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UNO bittet Flugbegleiter: Stoppt den weltweiten Menschenhandel

Flickr/Laszlo Iyles

Laut den Vereinten Nationen könnten sich Flugbegleiter auf der ganzen Welt gezielt dafür einsetzen, Menschenhandel einzudämmen. Wenn Fluglinien damit anfangen würden, ihre Beschäftigten darin auszubilden, Anzeichen von Menschenhandel frühzeitig zu erkennen, könnten viele Fälle aufgehalten werden.

Der Flugbegleiterin Sheila Fedrick ist es zum Beispiel bereits 2011 auf einem ihrer Flüge von Seattle nach San Francisco gelungen, einen Fall von Menschenhandel zu stoppen und das Opfer zu durch eine Notiz auf der Toilette zu retten. Auf dem Zettel fragte Fedrick das Mädchen, ob sie Hilfe benötige und das Mädchen antwortete ja. Laut NBC alarmierte die Flugbegleiterin sofort den Piloten, der dann die Behörden am Flughafen verständigte.

Fredrick ist ihrem Instinkt gefolgt, meint sie. Sie ist aber fest davon überzeugt, dass sie als Flugbegleiterin viel mehr Opfern von Menschenhändlern in den letzten zehn Jahren hätte helfen können, wenn sie nur die richtige Ausbildung gehabt hätte.

Jetzt bittet das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) alle Fluglinien darum, die Aufmerksamkeit seitens der Flugbegleiter für dieses Thema zu erhöhen und Trainings durchzuführen, um so dazu beizutragen, den weltweit größten Markt, der Menschen in die Sklaverei zwingt, auszuhebeln.

Wenn Flugbegleiter mit einem Fall von Menschenhandel auf einem ihrer Flüge konfrontiert sind, schlägt die gemeinnützige Organisation “Airline Ambassadors” vor, die Menschenhändler in ein freundliches Gespräch zu verwickeln, um sie so in Sicherheit zu wiegen, statt auf Konfrontationskurs zu gehen. Denn Konfrontation könnte dazu führen, dass den Opfern und den Flugbegleitern selbst Gewalt angetan werde.

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Laut der Internationalen Arbeitsorganisation werden über 21 Millionen Menschen weltweit zu Opfern des Menschenhandels. Einer Schätzung nach sind 80% aller Opfer von grenzübergreifendem Menschenhandel Mädchen.

Häufig bleibt Menschenhandel von der Gesellschaft unbemerkt, berichten die Vereinten Nationen. Deshalb sieht es die UNO als ihre Aufgabe an, mehr Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken.

„Wir wollen, […] dass die Fluglinien an unseren Kampagnen und Initiativen teilhaben, um Menschenhandel und Einwandererschmuggel sichtbar zu machen“, erklärt Felipe De La Torre, Programmmanager bei UNODC, gegenüber Reuters.

UNODC erklärte auf dem 73. Jubiläum der Internationalen Luftverkehrs-Vereinigung, dass Fluglinien schon jetzt das Zeug hätten, um gegen Einwandererschmuggel und Menschenhandel vorzugehen.

„Die Fluglinien können schon jetzt offensichtliche Zeichen von Opfern des Menschenhandels erkennen. Und sie können diese Information zu den Verantwortlichen des Flughafens weiterleiten“, sagt De La Torre dem Guardian. „Sie haben ebenfalls die Möglichkeit, kurze Videos und Dokumentationen über Menschenhandel auf ihren Flügen zu verbreiten.“

Fluglinien haben bisher noch nicht auf die Forderung geantwortet, ob sie in Zukunft ihre Mitarbeiter im Früherkennen von Menschenhandel ausbilden würden - denn eine Fluglinie zu betreiben ist nicht billig. Momentan hängt es noch von dem Unternehmen ab, auf welche Weise sie ihre finanziellen Mittel anlegen wollen.

Auf den Seiten von UNODC hat De La Torre Ratschläge gepostet, auf die jeder zurückgreifen kann, wenn er mit einem möglichen Fall von Menschenhandel konfrontiert ist.

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„Ein typisches Zeichen für Menschenhandel ist, wenn du vor dir einen alten Mann und ein junges Mädchen siehst und du ganz deutlich fühlen kannst, dass zwischen den beiden keine emotionale Beziehung besteht. Wenn du eindeutig merkst, dass er nicht ihr Großvater ist. Oder wenn man eine junge Mutter sieht, die nicht weiß, wie man den Kindersitz benutzt”, erklärt De La Torre. „Natürlich muss das nicht zwangsläufig auf Menschenhandel hinweisen, aber letzten Endes sollten Flugbegleiter und Passagiere fähig sein, verdächtige Anzeichen zu erkennen.”

Der illegale Menschenhandel bringt einen jährlichen Gewinn von 31 Millionen US-Dollar. Das Ziel der Kriminellen sind schutzbedürftige Menschen, wie die 65,5 Millionen Flüchtlinge, die in Zwangsarbeit und sexuelle Dienstleistungen gezwungen werden, berichten die Vereinten Nationen.

Bisher haben 70.000 Mitarbeiter von US Fluglinien an einem Training teilgenommen, um Menschenhandel zu erkennen und dagegen vorzugehen.

Einige Fluglinien, darunter auch Delta und JetBlue, setzen in ihrer Ausbildung bereits darauf, dass ihre neuen Mitarbeiter an Trainingsprogrammen wie von Airline Ambassadors und Blue Lightning Initiative teilnehmen.

„Es ist ein blinder Fleck in der Gesellschaft“, sagt Allison Ausband, eine Pressesprecherin von Delta. „Es will nicht jeder damit konfrontiert werden. Aber wir wollen. Unsere globale Reichweite ist groß und wir haben unzählige Möglichkeiten, unsere Mitarbeiter und Gäste mit Bord zu holen.“

Die UNODC hofft, dass sie in Zukunft weitere führende Fluglinien dazu ermutigen kann, in Trainingsprogramme zum frühzeitigen Erkennen von Menschenhandel zu investieren.