4 Fakten zu Impfungen, die dich überraschen werden

Autoren:
Jana Sepehr und Pia Gralki

Gavi/2013/Adrian Brooks

Warum das wichtig ist:
Gefährliche Infektionskrankheiten wie Polio, Masern und Ebola machen nicht vor Ländergrenzen Halt. Daher stellen sie eine große Gefahr für die weltweite Gesundheit dar. Um weitere Infektionen zu verhindern, muss die Weltgemeinschaft den Aufbau nachhaltiger Gesundheitssysteme vorantreiben. Du kannst hier mit uns zu diesen Themen aktiv werden.

Das Coronavirus ist Gesprächsthema Nummer eins, wie einst die Schweinegrippe und Ebola. Die Panik zeigt, wie wichtig das Thema weltweite Gesundheit ist – und dass eine globale Welt globale Lösungen braucht. Impfungen sind eine davon. Hier sind vier Fakten zum Thema Impfungen, die womöglich einen “Aha-Effekt” erzeugen.

Fakt 1: In Entwicklungsländern sind die Impfraten teilweise höher als in Europa

In Industriestaaten sind wir besser gegen ansteckende Krankheiten geschützt als in Entwicklungsländern? Denkste.

Industriestaaten haben die Nase nicht immer vorne, wenn es um hohe Impfraten geht. So hat Ruanda, Ostafrika, beispielsweise diehöchste Impfquote für die Impfung gegen Humane Papillomviren, die vor Gebärmutterhalskrebs schützt. An diesem spezifischen Fall wird deutlich, was möglich ist, wenn Politiker*innen Gesundheitsversorgung priorisieren.

Für die weltweite Gesundheit sind hohe Impfraten essentiel. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine flächendeckende Impfquote von mindestens 95 Prozent.

Ein Blick vor die Haustür zeigt: Selbst hier fällt die Impfrate bei einigen vermeidbaren Krankheiten geringer aus. Die Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten oder Kinderlähmung haben bei den Schulanfängern in den vergangenen drei Jahren kontinuierlich abgenommen.

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Nur rund 93 Prozent der Schulanfänger aus 2017 haben die beiden entscheidenden Impfungen gegen Masern bekommen, so die Daten des Robert Koch Instituts. Ab dem 1. März gilt für Kinder, die in Kindergarten oder Schule kommen, nun eine Masern-Impfpflicht.

Fakt 2: In den letzten 20 Jahren wurden mehr Kinder geimpft, als es Inselbewohner*innen gibt

Die Geschichte weltweiter Impfkampagnen ist eine Erfolgsgeschichte. An diesem Erfolg ist eine Initiative besonders beteiligt: Die Impfallianz Gavi. Sie wurde im Jahr 2000 ins Leben gerufen und hat seitdem bereits rund 760 Millionen Kinderin Entwicklungsländern geimpft und mehr als 13 Millionen Leben gerettet. Zudem unterstützt Gavi den Ausbau stabiler Gesundheitssysteme in den weltweit ärmsten Ländern. Aktuell ist Gavi in über 70 Ländern aktiv.

2020 ist auch für Gavi ein entscheidendes Jahr – nicht nur, weil die Impfallianz ihren 20. Geburtstag feiert – sondern auch, weil im Juni die nächste Finanzierungskonferenz stattfindet. Innerhalb der Finanzierungsperiode von 2021-2025 möchte Gavi weitere 300 Millionen Kinder erreichen, vor allem in Konflikt- und Krisenregionen. Dafür benötigt die Allianz mehr Geld von Regierungen weltweit. Du kannst hier mit uns aktiv werden, um einen starken Beitrag der Bundesregierung zu fordern.

Einblicke in die Arbeit der Impfallianz Gavi, hier: Burkina Faso. Bild: GAVI/2017/Juliette Bastin

Einblicke in die Arbeit der Impfallianz Gavi, hier: Burkina Faso. Bild: GAVI/2017/Juliette Bastin

Einblicke in die Arbeit der Impfallianz Gavi. Bild: Gavi/2013/Adrian Brooks

Einblicke in die Arbeit der Impfallianz Gavi. Bild: Gavi/2013/Adrian Brooks

Einblicke in die Arbeit der Impfallianz Gavi, hier: Kamerun. Bild: GAVI/2014/Duncan Graham

Einblicke in die Arbeit der Impfallianz Gavi, hier: Kamerun. Bild: GAVI/2014/Duncan Graham

Einblicke in die Arbeit der Impfallianz Gavi, hier: Tansania. Bild: GAVI/2008/Sala Lewis

Einblicke in die Arbeit der Impfallianz Gavi, hier: Tansania. Bild: GAVI/2008/Sala Lewis

Einblicke in die Arbeit der Impfallianz Gavi, hier: Bangladesch. Bild: Gavi/GMB Akash

Einblicke in die Arbeit der Impfallianz Gavi, hier: Bangladesch. Bild: Gavi/GMB Akash

Fakt 3: Impfungen sparen Geld

Sollten Impfkampagnen wie Gavi die nötigen Gelder bekommen, könnten bis 2025 sieben bis acht Millionen Menschenleben gerettet werden. Das ist eine enorme Anzahl und bedeutet für die betroffenen Länder einen wirtschaftlichen Gewinn von 80 bis 100 Mrd. US-Dollar. Warum? Ganz einfach: Weil geimpfte Menschen langfristig gesünder bleiben. Dadurch entstehen einerseits weniger Gesundheitskosten, andererseits können diese Menschen produktiv zum Wirtschaftswachstum ihres Landes beitragen.

Der wichtigste Faktor bleibt hier, dass Impfungen die effektivste Gesundheitsvorsorge sind – und zwar auf für die ganze Welt. Denn Krankheiten kennen keine Ländergrenzen. Von Investitionen in weltweite Gesundheit profitieren wir also alle.

Fakt 4: Es gibt nicht immer mehr Impfgegner*innen

Gegenstimmen klingen lauter, schlechte Nachrichten verbreiten sich besser, als gute  – das Phänomen ist bekannt. So ähnlich verhält es sich auch mit der aktuellen Impfdebatte: Ja, es gibt eine Impfgegner*innen-Bewegung. Aber diese Bewegung gibt es schon seit Jahrzehnten und nicht jede*r, der Zweifel zu der Sicherheit von Impfungen hegt, kann als Impfgegner*in bezeichnet werden.

Aus einer repräsentativen Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) von 2018 geht hervor, dass die meisten Menschen – genauer 77 Prozent der Befragten – als Impfbefürworter*innen bezeichnet werden können. Im Vergleich zu 2014 ist die Anzahl an Menschen in Deutschland, die Impfungen positiv gegenüber stehen, sogar um 8 Prozent gestiegen. Zudem unterscheidet das BZgA Menschen, die Vorbehalte gegenüber Impfungen haben von Personen, die diese grundsätzlich ablehnen. Erstere Gruppe ist im Vergleich zu 2014 von 25 Prozent auf 17 Prozent gesunken, letztere liegt bei 5 Prozent.

Als eines der häufigsten Motive für versäumte Impfungen gaben die befragten Eltern an, dass ihr Kind zum Zeitpunkt der Impfung nicht gesund genug war, um diese wahrzunehmen. Nur etwa 10 Prozent dieser Personengruppe sagten, dass sie Angst vor möglichen Nebenwirkungen der Impfungen hatten.