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Große Umweltbelastung: Tampons bestehen zu 90 Prozent aus Plastik


Warum das wichtig ist
Viele Probleme halten menstruierende Menschen davon ab, jeden Tag zur Schule und Arbeit zu gehen: Periodenarmut, ein Mangel an Zugang zu Hygieneprodukten, Aufklärung zu Menstruationshygiene, verfügbare und saubere Toiletten sowie Handwaschgelegenheiten und fehlende Möglichkeiten zur Abfallentsorgung. Das Global Goal 6 der Vereinten Nationen (UN) zielt darauf ab, den Zugang zu Wasser und sanitären Anlagen für alle sicherzustellen, damit sich diese Probleme verringern. Hier kannst du dich für Geschlechtergerechtigkeit stark machen.

Etwa 1.200 Euro geben menstruierende Menschen in ihrem Leben für Tampons und Binden aus. Anfang 2020 hat die Bundesregierung deshalb den Mehrwertsteuersatz von Hygieneartikeln, die sogenannte “Tampon Tax”, auf sieben Prozent reduziert. Doch das ist kein Grund zum Feiern!

In Irland, Kanada, Kenia und Australien sind Menstruationsprodukte gänzlich von der Steuer befreit. In Schottland, Frankreich und Neuseeland werden Binden und Tampons sogar kostenlos in öffentlichen Toiletten bereitgestellt.

Um Periodenarmut zu beenden, muss die Tamponsteuer abgeschafft werden. Alle menstruierenden Menschen brauchen Zugang zu Hygieneprodukten. Nur so können sie sicher und würdevoll mit ihrer Periode umgehen. 

Einwegprodukte wie Tampons oder Binden werden mit schädlichen Chemikalien hergestellt

Ursprünglich bestanden Menstruationsprodukte aus natürlichen Materialien wie Gras, Pflanzenfasern, Baumwolle oder Leinen, die das Blut aufsaugen. Später wurden Stoffreste verwendet, die nach dem Gebrauch gewaschen wurden. Anfang des 20. Jahrhunderts kamen die ersten Binden und Tampons auf den Markt. 

Die Hersteller verkauften die Einwegprodukte als nötige Hilfsmittel für berufstätige Frauen, die diskret mit ihrer Periode umgehen wollten. Dabei wiesen sie jedoch nicht auf Schäden durch Chemikalien hin, die zur Herstellung verwendet werden – von den negativen Auswirkungen auf unsere Umwelt ganz zu schweigen.

Jede menstruierende Person nutzt in ihrem Leben durchschnittlich rund 16.800 Periodenprodukte. Allein mit den Wegwerfprodukten kommen so mehr als 20.000 Tonnen Abfall in Deutschland zustande. Dieser zerfällt zu Mikroplastik, welches Meere, Flüsse und Strände verschmutzt und unsere Wasserversorgung verunreinigt. Für eine nachhaltige Lebensweise werden Alternativen benötigt, die unseren Planeten und menstruierende Menschen schützen.

Hier stellen wir fünf der beliebtesten Periodenprodukte vor und vergleichen ihre Auswirkungen auf die Umwelt: 

Einwegbinden

Einwegbinden gibt es seit 1896 und es sind die weltweit am häufigsten verwendeten Periodenprodukte. Viele Menschen entscheiden sich für die Binde, weil oft Stigmatisierungen und Schamgefühle im Zusammenhang mit der Periode einen falschen Glauben verstärken, dass Tampons das Jungfernhäutchen zerstören, zur Masturbation verwendet oder als Verhütungsmittel benutzt werden können.

Binden bestehen aus saugfähigen Materialien wie Viskose, Baumwolle und Kunststoffen. Sie kleben an der Unterwäsche und kommen in verschiedenen Formen und Größen, um sich an die unterschiedlichen Aktivitäten und den Menstruationsfluss anzupassen. Die Binden müssen regelmäßig alle drei bis vier Stunden gewechselt werden. 

Es kann jedoch 500 bis zu 800 Jahre dauern, bis sich der Kunststoff dieses Produkts zersetzt hat. Die Herstellung der Binden erfordert vor allem den Einsatz vieler Ressourcen und Chemikalien, die die Umwelt belasten. Inzwischen gibt es auch Bio-Binden aus Zellulose und vegetarischem Kleber, die kompostierbar sind. Doch es dauert immer noch 18 Monate, bis diese Produkte vollständig abgebaut sind. 

Fazit: Ökologisch problematisch und nicht nachhaltig

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Wiederverwendbare Binden

Wiederverwendbare Binden oder Stoffbinden bestehen aus Hanf, Baumwolle oder anderen Materialien. Sie kosten mehr als Einwegbinden, sind aber ökonomisch die bessere Option, da sie bis zu fünf Jahre lang halten und so bis zu 1000 Einwegbinden und -tampons ersetzen. Für menstruierende Menschen, die in Armut leben und keinen Zugang zu Wasser und sanitären Anlagen haben, sind Stoffbinden jedoch nicht die beste Lösung. Wenn sie nicht adäquat gewaschen und alle Keime abgetötet werden können, können sie Infektionen verursachen. 

