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Samira Adamu, 37, shows her cash card for the food items in Kano, Nigeria, Oct. 4, 2020. The Nigerian Government and the World Food Programme launched the Joint Food and Cash initiative in the three urban COVID-19 hotspots of Abuja, Kano and Lagos.
© Damilola Onafuwa/WFP
Global Citizen erklärtHunger & Ernährungssicherheit

Wie schaffen wir es, die Hungerkrise zu beenden?


Warum das wichtig ist 
Milliarden von Menschen weltweit haben keinen Zugang zu Lebensmitteln, die wichtige Nährstoffe enthalten, Hunderte Millionen sind von Unterernährung betroffen. Die Vereinten Nationen (UN) haben es sich mit dem Global Goal 2 zum Ziel gesetzt, den Hunger bis zum Jahr 2030 zu beenden. Mit der Kampagne "Recovery Plan for the World" ruft Global Citizen die Staats- und Regierungschef*innen, Unternehmen, Philanthrop*innen, Aktivist*innen und Global Citizens dazu auf, Teil der Veränderung zu werden. Auch du kannst hier aktiv werden.

Von sättigenden Keksen bis hin zu einer Schüssel Reis mit Linsen – einfache Mahlzeiten in der Schule sind der Schlüssel zur Ernährung von Kindern auf der ganzen Welt. 

Doch aufgrund der COVID-19-Pandemie mussten Regierungen auf der ganzen Welt Schulen schließen. Infolgedessen wurden auch Schulspeisungsprogramme ausgesetzt. Laut UN fielen so 39 Milliarden Mahlzeiten aus. Dabei steht jedes dieser Speisen für ein Kind, das einen Tag lang nicht mit wichtigen Nährstoffen versorgt wurde. Von den 1,3 Milliarden Kindern, die weltweit nicht mehr zur Schule gehen konnten, sind rund 370 Millionen auf die Schulmahlzeiten angewiesen. 

“Wenn Schulmahlzeiten ausfallen, gefährdet das die Zukunft von Millionen der ärmsten Kinder der Welt. Wir riskieren den Verlust einer ganzen Generation”, so David Beasley, Geschäftsführer vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) in einer Erklärung. “Für viele ist die Mahlzeit, die sie in der Schule bekommen, die einzige Nahrung am gesamten Tag”, fügt er hinzu.

Der Ausfall dieser Mahlzeiten – sei es auch nur für eine Woche – hat weitreichende Folgen für die Kinder. Denn um wachsen und sich entwickeln zu können, sind sie auf eine ausgewogene Ernährung angewiesen. Wenn jetzt nicht gehandelt wird, drohen den Kindern gesundheitliche Folgen. Doch die COVID-19-Pandemie hat nicht nur in den Schulen zur Verschlimmerung der Nahrungsmittelkrise beigetragen. 

3 Dinge, die du über die globale Hungerkrise wissen solltest:
  • Das WPF schätzt, dass sich die Zahl der Menschen, die auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind, seit dem Beginn der Pandemie im vergangenen Jahr auf 270 Millionen verdoppelt hat. In Lateinamerika und in der Karibik hat sich diese Zahl sogar vervierfacht.Oxfam zufolge müssen nun rund 55 Millionen Menschen in sieben der am stärksten von Armut betroffenen Länder mit hungersnotähnlichen Zuständen leben. 
  • “Auch kurzfristige Hungersnöte können langfristig verheerende Auswirkungen auf  ein Land haben und den wirtschaftlichen Fortschritt über Generationen hinweg hemmen”, berichtet Oxfam. “Menschen, die von chronischem Hunger und Unterernährung betroffen sind, müssen mit lebenslangen Folgen rechnen. Die Auswirkungen zeigen sich beispielsweise bereits in der Kindheit in Form von einer höheren Anfälligkeit für Krankheiten oder schwächeren Leistungen in der Schule. Oft müssen diese Kinder eine Jahrgangsstufe wiederholen oder die Schule ganz abbrechen. Später zeigt sich das in einer geringeren Produktivität am Arbeitsplatz und einem niedrigeren Einkommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihr gesamtes Leben in Armut verbringen werden, ist statistisch gesehen höher.”
  • Drei Milliarden Menschen weltweit können sich nicht gesund genug ernähren. Rund die Hälfte von ihnen lebt in Gebieten wie Subsahara-Afrika. In Asien und im Pazifikraum können sich rund zwei Milliarden Menschen keine ausreichend gesunde Ernährung leisten – weil diese mit durchschnittlich 4,15 US-Dollar (rund 3,40 Euro) pro Tag und Person zu teuer ist. 
Wie der Hunger die Menschen weltweit beeinträchtigt

Anhaltende Konflikte, die verheerenden Auswirkungen der Klimakrise, dysfunktionale Nahrungsmittel-Systeme, fadenscheinige Wohlfahrtsprogramme sowie eine rücksichtslose Weltwirtschaft, die Menschen von ihrem Land verdrängt, keine traditionellen Formen der Landwirtschaft mehr zulässt und die Kosten für die Lebensmittel in die Höhe treibt – all das hatte die weltweite Hungerkrise schon vor der Pandemie stetig verschärft. 

