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Frauenrechte

In Frankreich müssen retuschierte Model-Fotos gekennzeichnet werden

2009 haben 50 französische Politiker zusammen ein Gesetz vorangetrieben, laut dem alle Aufnahmen, auf denen Models im Nachhinein digital verändert wurden, mit dem Hinweis 'diese Fotografien sind bearbeitet worden' gekennzeichnet werden müssen.

Der Enwturf wurde zudem von einer staatlichen Verordnung begleitet, die allen Models, die in Frankreich Arbeit suchen, vorschreibt, eine medizinische Bescheinigung von ihrem Arzt vorzulegen. Diese muss belegen können, dass der allgemeine Gesundheitszustand der Models „in Bezug auf den Body-Maß-Index“ in Ordnung ist“, berichtete die Presseagentur ‘France-Presse’.

Fast acht Jahre später haben die Abgeordneten der Nationalversammlung Frankreichs, dem Unterhaus des Parlaments, dem ersten Gesetz nun zugestimmt.

Ab dem 1. Oktober wird von allen Agenturen erwartet, dass sie „photographie retouchée“ (oder „retuschiertes Foto“) auf alle bearbeiteten Bilder drucken.

Das zweite Gesetz trat bereits am 6. Mai dieses Jahres in Kraft und richtet sich an alle Models aus der EU, die in Frankreich arbeiten wollen. Arbeitnehmer, die die Anweisung des Arztes ignorieren, müssen mit bis zu sechs Monaten Haft und einer Strafe von 75.000 Euro rechnen.

„Das sind genau die Dinge, die Frauen an sich selbst zweifeln lassen“ – Zendaya, 2015

„Die zwei neuen Gesetzestexte verfolgen die Absicht, Einfluss auf die Körperwahrnehmung in der Gesellschaft zu nehmen, um damit die Verbreitung von absurden Schönheitsidealen, die gerade überhandnehmen, zu verhindern. Sie sollen junge Menschen vor der Magersucht bewahren“, sagt Marisol Touraine, französische Ministerin für Soziales und Gesundheit.

In Frankreich leiden geschätzte 30.000 bis 40.000 Menschen an Magersucht – 90 % davon sind Frauen.

Zahlen aus Deutschland besagen, dass derzeit sogar rund 100.000 Menschen an Magersucht leiden - die meisten von ihnen ebenfalls Frauen. Die Zahl der Menschen, die an einer Form der Essstörung leiden, wird in Deutschland auf fünf Millionen geschätzt.

Laut der „American Medical Association“ gibt es gute Gründe für die Vermutung, dass die zahllosen Bildbearbeitungen eine negative Auswirkung auf die Körperwahrnehmung eines Menschen haben und somit Essstörungen mitverursachen können.

„Zahlreiche Literatur zieht eine Parallele zwischen dem medien-propagierten Bild eines unrealistischen Körperideals und Essstörungen, ebenso wie zu anderen Kinder- und Jugendkrankheiten“, kommentierte die American Medical Association 2011.

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Diese Überlegung scheint auch jenseits der französischen Grenze Wurzeln zu schlagen: Großbritannien zum Beispiel hat in den letzten Jahren Werbung verboten, die übermäßig retuschierte Fotos verwendet. Zusätzlich hat die Regierung Maßnahmen ergriffen, um Standards für die Modeindustrie zu schaffen. Das beinhaltet auch einen BMI-Mindestwert für Models.

2012 hat Israel ein Gesetz verabschiedet, das untergewichtige Models auf Laufstegen verbietet. Italien und Spanien haben ebenfalls offiziell beschlossen, deutlich zu dünne Models nach Hause zu schicken.

In den Vereinigten Staaten haben unter anderem öffentliche Appelle von bekannten Persönlichkeit dazu beigetragen, die Werbeagenturen auf ihr Mitverschulden am Magerkult aufmerksam zu machen. 

Inzwischen auch keine Seltenheit mehr: Im Internet werden gerne Vor- und Nachher-Bilder veröffentlicht, um den Wahnsinn des Retuschierens zu enthüllen. Doch die Werbewelt ändert sich nur ungern.

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2015 hat die amerikanische Schauspielerin und Sängerin Zendaya ein Bild von einem ihrer Fotoshootings gepostet, und klargestellt, dass ihre Hüften und ihre Taille deutlich retuschiert wurden - sie waren der Zeitschrift, in der die Fotos veröffentlicht werden sollten, nicht schlank genug.

„Das sind die Dinge, die Frauen an sich selbst zweifeln lassen. Diese Zeitschriften und Magazine bringen absolut unrealistische Schönheitsideale hervor“, meinte sie dazu.

Die Zeitschrift hat das Bild von Zendaya später zurückgezogen und sich entschuldigt.

„Junge Menschen vorgeschriebenen und unrealistischen Körperbildern auszusetzen, führt zu Selbstzweifeln und einem geringen Selbstwertgefühl. Das kann gesundheitsschädigendes Verhalten nach sich ziehen“, meint Touraine, die französische Ministerin. „Es muss auch Ziel sein, die Gesundheit eines bestimmten Teils der Gesellschaft zu schützen, die diesem Risiko ebenfalls besonders ausgesetzt sind: Models.“