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Umweltschutz

Dieser Pilz verdaut Plastik und könnte so das weltweite Müllproblem lösen

Wikicommons: Jerzy Opioła

Wenn unsere Welt von einem definitiv zu viel hat, dann ist es Plastikmüll. Es gibt so viel davon, dass man ein wenig an der Frage verzweifeln möchte, wie wir die Milliarden Tonnen Plastik, die jedes Jahr weltweit produziert werden, jemals wieder loswerden sollen. Zum Glück gibt es innovative und mutige Denker, die, statt zu verzweifeln, so eine Frage als Herausforderung sehen und anpacken. Wie zum Beispiel der 21-jährige Boyan Slat und sein Plan, unsere Weltmeere von Plastikmüll zu befreien. Oder aber diese Idee hier, die so revolutionär ist, dass sie glatt zwei Probleme auf einmal lösen könnte!

Im Jahr 2012 entdeckten Wissenschaftler der Yale Universität eine außergewöhnlich spannende Pilzsorte und tauften sie auf den schicken Namen 'Pestalotiopsis microspora'. Gefunden wurde die Sorte in Ecuador und in Buenos Aires und von Wissenschaftlichern für eine ganze Reihe von Möglichkeiten getestet, unter anderem, um zu sehen, ob dieser Pilz Plastik vernichten kann! Jawohl, richtig gehört, Pestalotiopsis microspora hat die Fähigkeit, sich von Polyurethan zu ernähren.

Wissenschaftler haben weiter rausgefunden, dass es zwar ein bisschen Zeit und Training benötigt, um dem Pilz Plastik als Nahrung schmackhaft zu machen, aber es ist möglich. Zwei Wissenschaftlerinnen haben daraufhin beschlossen, weitere Pilze auf diese Eigenschaften zu untersuchen und sind dabei auf unglaubliches gestoßen! 

Denn es gibt sogar eine ganz Reihe an Pilzen, die Appetit auf Plastik entwickeln können und sogar in fast jeder Region der Welt (bis auf die Arktis) wachsen. Ein Plastik-essender Pilz also, der überall wächst und gedeiht. 
Katharina Unger, eine der zwei Wissenschaftlerinnen, war davon so begeistert, dass sie das ganze sogar noch einen Schritt weiter entwickelte. Sie arbeitet mit Julia Kaisinger von der Utrecht Universität zusammen, um einen Plastik-essenden Pilz zu entwickeln, der wiederum von Menschen verzehrt werden kann. 

Wie funktioniert das ganze? 

Diese kleinen, weißen, runden Schälchen, die man im Video sieht, bestehen aus Agar (aus See-Algen gewonnene Gelatine), Glukose und Speisestärke und haben die Funktion, quasi alles schön zusammen zu halten. In diese Schälchen platziert Katharina dann Plastik und träufelt einige Tropfen Pilzgeflecht hinein. Dieses Pilzgeflecht (das weiße, flockige Zeugs im Video) beginnt dann, sich von dem Plastik zu ernähren und dieses zu verdauen, um so langsam aber sich zu einem ausgewachsenen Pilz heranzureifen. Und da die Pilze Giftstoffe aus dem Plastik nicht speichern, sind sie hinterher für jeden verzehrbar.

Also wenn das nicht ABSOLUT faszinierend ist. Ein Pilz, der Plastik isst, der dann wiederum von Menschen gegessen werden kann. Nachhaltiger geht es kaum.

Es gibt sogar schon einen Namen für die Gerichte und Lebensmittel, die aus diesen Pilzen hergestellt werden: 'FU'. Das Video zeigt, dass die beiden Frauen sogar schon mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen experimentieren. 

Katharina Unger und Julia Kaisinger glauben fest an FU: „Die Produktion von Lebensmittel muss sich ändern und revolutioniert werden, damit Nahrungsmittel auch unter schwierigen natürlichen Bedingungen wachsen können."

Und sie haben Recht. In Anbetracht unserer wachsenden Weltbevölkerung und den Auswirkungen des Klimawandels, der den Anbau von herkömmlichen Lebensmitteln immer schwieriger macht, sind wir alle auf Lösungen angewiesen, wie wir uns in Zukunft ernähren.

Noch kann man FU in keinem Restaurant finden (noch befindet er sich in der Entwicklungsphase), aber wer schon mal eine Blick auf mögliche Tellergerichte werfen möchte, der kann das hier in der FU Gallerie machen.

Man darf gespannt sein, was die beiden Wissenschaftlerinnen sich noch so alles einfallen lassen. Ein Hoch auf den Pilz!