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Frauenrechte

Deutschland braucht noch 101 Jahre, um das Gender Pay Gap zu schließen

Warum das wichtig ist
Geschlechtergerechtigkeit weltweit herzustellen, ist eines der zentralen Ziele der nachhaltigen Entwicklung der Vereinten Nationen (UN). Obwohl sich 2015 alle UN-Mitgliedsstaaten dazu verpflichteten, dieses Ziel im Rahmen der Global Goals bis 2030 zu erreichen, sind wir von der Umsetzung noch weit entfernt. Nutze deine Stimme und setze dich hier mit uns für Gleichberechtigung weltweit ein.

Vor 25 Jahren träumte die Welt von der Generation Gleichberechtigung – der Generation, für die die Erklärung der Frauenrechte keine Neuerung, sondern eine Selbstverständlichkeit ist. Damals wurde bei der Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking der Meilenstein für die Umsetzung globaler Frauenrechte gefeiert. Hier verpflichteten sich 189 UN-Mitgliedstaaten zur Förderung der Geschlechtergleichstellung und Stärkung von Frauen und Mädchen.

Ein neuer Bericht der EU-Kommission offenbart jedoch, dass die Generation Gleichberechtigung erst noch geboren werden muss. Das zeigt sich etwa anhand der Entwicklung der Lohngerechtigkeit: Berechnungen des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB) zufolge dürfte diese in Europa erst in rund 80 Jahren erreicht werden. In Deutschland dauert die Schließung der Lohnlücke zwischen den Geschlechtern, auch Gender Pay Gap genannt, sogar noch länger. Demnach verdienen Frauen und Männer hier erst im Jahr 2121, also in rund 101 Jahren, denselben Lohn – vorausgesetzt, es werden keine Gegenmaßnahmen getroffen.

Laut dem Statistischen Bundesamt hat Deutschland damit eine der höchsten Gender Pay Gaps der EU. In konkreten Zahlen drückt sich das aktuell so aus: Frauen verdienen in Deutschland einen durchschnittlichen Bruttostundenlohn von 17,72 Euro, Männer hingegen 22,61 Euro. Damit beträgt die Lohnlücke hierzulande bis zu 20 Prozent.

Generation Gleichberechtigung? Fehlanzeige.

Ausgewertet wurde die aktuelle Studie der EU-Kommission auf der diesjährigen virtuellen UN-Vollversammlung zum Thema Frauenrechte Anfang Oktober. Hier wurden neben der Lohngerechtigkeit auch die Erkenntnisse zum Frauenanteil in Führungspositionen diskutiert.

UN-Generalsekretär António Guterres betonte die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die errungenen Fortschritte bei der Gleichberechtigung. Die Pandemie habe eine "anhaltende Verweigerung von Frauenrechten" weltweit offengelegt. Von Gleichberechtigung sei die Weltgemeinschaft noch weit entfernt – bis heute sei eine von drei Frauen weltweit in ihrem Leben Gewalt ausgesetzt. Zudem würden jedes Jahr 12 Millionen Mädchen vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet. Frauen hätten global nur 75 Prozent der gesetzlich festgelegten Rechte, die Männer haben, so Guterres in seiner Rede.

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Spitzenpolitiker*innen räumen Versäumnisse bei der Gleichberechtigung ein

In ihrer Videobotschaft bekundete auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass Deutschland noch weit davon entfernt sei, Gleichberechtigung und damit Ziel 5 für nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Die Corona-Pandemie zeige die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen auf paradoxe Weise: "Einerseits ist ohne Frauen kein Staat zu machen, andererseits sind sie an wesentlichen Entscheidungen nicht gleichberechtigt beteiligt”, so Merkel. Um Gleichberechtigung zu verwirklichen, müssten Frauen und Männer zusammenarbeiten und Politik, Wirtschaft und Gesellschaft an einem Strang ziehen.

Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron räumte in seiner Videobotschaft Versäumnisse ein. Ein großer Rückschlag der Corona-Pandemie sei zudem im Bereich der Mädchenbildung zu beklagen. So würden über elf Millionen Mädchen weltweit nie mehr in die Schule zurückkehren können. Durch die Pandemie sind Millionen Mädchen einem erhöhten Risiko von Kinderheirat und Kinderarbeit ausgesetzt.

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Frauenquote in Führungspositionen

Zudem sind Frauen in börsennotierten Unternehmen und Vorständen in Europa nach wie vor stark unterrepräsentiert. Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) liegt der  der Frauenanteil in Aufsichtsräten der 200 umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland bei knapp 27 Prozent, in den Vorständen sogar nur bei neun Prozent. Auch im deutschen Bundestag lässt der Frauenanteil zu wünschen übrig: Nur 31,2 Prozent der Abgeordneten sind hier derzeit Frauen.

Bisher haben zehn europäische Länder verbindliche Geschlechterquoten für Spitzengremien in der Wirtschaft eingeführt, darunter 2003 Norwegen, gefolgt von Spanien, Island, Belgien, Frankreich, Italien und den Niederlanden. Deutschland verabschiedete ein solches Gesetz 2015. Seit 2016 müssen in börsennotierten Unternehmen Sitze im Aufsichtsrat solange an Frauen vergeben, bis ein Frauenanteil von 30 Prozent erreicht ist. Eine solche Quote wird zudem auch für Vorstände sowie für die Politik diskutiert – und zwar mittlerweile nicht nur auf Länder- sondern auch auf EU-Ebene.