An einem Oktoberabend 2011 kamen in Perth 5.000 Menschen zu einem Konzert zusammen – noch bevor Global Citizen diesen Namen trug.
John Legend trat auf. Australische Künstler standen auf der Bühne. Unter den Lichtern eines Amphitheaters versammelte sich eine Menschenmenge, weit entfernt von vielen Orten, an denen eine der ältesten Krankheiten der Menschheit noch immer Kinder bedrohte.
Doch an diesem Abend ging es eigentlich nicht um Musik. Es ging um Polio.
Das End of Polio Concert in Perth war im Vorfeld eines Treffens der Führungsspitzen des Commonwealth organisiert worden, um öffentliche Aufmerksamkeit in Unterstützung für konkretes Handeln umzuwandeln. Tausende Menschen hatten eine Petition unterzeichnet, die Regierungen dazu aufforderte, in Maßnahmen zur Ausrottung der Krankheit zu investieren.
Am Morgen nach dem Konzert wurden neue Mittel in Höhe von 118 Mio. USD für die Ausrottung von Polio angekündigt.
Dieser Moment hatte etwas Kraftvolles: Menschen, die den von Polio betroffenen Kindern vielleicht niemals begegnen würden, hatten entschieden, dass deren Leben ihnen trotzdem wichtig war.
Diese Idee – dass uns die Zukunft eines anderen Menschen wichtig sein kann, selbst wenn wir weder eine Grenze noch eine Sprache oder dieselben Lebenserfahrungen teilen – sollte zum Herzstück von Global Citizen werden.
Das Konzert trug dazu bei, einen Ansatz zu etablieren, der später zentral für Global Citizen werden sollte: Menschen durch Kultur zusammenzubringen und ihnen wirkungsvolle Möglichkeiten zu geben, aktiv zu werden.
Im folgenden Jahr startete Global Citizen. 14 Jahre später prägt diese Idee noch immer, wer wir sind.
Eine Bewegung, die auf Beteiligung beruht
Die Geschichte von Global Citizen begann nicht mit der Überzeugung, dass ein Konzert allein Armut beenden könnte. Sie begann mit dem Glauben daran, dass Menschen dazu beitragen können, die Entscheidungen und Investitionen mitzugestalten, die extreme Armut beenden können.
Die Organisation wurde ursprünglich 2008 als Global Poverty Project gegründet und konzentrierte sich darauf, Menschen dabei zu helfen, extreme Armut zu verstehen – und vor allem zu erkennen, wie sie selbst zum Fortschritt beitragen können.
Dann kam Perth. Und später, im September 2012, versammelten sich 60.000 Menschen auf dem Great Lawn in New York City zum ersten Global Citizen Festival im Central Park.
Wieder brachte Musik Menschen zusammen. Doch Beteiligung war Teil des Erlebnisses.
Man konnte sich den Zugang zum Festival nicht einfach kaufen. Die Tickets wurden verdient, indem man sich über globale Themen informierte und aktiv wurde: Petitionen unterzeichnete, Entscheidungsträger*innen kontaktierte, Kampagnen teilte und die eigene Stimme erhob.
Dieser Unterschied war damals wichtig – und ist es heute noch. Denn Global Citizen hat Menschen nie einfach nur zum Zuschauen aufgefordert. Wir laden sie dazu ein, Teil der Bewegung zu werden.
Was bedeutet es, Teil einer globalen Bewegung zu sein?
Die Welt, in der wir heute leben, sieht ganz anders aus als die, die wir 2011 kannten.
Wir haben eine Pandemie erlebt, die Grenzen schneller überschritt, als Regierungen sie schließen konnten. Der Klimawandel ist keine ferne Warnung mehr, sondern für Communitys, die mit Dürren, Überschwemmungen, Bränden, Ernteausfällen und Vertreibung konfrontiert sind, tägliche Realität.
Konflikte reißen Familien auseinander. Ungleichheit bestimmt weiterhin mit darüber, wer Bildung erhält, wer Zugang zu Strom und Gesundheitsversorgung hat und wessen Zukunft sich sicher anfühlen darf.
Gleichzeitig hatten wir noch nie so viele Informationen übereinander. Eine Krise Tausende Kilometer entfernt kann innerhalb von Sekunden auf unseren Smartphones erscheinen.
Doch mehr sehen zu können bedeutet nicht immer, sich näher zu fühlen. Manchmal ist das Gegenteil der Fall.
Das Ausmaß der Herausforderungen, vor denen wir stehen, kann überwältigend sein. Wir scrollen an der nächsten Krise, der nächsten Herausforderung, der nächsten Statistik vorbei. Nicht weil sie uns egal sind, sondern weil oft schwer zu erkennen ist, wohin unser Mitgefühl führen soll.
Genau hier kommt globale Verantwortung ins Spiel. Es geht nicht darum, jedes Problem der Welt auf den eigenen Schultern zu tragen. Es geht darum zu erkennen, dass unser Leben miteinander verbunden ist – und dass wir selbst dann, wenn wir nicht alles tun können, immer noch etwas tun können.
Von Johannesburg bis in unsere Wohnzimmer
Im Laufe der Jahre nahm diese Entscheidung viele Formen an. 2018 kamen Global Citizens in Johannesburg zum Global Citizen Festival: Mandela 100 zusammen und führten Nelson Mandelas Überzeugung weiter, dass Armut nicht unvermeidbar ist und durch menschliches Handeln überwunden werden kann.
