Weibliche Genitalverstümmelung ist ein globales Problem

Autor:
Jana Sepehr

Weltweit leben 200 Millionen Frauen und Mädchen, die aus kulturellen oder sozialen Gründen beschnitten wurden – auch in der EU sind es Hunderttausende. Doch warum nimmt diese Tradition kein Ende? Eine Reportage über starke Frauen, die mit aller Kraft gegen die frauenverachtende Praxis ankämpfen.

Sie locken die Mädchen mit Bananen

Isatou Barry war 28 Jahre alt, als sie zum zweiten Mal durch die Hölle ging. Sie nahm ihre Nichte an die Hand und versprach ihr, dass sie Bananen und Schweinemilch bekommen würde. So wie man es Barry damals versprochen hatte, als sie selbst noch ein kleines Mädchen war. Barry übergab das Mädchen an eine Frau. Man hatte sie darum gebeten. Sie sah, wie sie ihrer Nichte ein Tuch über das kleine Gesicht legten und die Augen verbanden. Barry hörte die Schreie, das Weinen, die Wut in der Stimme. Auch Barry fing an zu weinen. Aber sie durfte nicht bleiben. Sie solle das nicht hören und sehen, sagten sie ihr. Barrys Auftrag war es, das Mädchen hierher zu bringen. Nun konnte sie nichts mehr tun, als zu warten, bis es vorbei war.

Barry wuchs in einem Dorf in Gambia auf. Heute ist sie 40 Jahre alt. Doch an diese Szenen erinnert sie sich, als wäre es gestern gewesen.

Nach der Beschneidung sagten sie Barry, dass ihre Nichte nun „rein” sei und sie feierten ein Fest. Barry hielt ihr Versprechen: Es gab Bananen und Schweinemilch. Männer dürfen bei dieser Zeremonie nicht dabei sein, doch die Frauen aus der Nachbarschaft kamen – und sie tanzten und sangen, während das Mädchen noch immer auf dem Boden lag und weinte.

Für viele Familien in Gambia sind Beschneidungen ein teures Ritual. „Den armen Familien fällt es schwer, genug Geld zu sparen für dieses Fest. Oft sparen sie jahrelang“, sagt Barry. Doch die Tradition ist in vielen Kulturkreisen elementar. „Wenn du nicht beschnitten bist, wirst du diskriminiert.”

Barry NewSize.pngIsatou Barry, 40, setzt sich in der gambianischen Community für ein Ende von FGM ein.

Mittlerweile lebt Barry mit ihrem Ehemann und ihren Kindern in Deutschland und kämpft für ein Ende der Genitalverstümmelung.

Noch heute wird alle 11 Sekunden ein Mädchen auf der Welt beschnitten, berichtet die Frauenrechtsorganisation Terres des Femmes. Das sind 8.000 Mädchen jeden Tag. Es sind Mädchen wie Isatou Barry und ihre Nichte. Sie leben in Nigeria, Somalia, Indonesien oder dem Irak. Sie kommen aus Afghanistan oder Eritrea. Einige leben in Deutschland oder den Niederlanden. Genitalverstümmelung, auch bekannt als FGM (kurz für: Femal Genital Mutilation), ist schon lange kein lokales Problem mehr: Es hat globale Dimensionen.

FMG_2.jpgIn diesen 5 Ländern ist die Zahl der beschnittenen Frauen besonders hoch.

Nach Schätzungen des EU-Parlaments leben allein in der Europäischen Union rund 500.000 von weiblicher Genitalverstümmelung betroffene Frauen und Mädchen. 180.000 Mädchen gelten zudem als gefährdet. Vor allem in Frankreich, Belgien und Großbritannien ist die weibliche Genitalverstümmelung seit Jahren ein bekanntes Problem. Aber auch in Deutschland sind die Zahlen der betroffenen und gefährdeten Mädchen in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Seit 2015 sind deutlich mehr Flüchtlinge aus Ländern gekommen in denen FGM praktiziert wird – vor allem aus Eritrea, Somalia und dem Irak, sagt Charlotte Weil, Referentin zur weiblichen Genitalverstümmelung bei Terres des Femmes. 13.000 der in Deutschland lebenden Mädchen waren nach Schätzungen von Terres des Femmes 2017 von Genitalverstümmelung bedroht – 4000 mehr als im Vorjahr.