Doch COVID-19 verstärkt diese negativen Trends noch weiter. Als die Regierungschef*innen damit anfingen, durch Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen die Ausbreitung des Virus einzudämmen, zeigten sich die Auswirkungen sofort. Weil die Menschen nicht mehr auf ihren Farmen arbeiten und ihre Waren nicht mehr auf Märkten verkaufen konnten, gerieten in vielen einkommensschwachen Ländern die Nahrungsmittel-Systeme ins Wanken. Denn ganze Wirtschaftszweige fielen aufgrund der Social-Distancing-Regelungen quasi über Nacht weg. Infolgedessen schnellte die Zahl der Arbeitslosen weltweit in die Höhe und die Einkommen sanken oder blieben gänzlich aus. Das wiederum hatte zur Folge, dass sich die Menschen keine Lebensmittel mehr leisten konnten. 

In Ländern ohne ein ausreichendes staatliches Sozialsystem gibt es kaum Hilfen, die die Menschen in derartigen Situationen in Anspruch nehmen können. Eine Umfrage zu Beginn der Pandemie im Jemen ergab etwa, dass sich 62 Prozent der Befragten weder Lebensmittel noch Trinkwasser leisten konnten. In den USA standen die Menschen in kilometerlangen Schlangen vor den Tafeln an. Die meisten Menschen, die in den brasilianischen Favelas leben, haben bislang keine Nothilfe-Leistungen der Regierung erhalten. 

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Mangel- und Unterernährung beeinträchtigen die Gesundheit von Menschen jederzeit. Doch im Kontext von COVID-19 sind die Folgen noch schlimmer. Menschen, die unter chronischem Nährstoffmangel leiden, haben auch ein geschwächtes Immunsystem – und das macht sie anfälliger für einen schweren Verlauf der Viruserkrankung. 

Wenn die Länder es nicht schaffen, Konjunkturpakete zu schnüren, die mehrere Krisen gleichzeitig angehen, dann laufen sie Gefahr, wieder zu einem gefährlichen Status quo zurückzukehren. Wenn jetzt keine Maßnahmen ergriffen werden, wird sich die weltweite Ernährungskrise in den kommenden Monaten und Jahren verschlimmern und das Leben von Hunderten Millionen Menschen bedroht. 

Global Citizen fordert deshalb die führenden Politiker*innen der Welt auf, in nationale und internationale Nahrungsmittel-Systeme zu investieren, um sicherzustellen, dass nicht nur das SARS-CoV-2-Virus, sondern auch der weltweite Hunger ausgerottet wird. Dafür müssen schnellstmöglich zehn Milliarden US-Dollar (rund 8,2 Milliarden Euro) in soziale Schutzprogramme, Landwirtschaft, ländliche Entwicklung und Ernährungssysteme investiert werden. 

Wie wir die weltweite Hungerkrise beenden können 

Auf der Welt gibt es genügend Lebensmittel, um den Hunger zu beenden. Gleichzeitig kann das globale Nahrungsmittel-System reformiert werden, sodass mehr und gesündere Lebensmittel produziert werden. 

Die globale Hungerkrise ist auf politische Entscheidungen, Ressourcen und Einkommen auf ungleiche Weise zu verteilen, zurückzuführen. Die COVID-19-Pandemie hat uns diese Ungleichheiten auf drastische Art vor Augen geführt, indem sie uns beispielsweise gezeigt hat, wie Milliardär*innen im vergangenen Jahr Vermögen anhäufen konnten, während die ärmsten Länder systematisch bei der Verteilung von Impfstoffdosen ausgeschlossen wurden. 

Wer sind die Hauptakteur*innen im Kampf gegen die Hungerkrise?

Indem die Pandemie diese Ungerechtigkeiten aufdeckt, zeigt sie auch, wie diese überwunden werden können. Die Länder haben in den kommenden Monaten die Möglichkeit, das globale Ernährungssystem zu verändern und den Hunger ein für alle Mal zu beenden. 

Lebensmittel und Bargeld an die gefährdetsten Gemeinden in der Welt zu verteilen, muss dabei oberste Priorität haben. Denn nur so kann sichergestellt werden, dass sie während der Pandemie genügend Nahrung bekommen. Global Citizen fordert die Regierungen dazu auf, die Arbeit des WPF bei den Schulspeisungen für Kinder und der direkten Bereitstellung von Geldleistungen zu unterstützen. 