Jahre zuvor hatte Mandela vor einer Menschenmenge auf dem Trafalgar Square in London eine Aufforderung formuliert, die bis heute nachhallt:
Dann, im Jahr 2020, wurde es plötzlich unmöglich, zusammenzukommen. COVID-19 leerte die Straßen, schloss Schulen und Arbeitsplätze, trennte Familien und machte große Lücken beim Zugang zu Gesundheitsversorgung und wirtschaftlicher Sicherheit sichtbar.
Also veränderte die Bewegung ihre Form.
One World: Together At Home brachte Menschen aus ihren Wohnzimmern zusammen, unterstützte gleichzeitig Gesundheitskräfte und die weltweite Pandemiebekämpfung und führte letztlich zu Zusagen in Höhe von 127 Mio. USD.
Die Bühne verschwand. Das Ziel blieb.
Das ist vielleicht eine der deutlichsten Lehren aus den vergangenen 14 Jahren: Global Citizen war nie das Konzert. Das Konzert war eine Möglichkeit, Menschen für die gemeinsame Arbeit zu gewinnen.
Die Bewegung zeigt sich darin, was Menschen als Nächstes tun.
Eine Aktion wird zu Millionen
Keine einzelne Aktion erzählt die ganze Geschichte. Die Kraft entsteht daraus, was passiert, wenn Millionen Menschen gemeinsam handeln – und diese Aktionen Dynamik für messbare Veränderungen schaffen.
2025 führten Global Citizens im Rahmen von Protect the Amazon 4,3 Millionen Aktionen durch. Damit stärkten sie die öffentliche Beteiligung und den Rückenwind für eine Kampagne, die Zusagen von mehr als 1 Mrd. USD zum Schutz des Regenwaldes sowie zur Unterstützung indigener Völker und lokaler Communitys mobilisierte, die zu seinem Schutz beitragen. Diese Zusagen sollen 31 Millionen Hektar schützen oder wiederherstellen und sich auf das Leben von 18 Millionen Menschen auswirken.
Im selben Jahr brachte Scaling Up Renewables in Africa Regierungen, Investor*innen, Unternehmen, Organisationen und Bürger*innen zusammen, um eine große Chance und Herausforderung anzugehen: Afrika verfügt über enormes Potenzial für erneuerbare Energien, während Millionen Menschen auf dem Kontinent noch immer keinen Zugang zu Strom haben.
Bis zum Höhepunkt der Kampagne in Johannesburg waren Zusagen angekündigt worden, die bis 2030 mehr als 17,5 Millionen Haushalte mit Strom versorgen und 26,8 Gigawatt erneuerbare Energie in ganz Afrika bereitstellen sollen.
Und heute nimmt mit dem FIFA Global Citizen Education Fund eine weitere Idee Gestalt an.
Fußball kann Stadien füllen und ganze Städte zum Stillstand bringen. Aber was wäre, wenn ein Teil dieser außergewöhnlichen weltweiten Aufmerksamkeit auch lange nach dem Schlusspfiff noch Chancen für Kinder schaffen könnte?
In etwas mehr als einem Jahr hat der Fonds mehr als 60 Mio. USD mobilisiert. Er unterstützt 58 lokal verankerte Organisationen, deren Arbeit voraussichtlich mehr als 400.000 Kindern Zugang zu hochwertiger Bildung und Sport ermöglichen wird.
Ein Regenwald, ein Solarpanel, ein Fußball und ein Klassenzimmer. Sie mögen wie voneinander getrennte Geschichten wirken. Doch sie verbindet eine Frage, die Global Citizen seit 14 Jahren stellt:
Was wird möglich, wenn Menschen entscheiden, dass ihnen die Zukunft anderer wichtig ist?
Hier ist auch dein Platz
Eine Bewegung gehört nicht ihren Gründer*innen. Sie gehört nicht den Menschen auf ihren Bühnen, den Führungspersönlichkeiten, die Zusagen machen, oder den Organisationen, deren Namen auf einer Kampagne stehen.
Eine Bewegung gehört den Menschen, die sie am Laufen halten. Und damit auch dir.
Ganz gleich, ob du bereits Hunderte Aktionen mit Global Citizen durchgeführt hast oder diese Community gerade erst entdeckst: Du musst keine Expertin sein, um hier dazuzugehören.
Es geht darum, mitzumachen, zu lernen, Fragen zu stellen und engagiert zu bleiben.
Es bedeutet, deine Stimme gemeinsam mit Menschen zu erheben, denen du vielleicht nie begegnen wirst – weil du daran glaubst, dass der Geburtsort eines Menschen nicht darüber entscheiden sollte, welche Chancen er hat, zu lernen, sicher zu leben, saubere Luft zu atmen, Zugang zu Strom zu haben oder sich die eigene Zukunft aufzubauen.
Vor 14 Jahren konnte das bedeuten, eine Petition zu unterschreiben, um ein Konzertticket zu erhalten. Heute kann es mit dem Smartphone beginnen, das du bereits in der Hand hältst.
Lade die Global-Citizen-App herunter. Wähle ein Thema, das dir wichtig ist. Lies. Lern dazu. Unterzeichne eine Petition. Schreib einer entscheidungsbefugten Person. Teile eine Aktion mit jemand anderem.
Dann komm zurück und werde erneut aktiv. Nicht, weil deine Aktion allein das Problem lösen wird. Sondern weil du nicht allein bist. Genau darum geht es.
In einer Zeit, in der es leicht ist, sich auf das zu konzentrieren, was uns trennt, bedeutet Global Citizen zu sein, sich daran zu erinnern, was uns verbindet.
Die Welt hat sich in 14 Jahren verändert. Unser Glaube aneinander nicht. Werde Teil der Bewegung. Werde aktiv. Hier ist auch dein Platz.