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Frauenrechte

Afghanistan: Frauen müssen nach Sexualverbrechen zum 'Jungfräulichkeitstest'

Ein schwarzer Vorhang vor einem kleinen Fenster ist alles, was den Raum des Polizeiquartiers in Kabul von der Außenwelt trennt. Doch das, was im Inneren vorgeht, bleibt geheim.

Diesen Raum lernt jedes Mädchen und jede Frau kennen, wenn sie Opfer eines sexuellen Verbrechens in Afghanistans Hauptstadt geworden ist - sei es Vergewaltigung oder vorehelicher Sex. Denn in diesen kahlen Raum werden sie gebracht, um sich einem „Jungfräulichkeitstest” zu unterziehen, bei dem die Polizisten nach Hinweisen suchen, die auf sexuelle Aktivität deuten lassen.

Wenn ein Mädchen oder eine Frau also sexuelle Gewalt erfahren hat, wird sich nicht unbedingt auf die Festnahme des Täters konzentriert, sondern erstmal festgestellt, ob das Jungfernhäutchen noch intakt ist.

„In Afghanistan ist das unversehrte Jungfernhäutchen sehr wichtig, wenn ein Mädchen oder eine Frau die Ehe eingeht”, erklärt eine Frau dem Reporter der New York Times. „Wenn das Jungfernhäutchen gerissen ist, dann ist es aus und vorbei - dann wird dein Leben zur reinen Hölle.”

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Die invasiven und wissenschaftlich höchst fraglichen Vaginal- und Rektaluntersuchungen, bei denen überprüft werden soll, ob das Jungfernhäutchen noch intakt ist, werden schon seit Jahrzehnten durchgeführt. Letztes Jahr hat Präsident Ashraf Ghani zwar versprochen, die demütigenden Untersuchungen abzuschaffen zu wollen, doch die Realität sieht immer noch anders aus: noch immer werden Dutzende Untersuchungen an Gewaltopfern durchgeführt.

Erst vor Kurzem wurde ein Mädchen im Norden Afghanistans für drei Monate inhaftiert, weil sie mit einem jungen Mann durchgebrannt ist. Im Gefängnis musste auch sie sich den Tests unterziehen. Die erste Untersuchung zeigte, dass ihr Jungfernhäutchen angeblich gerissen war. Eine zweite Untersuchung bestätigte dann aber ihre Jungfräulichkeit. Kurz darauf durfte sie das Gefängnis verlassen.

„Die Umstände, in denen diese Tests durchgeführt werden, sind absolut unmenschlich”, sagt Soraya Sobhrang, Mitglied der unabhängigen Menschenrechtskommission in Afghanistan. „Bei den Untersuchungen wird nicht erst auf die Einwilligung des Opfers gewartet - nein, im Gegenteil. 99% aller Vaginal- und Rektaluntersuchungen werden unter Zwang durchgeführt, egal ob das rechtlich abgesichert ist oder nicht.”

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Menschenrechtsaktivisten protestieren schon lange gegen diese fragwürdigen Methoden, die die Polizei in Afghanistan einsetzt.

Im Juli letzten Jahres, wurden ein Mädchen und ein junger Mann bezichtigt, Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe gehabt zu haben. Ein wütender Mob attackierte die beiden in den Straßen von Kabul. Das Auto, in dem die beiden gefunden wurden, stand schon in Flammen. Doch als die Polizei eintraf, verhafteten sie das Mädchen statt die Brandstifter. Laut New York Times wurde sie zu einer vaginalen Untersuchung mit auf die Station genommen.

Präsident Ghani sagte zu dem Vorfall: „Der ‚Jungfräulichkeitstest’ wurde von mir bereits verboten. Es ist falsch einen Test wie diesen durchzuführen. Doch es braucht seine Zeit, bis sich ein neues Verbot überall durchgesetzt hat, vor allem, wenn jahrelang solche Untersuchungen mehrmals wöchentlich auftraten.”

Die sogenannten Jungfräulichkeitstests in Afghanistan sind nur ein Beispiel von vielen, die zeigen, wie unterschiedlich - gerade rechtlich! - mit Männern und Frauen umgegangen wird. Deshalb setzten sich Global Citizen und CHIME FOR CHANGE dafür ein, dass weltweit ungerechte Gesetze, die Mädchen und Frauen diskriminieren, endlich außer Kraft zu setzen. Es ist Zeit, dass Mädchen und Frauen in jedem Land vor dem Gesetz die gleichen Rechte besitzen wie Männer.