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Frauenrechte

Politiker fordert weibliche Beschneidung, weil Männer Sextrieb nicht unter Kontrolle hätten

2016 trat in Ägypten ein neues Gesetz in Kraft, das die Durchführung einer weiblichen Genitalverstümmelung nicht mehr als leichten Verstoß einstuft, sondern als ein schweres Verbrechen. So weit die guten Nachrichten.

Allerdings haben nicht alle Politiker für diese Gesetzesverschärfung gestimmt. Elhamy Agina, ein Abgeordneter des ägyptischen Parlaments, sagte, dass Mädchen in seinem Land beschnitten werden sollten, weil ägyptische Männer ihren Sexualtrieb nicht unter Kontrolle hätten.

Auf Nachfrage erklärte Agina noch einmal seinen Standpunkt und fügte hinzu, dass Frauen zudem ihren „sexuellen Appetit” zügeln müssten.

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„Ich habe die Verschärfung des Gesetzes abgelehnt, weil wir ohne weibliche Genitalverstümmelung starke Männer bräuchten, die dem weiblichen Geschlecht widerstehen könnten - die haben wir aber nicht”, sagt Agina. „Denn die meisten wissen, dass ägyptische Männer in Sachen Sex das schwächere Geschlecht sind und Ägypten [außerdem] eines der führenden Länder ist, in denen potenzsteigernde Mittel konsumiert werden.”

Agina ist der Meinung, dass die weibliche Genitalverstümmelung bei allen Frauen durchgeführt werden sollte, um deren „sexuellen Appetit” zu verringern. Der Politiker wiederholte in den vergangenen Tagen seine Aussage noch einmal und fügte hinzu, dass seine Meinung auf „wissenschaftlichen Fakten” basiere.

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„Diese wissenschaftlichen Fakten basieren auf Studien. 50% aller ägyptischen Männer sind impotent. Das ist wie eine Krankheit”, sagt Agina laut Aussagen der BBC.

Die ägyptische Nachrichtenseite Ahram Online berichtete am 7. September, dass sich Agina nun vor dem Parlament zu verantworten habe, nachdem es über einhundert Beschwerden von anderen Abgeordneten und aufgebrachten Bürgern erhalten hatte.

Weibliche Genitalverstümmelung bzw. Beschneidung wurde in Ägypten schon im Jahr 2008 verboten. Trotzdem war und ist die Beschneidung nach wie vor beliebt: Fast 25% der mehr als 200 Millionen Überlebenden weiblicher Genitalverstümmelung leben in Ägypten. Der ägyptische Gesundheitsminister berichtete letzten Monat, dass noch immer 91% aller Mädchen beschnitten werden.

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Die Beschneidung soll Frauen davon abhalten, sich beim Geschlechtsverkehr erregt zu fühlen oder irgendeine Form von Vergnügen zu spüren. Dazu werden nicht selten die Schamlippen zusammengenäht oder Teile der Vagina abgeschnitten. Normalerweise werden bereits junge Mädchen beschnitten. Der Eingriff führt aber meist zu Schmerzen, Infektionen, erhöhtem Blutverlust und teilweise zum Tod.

Letztes Jahr wurde zum ersten Mal ein Arzt für weibliche Genitalverstümmelung in Ägypten verurteilt. Der Mediziner Raslan Fadl wurde schuldig gesprochen, nachdem eine 13-Jährige nach dem Eingriff an ihren Verletzungen starb. Er wurde zu 2 Jahren und 3 Monaten Gefängnis verurteilt, doch kam laut der britischen Zeitung Guardian bereits nach 3 Monaten frei.