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A doctor checks a malnourished newborn baby inside an incubator at Al-Sabeen hospital in Sanaa, Yemen on June 27, 2020. Coronavirus restrictions on movement have blocked the distribution of aid, along with the stalling of salaries and price hikes.
Hani Mohammed/AP
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Der Jemen steht vor der schlimmsten Hungersnot seit Jahrzehnten


Warum das wichtig ist
Das Global Goal 2 der Vereinten Nationen zielt darauf ab, die Hungerkrise weltweit zu beenden. Doch die Situation im Jemen wird immer wieder als die schlimmste humanitäre Krise der Welt bezeichnet. Die Vereinten Nationen fordern einkommensstarke Länder auf, Mittel für Hilfsmaßnahmen in Jemen bereitzustellen. Du kannst hier zu diesem Thema aktiv werden.

Auch wenn gerade schon viel auf den Schultern der Menschheit lastet, dürfen wir unsere Augen vor dieser Krise nicht verschließen: 

Im Jemen leben schätzungsweise 50.000 Menschen bereits unter hungerähnlichen Bedingungen und mehr als 16 Millionen Menschen im ganzen Land werden in diesem Jahr hungern, wenn nicht dringend etwas unternommen wird, so die Vereinten Nationen

Die wachsende Hungerkrise bedroht zwei Drittel der Kinder unter fünf Jahre im Land, darunter 400.000, die von akuter Unterernährung betroffen sind. Die sich verschlechternde Situation ist möglicherweise die schlimmste Hungerkrise seit Jahrzehnten und Teil eines weltweiten Anstiegs des Hungers. Die COVID-19-Pandemie hat die humanitäre Hilfe und die Nahrungsmittelsysteme unterbrochen. Bestehende Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten wurden zudem verschärft.

"Die Kürzung von Hilfsmitteln kommt einem Todesurteil gleich"

"Für die meisten Menschen ist das Leben im Jemen inzwischen unerträglich", sagte UN-Generalsekretär António Guterres in einer Erklärung. "Die Kindheit im Jemen ist eine besondere Art der Hölle. Dieser Krieg verschlingt eine ganze Generation von Jemenit*innen. Wir müssen ihn jetzt beenden und sofort mit der Bewältigung seiner extremen Folgen beginnen. Dies ist nicht der Moment, sich aus dem Jemen zurückzuziehen."

Die Vereinten Nationen veröffentlichten ihren jüngsten Aufruf zum Handeln vor einem Gebergipfel, der von den Regierungen Schwedens und der Schweiz gemeinsam ausgerichtet wurde. Die Vereinten Nationen riefen die Geberländer auf, 3,85 Milliarden US-Dollar (rund 3,19 Milliarden Euro) für die humanitäre Hilfe im Jemen zuzusagen, konnten aber bis zum Ende des Tages nur 1,7 Milliarden US-Dollar aufbringen (rund 1,41 Milliarden Euro)

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"Die Kürzung von Hilfsmitteln kommt einem Todesurteil gleich", sagte Guterres nach der Veranstaltung. "Das Beste, was man über den heutigen Tag sagen kann, ist, dass er eine Anzahlung darstellt."  

Die Vereinten Nationen nutzten die Plattform ebenfalls, um zu Friedensbemühungen in dem umkämpften Land aufzurufen.

USA beenden ihre Unterstützung von Saudi Arabien durch Waffenlieferungen

Die Friedensgespräche haben einen leichten Schub bekommen, nachdem der US-Präsident Joe Biden sein Amt angetreten und versprochen hat, die indirekte Unterstützung des Krieges durch die USA zu beenden und sich für Frieden im Land einzusetzen. Die USA waren zwar nicht direkt in den Krieg involviert, lieferten aber Waffen an eine von Saudi-Arabien geführte Koalition, die den Jemen kontinuierlich bombardiert.

David Miliband, Leiter des International Rescue Committee, forderte die USA auf, die Hilfsmaßnahmen im Land zu finanzieren, nachdem sie die Krisensituation so lange ermöglicht hätten.

