Warum das wichtig ist
Durch die COVID-19-Pandemie konnten weltweit 1,6 Milliarden Kinder nicht die Schule besuchen und werden im beruflichen Leben große Einkommenseinbußungen erfahren. Das Global Goal 4 der Vereinten Nationen (UN) zielt darauf ab, Kindern und Jugendlichen Zugang zu inklusiver, gleichberechtigter und hochwertiger Bildung zu ermöglichen. Hier kannst du eine Nachricht an die deutsche Regierung verfassen, um ihnen zu erklären, warum ein Einsatz für die Bildung wichtig ist. 

Bildung darf kein Privileg sein – das stellte eine Kommission der Friedrich-Ebert-Stiftung in einem Bericht zu den Lehren aus der COVID-19-Pandemie im Januar fest. Doch für viele Kinder und Jugendliche ist genau dies zu einem großen Problem geworden. Insbesondere bei benachteiligten Schüler*innen spielen ein Mangel an Bildungsangeboten sowie die ungleichen Ressourcen der Elternhäuser eine noch größere Rolle.  

Auch im weiteren Lebensverlauf werden sich diese Unterschiede nur noch vergrößern. Laut Ludger Wößmann, Leiter des Ifo-Zentrums für Bildungsökonomik in München, drohen den betroffenen Kindern durch die Auswirkungen der Pandemie eine Verringerung ihres Lebenseinkommens um mehrere zehntausend Euro.

Aus diesem Grund ist eine verstärkte Unterstützung für Bildung unabdingbar. Global Citizen hat mit Maren Jesaitis von der Globalen Bildungskampagne gesprochen, um zu erfahren, was die deutsche Regierung, aber auch Lehrkräfte, Schüler*innen und Aktivist*innen machen können, um sich weltweit für einen gerechten Zugang zu Bildung einzusetzen. 

Wer oder was ist die Globale Bildungskampagne und wofür setzt ihr euch ein? 

Die Globale Bildungskampagne ist ein weltumspannendes Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften. Wir setzen uns in 80 Ländern dafür ein, dass alle Menschen ihr Recht auf eine gute, öffentliche und inklusive Bildung verwirklichen können.

Mit unserer Arbeit in Deutschland möchten wir erreichen, dass die deutsche Entwicklungspolitik Länder mit niedrigem Einkommen stärker dabei unterstützt, hochwertige Bildungssysteme aufzubauen, die allen, auch benachteiligten, Menschen zugänglich sind. Deswegen betreiben wir Lobbyarbeit. Das bedeutet, dass wir mit politischen Entscheidungsträger*innen sprechen, um sie davon zu überzeugen, Bildung ganz nach oben auf die entwicklungspolitische Agenda zu setzen und entsprechend zu finanzieren. 

Wie kann man bei euch aktiv werden und seine Stimme für das Recht auf Bildung nutzen? 

Einmal im Jahr rufen wir bundesweit Schulen dazu auf, selbst als Lobbyisten für das Menschenrecht auf Bildung aktiv zu werden und Botschaften an Politiker*innen aus ihrem Wahlkreis zu erstellen und zu übergeben. 

Dazu haben wir eine Kampagne ins Leben gerufen: “Weltklasse! Die Schulaktion für das Recht auf Bildung” hat 2021 im April begonnen und läuft noch bis zur Bundestagswahl am 26. September. 

banner_16-9_1280x720px_v1 (1).jpgImage: Globale Bildungskampagne

Lehrkräfte können sich mit ihren Schüler*innen an der Weltklasse!-Aktion beteiligen, indem sie sich im Unterricht mit der globalen Bildungssituation beschäftigen und Botschaften an Politiker*innen erstellen und übergeben. Welches Format sie für die Botschaften wählen, ist ihnen selbst überlassen. Manche Schulen erstellen Videos, andere bereiten Wandtafeln auf und einige schreiben Briefe. 

Wichtig ist dabei, dass die Botschaften auch bei denen ankommen, die sie hören sollen: die Bundespolitiker*innen aus dem Wahlkreis. Vielen von ihnen kommen auch gerne direkt in die Schule. Deswegen lohnt es sich immer eine Einladung der Politiker*innen in die Schule in Betracht zu ziehen. Ein Besuch ist auch für die Schüler*innen interessant, für die es oft die erste Begegnung mit politischen Entscheidungsträger*innen ist. 

Da in Zeiten von Corona ein Schulbesuch unter Umständen nicht möglich ist, kann natürlich auf eine digitale Alternative, beispielsweise eine Videokonferenz zurückgegriffen werden.  

