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Hunger & Ernährungssicherheit

Warum es besser wäre, erst mal keinen Fisch mehr zu essen

Tuna fish.jpgFlickr / US Fish and Wildlife Service

Anfang dieses Jahres machte folgende Geschichte aus den USA Schlagzeilen: Ein Mann klagte über starke Bauchschmerzen, blutigen Durchfall und Juckreiz am ganzen Körper. Wie sich im Krankenhaus herausstellte, hatte der Mann tausende Bandwürmer in seinem Körper. Auslöser war offenbar kontaminiertes Sushi. 

Vielleicht nur eine Horrorgeschichte von vielen - aber definitiv ein kleine Erinnerung daran, dass alles, was in unserer Nahrung steckt, unweigerlich in unseren Körper gelangt und diesen belasten kann.

Fisch und Meeresfrüchte zu essen, ist für viele ein Mittelweg zwischen "Ich esse kein Fleisch, aber irgendwie esse ich doch Fleisch“. Ein Weg, um an Proteine zu kommen, den ‚umami’ Geschmack auf der Zunge zu haben und irgendwie das Gefühl zu haben, noch etwas gerade so ethisch und moralisch vertretbares zu tun.

Doch in Wirklichkeit ist gerade das letztgenannte Argument leider Unsinn. Denn es gibt eine lange Liste an schlimmen Folgen durch die Fisch- und Meeresfrüchteindustrie: Angefangen bei der Ethik über Umweltschäden bis - ja, leider- hin zu Gesundheitsrisiken.

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Für John Hourston von der Blue Planet Society ist all dies Grund genug, um auf Fisch ganz zu verzichten: „Meine allgemeine Empfehlung lautet: Esst nie wieder Meeresfrüchte!“

Das mag für einige jetzt sehr extrem klingen - doch hier sind ein paar gute Gründe im Detail, die einen zumindest dazu anregen, seine Gewohnheit zu überdenken.

Seal bycatchImage: Marine Photobank

Die Fisch- und Meeresfrüchteindustrie tötet Tiere, die wir nicht einmal essen

„Die meisten Menschen, die Krabben und Hummer essen, haben wahrscheinlich keine Ahnung, dass mehrere Wale sterben mussten, um die Schalentiere auf den Teller zu bekommen", sagt Hourston von der Blue Planet Society. Weltweit landen jährlich bis zu 30 Millionen Tonnenunerwünschter Beifang in den Netzen – darunter auch Jungfische, Vögel, Haie und Schildkröten.

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Die Meere werden leergefischt

Der Appetit auf Fisch ist groß: Mehr als 30 Prozent der weltweiten Bestände drohen derzeit zu verschwinden, berichtet der WWF.

Vor allem beliebte Arten wie etwa der Thunfisch sind überfischt und sind kurz davor, gänzlich auszurotten, wenn nicht sehr bald nachhaltige Fangmethoden und -regeln eingeführt werden.

Einer der Hauptgründe für die Überfischung ist eine fehlende nationale und internationale Überwachung der Weltgewässer. In einem Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen wurde festgestellt, dass jährlich 35 Millionen Tonnen gefangene Fische nicht gemeldet werden. Das ist ein Problem, das verhindert, dass nachhaltige Fangquoten eingehalten werden. Der Mangel an Regulierung und Kontrollen führt zum Missbrauch.

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Ozeane werden behandelt wie Müllhalden

Alle 60 Sekunden landet im Durchschnitt ein Wagen vollbeladen mit Plastikmüll in den Weltmeeren.

Great Pacific Garbage Patch.jpgImage: Ray Boland, NOAA

Es sind alte Einkaufstüten, aber auch Plastikmikroperlen, die für das Leben im Meer tödlich sind. Bei einer gewöhnlichen Menge Duschgel, die man bei einem Duschgang, verwendet, landen bis zu 10.000 Mikroplastikteilchen im Abfluss und schließlich in unserer Umwelt.

Wenn die Plastikteilchen von Tieren verzehrt werden, können die Mikroperlen eine Reihe von Problemen auslösen: Sie können Schmerzen verursachen, den Verdauungstrakt verstopfen und die Aufnahme von Nährstoffen blockieren. Die Menge der Giftstoffe, die sich in unseren Weltmeeren befindet, ist immens.

Ganges River in India, raw sewageImage: AP

Die Fisch- und Meeresfrüchteindustrie sorgt für Ungerechtigkeit

Tag für Tag arbeiten in dieser Industrie 57 Millionen Menschen. Der Wirtschaftszweig setzt jährlich mehr als 150 Milliarden Dollar um.

Seit die Nachfrage nach Fisch und Meeresfrüchten rasant gestiegen ist, ist die Industrie wahnsinnig ungerecht geworden: Kleine Fischer wurden verdrängt und große, industrielle Schiffe fischen mit ihren Netzen das Meer leer. Frei nach dem Motto: Der stärkere gewinnt.

Vor der Küste Westafrikas etwa breiten sich illegale chinesische Fischer aus und vertreiben die lokalen Fischer. Rund zwei Milliarden Dollar soll China mit diesem Prinzip jedes Jahr machen, so zumindest lautet eine Analyse des Journals Froniers in Marine Science.

Hinzu kommt, dass die Fischwaren nicht vernünftig beschriftet sind und die Konsumenten somit keine Vorstellung davon haben, wie und wo der Fisch gefangen wurde, den sie da gerade kaufen, sagt Hourston weiter.

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„Die meisten Menschen kaufen Fisch und Meeresfrüchte im Supermarkt, nicht in einem Hafen oder bei einem erfahrenen Fischhändler“, sagt Hourston.

„Solange [die Fisch- und Meeresfrüchteindustrie] kein System entwickelt, das dem Verbraucher sagt, was in dem Prozess passiert, sollte es ein generelles Verbot aller industriell gefangener Meeresfrüchte geben."