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Umweltschutz

Produzierter Krempel wiegt 100.000 Mal mehr als ganze Menschheit zusammen

Flickr: Colin Delaney

Was hat sich in den letzten 100 Jahren nicht alles auf der Erde getan. Die Technologie hat sich beinahe selbst überholt - immer komfortablere Autos auf den Straßen, immer höhere Häuser und immer bessere Smartphones. Doch mit dem technologischen Fortschritt hat sich auch unser Konsumverhalten verändert.

So sehr sogar, dass britische Wissenschaftler der University of Leicester nun zum ersten Mal versucht haben, die „Technosphäre” der Erde einzuschätzen. Das heißt im Klartext: mit wie viel Technologie umgibt sich die Menschheit eigentlich? Und dazu wird alles mögliche gerechnet, im Prinzip alle Materialien, in denen eine menschliche Komponente identifizierbar ist. Zum Beispiel: Straßen, Autos, Gebäude, Flugzeuge, bis hin zum kleinen Kugelschreiber in der Schublade.

Das Ergebnis? Laut Berechnungen umgibt sich die Menschheit mit 30 Billionen Tonnen Gerümpel - 30.000.000.000.000 Tonnen! Oder anders ausgedrückt: auf jeden Quadratmeter Erde kommen 50 Kilogramm Krempel. All diese Dinge zusammen bringen 100.000 Mal mehr Gewicht auf die Waage als alle Menschen auf der Erde!

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Dieser ganze Krempel auf der Erde muss ja irgendwohin und genau das hat tiefgreifende Auswirkungen. Denn bisher konnte all das, was von anderen Erdbewohnern (z.B. den Dinosauriern) hinterlassen wurde, weitestgehend von der Erde recycelt und dem Kreislauf wieder hinzugefügt werden. Mit dem menschlichen Fortschritt aber wurde dieses alte Naturgesetz außer Kraft gesetzt - das Gerümpel kann nicht mehr einfach so zersetzt und recycelt werden. Die Menschheit steht auf ihrem eigenen Technologieberg und der wächst und wächst und wächst.

„Die langfristige Entwicklung der Technosphäre ist nicht mit Klarheit einzuschätzen...doch ihr Ausmaß und ihr beschleunigtes Wachstum bedeuten schon jetzt, dass die Menschheit und ihre Technologie einschneidende Spuren auf der Erde hinterlassen haben und werden”, schreiben die Wissenschaftler in ihrem Bericht.

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Dass die Menschheit viel zu viel produziert, ist wohl nichts Neues. Aber: dieser ganze Krempel, der sich nicht weiter recyceln lässt, wird in Zukunft eine neue Erdschicht bilden - so genannte „Technofossilien”, die dann von all den Generationen nach uns gefunden werden können. Was sich die zukünftigen Generationen wohl bei dieser Entdeckung denken werden? Wie wird diese Erdschicht mit all ihren technologischen Artefakten dann aussehen?

Nun ja, wenn sich die zukünftige Generation in - sagen wir - 1 Millionen Jahre durch die Erde wühlt, um mehr über die Vergangenheit zu erfahren, dann wird sie auf eine seltsame Schicht stoßen. Die Erdschicht, zu der die Menschheit in den letzten 100 Jahren beigefügt hat, wird wie eine Explosion bizarrer Ereignisse wirken.

Man muss sich nur die Zahlen noch einmal verdeutlichen: Durchschnittlich produziert ein Mensch in Deutschland 1,69 Kilogramm Müll pro Tag. Vieles davon kann nicht weiter recycelt werden. An sich hört sich das nicht viel an. Wenn aber nun diese Zahl täglich millionen- bzw. milliardenfach produziert wird, sieht das schon wieder anders aus - das gleicht eher einer Lawine aus Müll, die die Erde unter sich begräbt. Und nun muss man sich vorstellen, wie sehr dieser Müll zur Erdschicht hinzufügt - geschweige denn, von all dem Krempel, der uns sonst noch umgibt.

Zugegeben, die Theorie der „Technosphäre” wird von manchen Wissenschaftlern angezweifelt. Darüber ist sich auch das Team an der University of Leicester im Klaren. Aber sie hoffen, dass mit den veröffentlichten Zahlen die Menschheit wachgerüttelt wird und sieht, dass es so mit unserem Müll und unserem Konsumverhalten nicht weitergehen kann.

Natürlich kann nicht ein Mensch allein den Einfluss der ganzen Menschheit verhindern. Aber: wenn sich jeder Mensch darüber bewusst wird, wie sehr unsere Handlungen auf der Erde miteinander verknüpft sind und wie die Handlung des einen Auswirkungen auf das Leben des anderen hat, dann könnte die Menschheit es in Zukunft vielleicht doch schaffen, die neue Erdschicht so gering wie möglich zu halten.