Seit 2013 ist weibliche Genitalverstümmelung in Deutschland eine Straftat. Es drohen bis zu 15 Jahre Haft. Seit 2015 ist sie auch ein Auslandsstraftatbestand. Das heißt, wenn Eltern ihre Tochter - meist in den langen Sommerferien - in die Heimat bringen und dort beschneiden lassen, kann dies in Deutschland geahndet werden.

Das zu überprüfen, ist jedoch schwierig. In Deutschland gab es bisher keinen bewiesenen Fall und keine Verurteilung. In Paris hingegen, ist eine Beschneiderin angeklagt und verurteilt worden. Auch in einigen Ländern, in denen FGM verbreitet ist, ist es offiziell verboten, etwa in Ägypten. „Dort wird die Praktik – sogar in Krankenhäusern unter hygienischen Bedingungen – noch immer durchgeführt”, sagt Weil. Dieses Beispiel zeigt: Gesetze können ein Signal sein, doch sie reichen nicht aus.

Viel entscheidender ist es, das alltägliche Leben der Familien in Deutschland zu verändern, den Kindern eine gute Schulbildung zu ermöglichen und den Eltern Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu geben. Kurz gesagt: Die Neuankömmlinge in die Gesellschaft, in der sie nun leben, zu integrieren. „Integration spielt eine große Rolle. Wenn Familien gut integriert sind, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Mädchen beschnitten werden deutlich geringer”, sagt Weil. 

Früher wie heute geht es darum, die Sexualität der Frau zu kontrollieren

Zwar werden die traditionellen Beschneidungen in 99 Prozent der Fälle von Frauen durchgeführt, dennoch sei sie ein Mittel, um die Frau zu unterdrücken, betont Weil. „Das Hauptmotiv der weiblichen Genitalverstümmelung war – und ist noch immer –, die Sexualität der Frau zu kontrollieren”, sagt Weil. Das Zunähen der Vagina soll die Jungfräulichkeit bewahren und der Frau die Lust am Sex nehmen. „Zudem gibt es eine Vielzahl von Gründe für die Tradition, die in verschiedenen Ländern, Regionen und auch zwischen den Ethnien in einer Region ganz unterschiedlich sein kann.” Die Beschneidung gilt oft als Reinheitsritual. Hinzu kommen mancherorts Mythen: Etwa das man impotent wird, wenn man die Klitoris berührt. Auch ästhetische Aspekte spielen in vielen Kulturen eine Rolle: Vielerorts gilt eine Frau erst dann als schön, sauber und rein, wenn sie beschnitten ist. In einigen Regionen, vor allem in einigen ostafrikanischen Ländern, ist es für Frauen nahezu unmöglich einen Ehemann zu finden, wenn sie nicht beschnitten sind. Deshalb spielen auch wirtschaftliche Faktoren eine Rolle. Dabei habe die Genitalverstümmelung nichts mit dem Bildungsgrad zutun: „Der Arzt und der Bauer lassen ihre Kinder gleichermaßen beschneiden.“

Die Beschneidung der Frau hat keinen religiösen Ursprung und wird unabhängig von der Religion – sowohl in muslimischen als auch in christlichen Gemeinden – durchgeführt und ist fest in den gesellschaftlichen Strukturen verankert. In manchen Ländern, wie etwa in Somalia, sei es eine „undurchbrechbare soziale Norm“. 98 Prozent der Frauen in dem ostafrikanischen Land sind beschnitten. Auch bei Flüchtlingen, die aus Somalia nach Deutschland kommen, lasse sich nicht so einfach mit der Tradition brechen. „Die somalische Community ist für uns sehr schwierig zu erreichen. Die Geflüchteten aus Somalia haben meist ganz andere Sorgen. Sie leben in prekären Situationen, oft isoliert und wissen nicht, ob sie wieder in ihr Heimatland abgeschoben werden. Solche Faktoren spielen eine große Rolle.”