Wie motiviert ihr Schulen, sich für das Recht auf Bildung einzusetzen?

Damit Lehrkräfte die Aktion problemlos in ihren Unterricht integrieren können, bieten wir ein aktionsbegleitendes Unterrichtsmaterial an, das kostenfrei von unserer Website heruntergeladen werden kann. 

Außerdem können sich Schulen, die sich an der Weltklasse!-Schulaktion beteiligen, bis zum 31.10.2021 für das Weltklasse!-Schulsiegel 2021 bewerben. Für die Schüler*innen gibt es als Dankeschön für ihre Beteiligung unseren beliebten Weltklasse!-Turnbeutel. 

Welche Auswirkungen hat die COVID-19-Pandemie auf Bildung weltweit und warum ist es so wichtig, dass wir dieses Thema nicht aus den Augen verlieren?

Die Corona-Pandemie hat durch weltweite Schulschließungen eine Bildungskrise von historischem Ausmaß nach sich gezogen. 1,6 Milliarden Schüler*innen konnten zeitweise nicht zur Schule gehen. Kinder und Jugendliche, die bereits vor der Pandemie benachteiligt waren, haben es oft ungleich schwerer an alternativen Bildungsangeboten wie Distanzunterricht teilzunehmen. Sie werden durch die Pandemie weiter abgehängt und drohen sogar komplett aus dem Bildungssystem herauszufallen. Mädchen, Kinder mit Behinderungen und geflüchtete Kinder sind besonders betroffen. 

Eigentlich müssten Regierungen gerade jetzt mehr Mittel in die Hand nehmen, um das Recht auf Bildung zu schützen. Doch aufgrund der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie schrumpfen weltweit die Staatshaushalte – gerade in Ländern mit niedrigem Einkommen. Die Gefahr ist groß, dass an der Bildung und damit den Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen gespart wird. Die Erfolge beim Zugang zu qualitativer Bildung der letzten Jahre könnten dadurch zunichte gemacht werden.

Deswegen ist es wichtig, dass wir uns jetzt für gute Bildungschancen einsetzen, mit dem speziellen Fokus auf Kinder, die Aufgrund von Herkunft, Geschlecht, Behinderung oder Fluchterfahrung Benachteiligung erfahren.

Welche Ziele hat sich die Globale Bildungskampagne für Deutschland und bei der internationalen Zusammenarbeit gesetzt?

Bildung ist ein Menschenrecht und ein zentraler Schlüssel im Kampf gegen Armut. Will die internationale Gemeinschaft beim Recht auf Bildung vorankommen, braucht das Thema Aufmerksamkeit und hochrangige Befürworter*innen. Wir sehen Deutschland in dieser Rolle. Zur Führungsrolle gehört auch ein fairer finanzieller Beitrag für den Aufbau und die Stärkung von inklusiven, öffentlichen Bildungssystemen im Globalen Süden.

Aus unserer Sicht kann Deutschland sich besonders effektiv für das Recht auf Bildung einsetzen, indem es eine aktive Rolle in der Global Partnership for Education (GPE), der einzigen multilateralen Partnerschaft zur Förderung von Grundbildung, einnimmt und einen fairen finanziellen Beitrag leistet. Laut Berechnung der Globalen Bildungskampagne beträgt dieser 110 Millionen Euro jährlich.

Um das Recht auf Bildung insbesondere in humanitären Krisen zu stärken, sollte Deutschland zudem den jährlichen Beitrag zum Fonds Education Cannot Wait für Bildung in Krisen- und Konfliktgebieten auf 50 Millionen jährlich erhöhen.

Im September wird der Bundestag neu gewählt. Was sind eure Ziele für die kommende Legislaturperiode?

Von der neuen Regierung erwarten wir, dass sie Deutschland als starken Partner in der internationalen Zusammenarbeit positioniert. Dazu gehört auch ein explizites Bekenntnis zum Ziel, 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung in Entwicklungszusammenarbeit zu investieren. Mindestens 20 Prozent davon sollten für Bildung bereitgestellt werden, davon die Hälfte für Grundbildung. Nur so können wir dem Ziel für einen Zugang zu gerechter, inklusiver und öffentlicher Bildung näherkommen. 

Wenn du dich für mehr Bildungsmaßnahmen stark machen willst, dann fordere Entscheidungsträger*innen hier dazu auf, dafür zu sorgen, dass Kinder überall Zugang zu Bildung erhalten.

Global Citizen Asks

Armut beenden

Wie sich die Globale Bildungskampagne für das Recht auf Bildung einsetzt

Ein Beitrag von Nora Holz