitet von Belinda Goldsmith; Bitte die 'Thomson Reuters Foundation' als Quelle angeben, wenn dieser Artikel zitiert / geteilt wird. Die Thomson Reuters Foundation liefert Beiträge über humanitäre Hilfe, Frauenrechte, Menschenhandel, Klimawandel und vieles mehr auf news.trust.org.)