Viele Neuankömmlinge haben das Gefühl, man wolle sie ihrer Identität und Kultur berauben. Zudem ist Genitalverstümmelung in vielen Gesellschaften als Gesprächsthema tabu: Nur mit den engsten Vertrauten spricht man darüber.

In Gambia, Isatou Barrys Heimatland, sind rund 75 Prozent der Frauen zwischen 15 und 49 Jahren beschnitten. In der Schule sagte eine Lehrerin Barry und den anderen Mädchen in der Klasse, dass es manchmal Probleme bei der Geburt gäbe, wenn man als Frau beschnitten ist. „Sie sagte auch, dass es eine Schande sei, Mädchen zu beschneiden.“ Doch Barrys Mutter wollte von dem „Schwachsinn“ damals nichts hören.

„Ich war verwirrt. Aber meine Mutter sagte mir, das sei eine Lüge. Sie sagte, ich solle mich nicht sorgen. Es sei eine Schande für die Mädchen, die nicht beschnitten sind. „Meine Mutter hat wirklich geglaubt, dass es gut für mich sei, ja, dass es mir besser geht, weil ich beschnitten bin. Und du glaubst deiner Mutter, denn sie ist deine engste Vertraute.“

Barry hat ihre Beschneidung überlebt. Doch die Wunden sind bis heute nicht geheilt.  

Erst als Barry ihr erstes Kind bekam, wurde ihr wirklich bewusst, dass es nicht gut war, was man ihr als kleines Mädchen angetan hatte. Sie hatte starke Schmerzen und konnte ihre Kinder nur per Kaiserschnitt zur Welt bringen.

Das Tabu brechen

Im Jahr 2007 zog Isatou Barry in Berlin. Seit einigen Jahren setzt sie sich aktiv gegen Genitalverstümmelung ein. Sie ist eine von acht sogenannten „CHANGE Agents“ in Berlin. Das CHANGE Plus Projekt startete 2016 und wird von der Europäischen Union (EU) ko-finanziert und soll die weibliche Genitalverstümmelung in der EU beenden. Im Rahmen des Projekts werden Frauen und Männer in Europa aus FGM-praktizierenden Ländern zu CHANGE Agents ausgebildet. Um die potenziellen Agents zu finden, haben Charlotte Weil und ihre Kollegin unter anderem Flugblätter in Berliner Afroshops, Barbershops und Gemüseläden, die von Einwanderern betrieben werden, verteilt. 

Die CHANGE Agents sind in Deutschland mit den Communities aus ihren Heimatländern eng verwurzelt. Dieser Zugang, der Außenstehenden kaum gewährt wird, ist entscheidend für den Erfolg des Projekts. „Die Arbeit der CHANGE Agenten und ihre Kontakte sind essenziell”, sagt Weil. „Nur so können wir etwas verändern.”

In Deutschland führen Terres Des Femmes (in Berlin) und Plan International (in Hamburg) das Projekt durch. Auch in den Niederlanden, in Portugal, Frankreich, Italien und Großbritannien wird das Programm von Nichtregierungsorganisationen durchgeführt.

Die CHANGE Agenten werden geschult und auf ihre Rolle vorbereitet. Sie sollen die Frauen in ihren Communities über die Risiken und Folgen der Beschneidung aufklären. Die größte Herausforderung ist es, das Vertrauen der Community zu gewinnen und das Thema offen anzusprechen. „Lädt man in der guineischen Community zu einem Infotreffen zur weiblichen Genitalverstümmelung ein, kommt keine Frau”, berichtet Tiranke Diallo, eine andere CHANGE Agentin und Aktivistin.

Tiranke_NewSize.pngTiranke Diallo kämpft, wie einst ihre Mutter, für eine Ender der weiblichen Genitalverstümmelung.