Das Waschen der Stoffbinden ist für die Hygiene natürlich besonders wichtig. Dazu wird Wasser gebraucht, das in vielen Ländern auf der Welt knapp ist. Es kommen auch Reinigungsmittel zum Einsatz, die Schadstoffe enthalten. Am Ende können jedoch als Putzlappen wiederverwendet werden und sind schneller biologisch abbaubar als Plastik. 

Fazit: Ökologisch nachhaltiger, jedoch nicht für alle Menschen zugänglich

Tampons

Tampons werden in den Vaginalkanal eingeführt und dehnen sich beim Aufsaugen des Menstruationsblutes aus. Sie fügen der Umwelt den größten Schaden zu. Die meisten Tampons bestehen aus Materialien wie Kunststoff, Viskose oder einem Gemisch aus Baumwolle, Viskosefasern und synthetischen Fasern. Sie sind in Plastik eingewickelt und enthalten Schnüre aus Polyester oder Polypropylen

In einigen Ländern wie den USA werden zudem Tamponapplikatoren verkauft. Hierbei wurde aus dem Schamgefühl von Frauen und ihrer Scheu, ihre eigenen Genitalien und das Menstruationsblut zu berühren, Profit geschlagen. Die in Tamponapplikatoren verwendeten Kunststoffe bestehen aus Polyethylen niedriger Dichte – einem umweltschädlichen Schadstoff, der eine energieintensive Verarbeitung erfordert.

Einwegtampons bestehen zu 90 Prozent aus Plastik und entsprechen dem Äquivalent von vier Einkaufstüten. Werden sie die Toilette heruntergespült, könnten sie bei Versagen der Abwassersysteme im Meer landen und Ökosysteme schädigen. Tampons brauchen bis zu 20 Jahre, um abgebaut zu werden und können gesundheitliche Konsequenzen oder Tod herbeiführen, wenn sie von Tieren aufgenommen werden. Aus diesem Grund haben Kanada und Mexiko-Stadt Tampons in ihr Verbot von Einwegplastik aufgenommen

Als Alternative gibt es Bio-Tampons und -binden. Sie werden aus natürlichen Materialien wie Baumwolle oder Bambus hergestellt und sind oft kompostierbar. Aber selbst Baumwolle benötigt sechs Liter Wasser, damit eine Knospe wachsen kann. Dementsprechend tragen sie nicht zu einer nachhaltigen Lebensweise mit der Periode bei. 

Fazit: Umweltschädigend

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Menstruationstasse

Die Menstruationstasse ist ein glockenförmiges Produkt mit Stiel aus meist medizinischem Silikon, das in die Vagina eingeführt wird und so das Menstruationsblut auffängt. Sie ist auch als Periodenbecher oder Cup bekannt und die umweltfreundlichste und kostengünstige Option. Sie kann bis zu acht Stunden eingesetzt werden und hält bei richtiger Pflege bis zu sechs Jahre lang. Für die Reinigung reicht auch ein begrenzter Zugang zu Wasser und sanitären Anlagen.

Schätzungen zufolge sollen Menstruationstassen weniger als 1,5 Prozent der Umweltbelastung ausmachen und eine menstruierende Person könnte mit ihnen 2.400 Binden oder Tampons in ihrem Leben sparen. Trotz der Vorteile des Cups sind viele Menschen zögerlich, das Produkt zu nutzen. Aufgrund von Stigmatisierungen und Fehlinformation gehen sie davon aus, dass es ihre Jungfräulichkeit beeinträchtigt.

Das verwendete Silikon wird aus Siliziumdioxid gewonnen – einer Sandart, die in ihre ursprüngliche Form zurückkehrt, sobald sie sich zersetzt. Das Material ist reichlich auf der Erde vorhanden und nicht schädlich für die Umwelt. 

Fazit: Nachhaltig und leicht zugänglich

Periodenunterwäsche

Bei Periodenunterwäsche oder Menstruationsunterwäsche handelt es sich um wiederverwendbare Unterwäsche mit mehreren saugfähigen Stoffschichten, die das Menstruationsblut aufnehmen. Die Unterwäsche kann, je nach Menstruationsfluss der Person, den ganzen Tag getragen werden. Obwohl der Periodenslip gewaschen werden muss, ist der Wasserverbrauch im Vergleich zur Herstellung von Einwegprodukten immer noch minimal

Periodenunterhosen benötigen wie wiederverwendbare Binden Zugang zu Wasser und sanitäre Anlagen, um sicher verwendet zu werden. Das kann für viele Menschen, die in Armut leben, ein großes Hindernis darstellen und bei unsachgemäßer Benutzung ein Krankheits- oder Infektionsrisiko mit sich bringen. 

Fazit: Nachhaltig, jedoch nicht für jeden Menschen zugänglich

Wir müssen Voraussetzungen für nachhaltige Alternativen schaffen 

Damit wir unseren Planeten nicht weiter belasten, müssen wir auf kostengünstige Alternativen zugreifen, die nachhaltiger sind. Gleichzeitig benötigen alle Menschen überall Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Anlagen, um sich für das Menstruationsprodukt zu entscheiden, mit dem sie sich am wohlsten fühlen. 

Wenn auch du dich dafür einsetzen willst, dass menstruierende Menschen Zugang zu nachhaltigen Periodenprodukten erhalten, dann mach dich hier für Geschlechtergerechtigkeit stark.