Um den Menschen überall auch dauerhaft Zugang zu nährstoffreichen Lebensmitteln gewähren zu können, müssen die Programme langfristig etabliert werden. 

In Staaten, in denen ein Großteil der Bevölkerung in ländlichen Regionen lebt, müssen die Regierungen dafür sorgen, dass Kleinbäuer*innen eine produktive Landwirtschaft betreiben können. Zu viele Landwirt*innen auf der Welt müssen um eine sinnvolle Nutzung der Böden und einen fairen Lohn für ihre Arbeit kämpfen. Deshalb fordert Global Citizen die Staats- und Regierungschef*innen der Welt auf, dazu beizutragen, dass der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD) wieder aufgefüllt wird. Dieser kann den Landwirt*innen helfen, die Auswirkungen der Klimakrise zu überwinden, höhere Einkünfte zu erzielen und die Betriebe zu erweitern. 

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Zudem müssen die derzeitigen Versorgungsketten für Lebensmittel verändert werden. Die Marktanreize haben die Lebensmittelproduktion dahingehend verändert, dass sich die Klimakrise in der Folge verschärft hat und die Menschen nur wenige nährstoffreiche Lebensmittel erhalten. 

In den kommenden Jahren muss sich die Landwirtschaft von ihrer Abhängigkeit von Viehzucht und Exportfrüchten lösen. Beides hat zu einer Rodung von Wäldern, schlechteren Verfügbarkeit von Trinkwasser und zu ausgelaugten Böden geführt. Stattdessen muss der Fokus auf nachhaltige Formen der Landwirtschaft gesetzt werden, um die Kalorienmenge pro Anbau-Hektar zu steigern und gleichzeitig die Regeneration der natürlichen Ressourcen zu ermöglichen. 

Welche Maßnahmen können Länder ergreifen, um die Hungerkrise zu beenden?

Schätzungen zufolge wird die Weltbevölkerung im Jahr 2050 auf rund zehn Milliarden Menschen ansteigen – alle werden nährstoffreiche Lebensmittel benötigen. Der Planet wird eine Ausweitung des derzeitigen Nahrungsmittelsystems auf diese Bevölkerungszahl jedoch nicht verkraften. Deshalb müssen die Länder jetzt die Begrenzung von Treibhausgasemissionen und Landnutzung ernst nehmen. Andernfalls wird sich die Klimakrise verschlimmern und dadurch wird der Anbau von Lebensmitteln noch schwerer werden. 

Die Förderung einer pflanzlichen Ernährung, der Ausstieg aus der Nutzung von Bioenergien, die Verbesserung von Erntemaschinen – all diese Lösungsansätze könnten bereits umgesetzt werden. Damit es nicht zu einem Wettbewerb und damit einhergehend zu einer Verknappung von Ressourcen kommt, müssen diese Ansätze im Rahmen von Gerechtigkeit und internationaler Solidarität eingebettet werden. 

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Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, wie global die Welt inzwischen ist: Ein Virus, das in einem Teil der Erde aufgetaucht ist, hat sich schnell in Länder, die tausende Kilometer entfernt waren, verbreitet. Im Zuge der Pandemie wird oft übersehen, dass sie wahrscheinlich in Folge eines dysfunktionalen globalen Nahrungsmittel-Systems entstanden ist. Ohne die zügellose Rodung von Wäldern, die Ausrottung von Lebensräumen und die Wilderei von Tieren hätte das Virus vielleicht gar nicht erst die Arten übersprungen

Das globale Nahrungsmittel-System hat uns in vielerlei Hinsicht im Stich gelassen. Jetzt ist es an der Zeit, ein neues System zu etablieren – eins, das unseren Planeten nicht zerstört und jeden Menschen mit nährstoffreichen Lebensmitteln versorgt. 


Über die Kampagne:

“Global Citizen: Recovery Plan for the World – Ein Aktionsplan für eine gerechte Welt nach der Pandemie” ist unsere Kampagne für das Jahr 2021, mit der wir dazu aufrufen, die COVID-19-Krise gemeinsam zu bewältigen und die Weichen für eine gerechte Welt zu stellen. Mit einer Serie von (digitalen) Events wollen wir Global Citizens, politische Entscheidungsträger*innen, Künstler*innen, Philanthrop*innen, und CEOs mit Pop und Politik zusammenbringen. Denn nur gemeinsam können wir die Pandemie besiegen, die Hungerkrise ein für allemal beenden und allen Kindern überall Zugang zu Bildung ermöglichen, für Gerechtigkeit sorgen und die Klimakrise aufhalten. Schließe dich unserer Kampagne an und werde hier aktiv.