Diallo ist eine große Frau, die akzentfrei Deutsch spricht. Diallo hatte Glück: Sie wurde nicht beschnitten. Denn Diallos Eltern, die aus Guinea stammen, zogen früh nach Berlin, zu einer Zeit, in der es keine große guineische Community in der Stadt gab. Ihre Mutter lebte sich gut ein und hatte deutsche Freunde. „Als ich klein war, gab es keine dunkelhäutigen Kinder in meiner Nachbarschaft. Ich hatte keine Freunde, die in Guinea geboren wurden. Das war mein Vorteil: Wären wir beispielsweise in einen Vorort von Paris gezogen, in dem es eine starke guineische Community gibt, wäre mein Schicksal vielleicht ein anderes gewesen.”

Erst als Erwachsene erfuhr Tiranke Diallo, dass ihre Mutter, Hadja Kaba, beschnitten war. Kaba war in einer Gesellschaft aufgewachsen, in der die Beschneidung von Frauen normal ist. So normal, dass Kaba als Siebenjährige darum bat, selbst beschnitten zu werden – genau, wie ihre beste Freundin kurz zuvor. Sie wusste nicht, welche Schmerzen und Probleme auf sie zukommen würden. Sie hörte nur, dass man erst nach der Beschneidung „dazu gehört” und „zur Frau wird”. Das wollte sie, erzählt ihre Tochter Diallo heute. Kaba verließ Afrika im Alter von 23 Jahren, um in Frankreich zu studieren. In ihrem neuen Leben in Europa begann sie, die Tradition der Beschneidung zu hinterfragen und begriff nach und nach, wie absurd und gefährlich dieser Brauch ist, der von Generation zu Generation weitergetragen wird. Im Jahr 2000 gründete sie dann den gemeinnützigen Verein „Mama Afrika”. Kaba verstarb im Jahr 2015. Heute wird die Vereinsarbeit von ihrer Tochter und ihrem Sohn in Guinea und Deutschland weitergeführt.

Tiranke Diallo1.jpgTiranke Diallo als junges Mädchen – sie hatte Glück: Anders als ihre Mutter, wurde Diallo nicht beschnitten.

„In Guinea haben wir einen Kindergarten errichtet, der vor allem durch Spendengelder finanziert wird”, sagt Diallo. Denn vor allem über die Alphabetisierung und Bildungsarbeit soll ein Weg gefunden werden, die Menschen in Guinea für das Thema Genitalverstümmelung zu sensibilisieren und über die Folgen und Risiken aufzuklären. „Viele Frauen in Guinea wissen wenig oder nichts über die fürchterlichen Folgen der Beschneidung.” Auch Saran Kaba aus Guinea, die derzeit in Berlin wohnt, um für einige Monate als Praktikantin für „Mama Afrika” zu arbeiten, bestätigt: „Die Risiken und Krankheiten infolge der Beschneidung werden verschwiegen. Folgeerkrankungen werden nicht als solche gesehen”, erzählt sie.

Sarah fgm germany.jpg„Ich habe noch nie eine unbeschnittene Vagina gesehen", sagt Sara Kaba, Ärztin, aus Guinea.




Kaba hat im letzten Jahr ihr Medizinstudium in Guinea abgeschlossen und schon als Ärztin in einem Krankenhaus gearbeitet. Doch eine unbeschnittene Vagina habe sie noch nie gesehen. „Das ist in Guinea einfach nicht normal. Dort ist es normal, beschnitten zu sein. Selbst unter Ärzten sind bei weitem nicht alle gegen die weibliche Beschneidung.”