"Die Entscheidungen der Biden-Administration, eine gescheiterte Kriegsstrategie aufzugeben, sind ein Anfang, aber die Menschen im Jemen brauchen viel mehr", sagte Miliband. "Wir rufen die wohlhabenden Länder der Welt auf, sich aufzuraffen und Unterstützung zu leisten."

Die Krise im Jemen geht weit über die drohende Hungersnot hinaus und betrifft nahezu alle Bereiche des Lebens. Der Bürgerkrieg, der 2014 begann, hat 233.000 Menschen das Leben gekostet, wichtige Infrastruktur wie Brunnen und Krankenhäuser zerstört, die gesamte Wirtschaft in eine Krise gestürzt und Millionen von Menschen ohne Zugang zu Wasser, Nahrung, Strom und Gesundheitsversorgung zurückgelassen.

Finanzierung stockt

In den letzten Jahren hatten die Vereinten Nationen Schwierigkeiten, die nötigen finanziellen Mittel zu mobilisieren und sahen sich im Jahr 2020 mit ihrem bisher größten Defizit konfrontiert: Sie konnten nur 56 Prozent der beantragten 3,4 Milliarden US-Dollar (rund 2,81 Milliarden Euro) für humanitäre Hilfe aufbringen. 

Die von den Vereinten Nationen gesammelten Gelder werden für eine Vielzahl von Zwecken verwendet, darunter die Verteilung von Nahrungsmitteln, die Bereitstellung von medizinischer Versorgung und Ernährungshilfe sowie den Zugang zu sauberem Wasser. Jeden Monat erreicht die humanitäre Hilfe schätzungsweise zwölf Millionen Menschen im Jemen. Allein das Welternährungsprogramm liefert rund 130.000 Tonnen Lebensmittel pro Monat.

Gefährliche Arbeit für Hilfsorganisationen 

Für Hilfsorganisationen, die im Jemen arbeiten, wird das Erreichen der am meisten gefährdeten Bevölkerungsgruppen durch den anhaltenden Konflikt erschwert. Tatsächlich müssen die Vereinten Nationen bewaffnete Gruppen benachrichtigen, bevor sie humanitäre Hilfsgüter in ein Gebiet liefern, da ihre Mitarbeiter sonst Gefahr laufen, angegriffen zu werden.

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Humanitäre Transporte von Lebensmitteln oder Hilfsgütern müssen über das Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) abgestimmt werden. Es stellt sicher, dass die LKWs die Freigabe erhalten und auf ihrer Fahrt geschützt werden. Diese LKWs tragen große Schilder, die ihre Zugehörigkeit zu den Vereinten Nationen kennzeichnen und für Kampfflugzeuge am Himmel sichtbar sind, um Bombenangriffe zu verhindern.

Im Jemen gibt es mehr als 30 Frontlinien, an denen ein aktiver Konflikt stattfindet. Die Vereinten Nationen und ihre Partner können beispielsweise eine Region nicht erreichen, weil eine Blockade besteht oder weil es einfach zu gefährlich ist. Nicht nur deshalb setzen sich die Vereinten Nationen für die Beendigung des Krieges ein — denn die Lieferung wichtiger Hilfsgüter wie Lebensmittel wird viel einfacher sein, wenn das Land in einen Zustand des Friedens übergeht.

"Wir stehen mit dem Jemen an einem Scheideweg", sagte Mark Lowcock, UN-Untergeneralsekretär für humanitäre Angelegenheiten, in einer Erklärung. "Wir können den Weg zum Frieden wählen oder die Jemeniten in die schlimmste Hungersnot der Welt seit Jahrzehnten abrutschen lassen. Eine ausreichend finanzierte Hilfsaktion wird die Ausbreitung der Hungersnot verhindern und die Voraussetzungen für einen dauerhaften Frieden schaffen. Wenn man die Menschen nicht ernährt, nährt man den Krieg."

Wenn auch du möchtest, dass die Hungerkrise im Jemen gestoppt wird und wohlhabende Länder Hilfsmittel zur Verfügung stellen, dann werde hier aktiv.