Traditionen sind mächtig - der Wille zur Veränderung muss mächtiger sein 

In vielen Kulturen sind Rituale und Tradition oft stärker als die Vernunft. In China etwa galt der kleine Frauenfuß Tausende Jahre lang als Schönheitsideal. Dafür wurden Frauen die Füße gebrochen und eingeschnürt, sodass sie kaum noch gehen konnten. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts fand man den Brauch in allen Schichten – mit Ausnahme der ärmsten Bauern, die für die Feldarbeit funktionierende Füße brauchten. Erst mit der Industrialisierung wurde die Not nach Arbeitskräften groß, um mit den USA, Europa und Japan konkurrieren zu können. Gleichzeitig entstanden gesellschaftliche Bewegungen, die das Abbinden der Füße ablehnten.

Dieses Beispiel zeigt die Absurdität mancher Bräuche. Aber es zeigt auch, dass sich eine Tausend Jahre alte Tradition umkehren lässt.

Heute brauchen wir nicht nur Frauen, die auf ihren Füßen stehen können. Wir brauchen eine Gesellschaft, in der Frauen gleichberechtigt sind. Eine Gesellschaft, in der Männer und Frauen sich dafür stark machen, dass jede Frau über ihren ganzen Körper frei entscheiden darf – nur sie selbst und kein anderer.

Die Fakten auf einen Blick:
Was ist weibliche Genitalverstümmelung?
Die Weltgesundheitsorganisation definiert die weibliche Genitalverstümmelung (kurz: FGM) als ein Verfahren, bei dem die „weiblichen Genitalien ganz oder teilweise entfernt werden oder andere Verletzungen der weiblichen Geschlechtsorgane aus nichtmedizinischen Gründen“ vorgenommen werden. Es gibt vier Haupt-Typen von FGM, wobei nicht jede Beschneidung nach genau einem dieser Muster erfolgt.
Typ I: Die teilweise oder vollständige Entfernung der Klitoris.
Typ II: Die Beschneidung des sichtbaren Teils der Klitoris sowie die Entfernung der inneren Schamlippen – mitunter werden auch die äußeren Schamlippen verstümmelt.
Typ III: Der äußerlich sichtbare Teil der Scheide wird komplett entfernt und bis auf ein kleines Loch zugenäht.
Typ IV: Bezeichnet alle weiteren, medizinisch nicht begründeten Eingriffe, welche die Vulva und Klitoris der Frau nachhaltig schädigen. Darunter fallen etwa Verätzungen, Verbrennungen und das Auftragen von nervenschädigenden oder betäubenden Substanzen.
Was sind die gesundheitlichen Folgen und Risiken?
Laut der Frauenrechtsorganisation Terres des Femmes sterben 25 Prozent der Frauen bei oder an den Folgen der Beschneidung. Oft werden die Mädchen ohne Betäubung beschnitten – die Schmerzen sind unvorstellbar und nicht selten kommt es zu Traumata. Unfruchtbarkeit, chronische Schmerzen, ein hohes Geburtsrisiko für Mutter und Kind, Angststörungen und Depressionen sind nur einige der möglichen Folgen.
Wer ist betroffen?
Rund 200 Millionen Frauen und Mädchen sind weltweit aus kulturellen oder sozialen Gründen beschnitten worden - die meisten in Afrika oder dem Nahen Osten. Dennoch: Die weibliche Genitalverstümmelung ist ein globales Problem. Auch in der „westlichen Welt“ leben beschnittene Frauen und Mädchen, die gefährdet sind beschnitten zu werden. In der EU sind es nach Schätzungen mindestens 500.00 Frauen, die an den Folgen des Eingriffs leiden. 180.000 Mädchen gelten in der EU als gefährdet. 
Wie ist die gesetzliche Lage in Deutschland?
Weibliche Genitalverstümmelung ist nach deutschem Recht seit 2015 auch im Ausland strafbar (§§ 226a, 5 StGB). Die Bundesregierung hat im Dezember 2016 auf Initiative des Bundesfamilienministeriums eine Änderung des Passgesetzes beschlossen, um Verstöße im Ausland zu erschweren. Seitdem gilt: Wer mit Mädchen oder Frauen ins Ausland reisen will, um dort eine Genitalverstümmelung vornehmen zu lassen, dem droht künftig der Entzug des Passes. Doch dies zu kontrollieren, ist schwierig.