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Gesundheit

3 Gründe, warum Geburten in Sierra Leone so riskant sind

Warum das wichtig ist
Jedes Jahr sterben in 50 Ländern mehr als 5 Millionen Frauen, Kinder und Heranwachsende an verhinderbaren Krankheiten. Um diesem unhaltbaren Zustand ein Ende zu setzen, wurde 2015 die Global Financing Facility (GFF) gegründet. Am 6. November wird Norwegen Mitveranstalter derAuffüllungskonferenz der GFF sein, auf der weitere 2 Milliarden US-Dollar für den Zeitraum von 2018 bis 2023 zusammenkommen sollen. Als Global Citizens können wir entscheidend dazu beitragen, dass dieses Ziel erreicht wird. Hier kannst du dich dafür einsetzen.

Pro Minute werden weltweit rund 250 Kinder geboren. Ein alltäglicher Vorgang, sollte man meinen. In manchen Gegenden der Welt bergen Schwangerschaft und Geburt jedoch nach wie vor hohe Risiken.

Laut Demographic and Health Survey für 2013 starben im selben Jahr in Sierra Leone pro 100.000 Geburten etwa 1165 Mütter. Damit hat das Land die höchste Müttersterblichkeitsrate der Welt.

Im weltweiten Maßstab liegt sie zudem signifikant höher als die zweit-, dritt- und vierthöchste Rate: In der Zentralafrikanischen Republik, im Tschad und in Nigeria bewegt sich die Müttersterblichkeitsrate laut CIA World Factbook im Bereich von 800 Todesfällen pro 100.000 Geburten.

Warum ist das so? Was hat zu den nachteiligen Bedingungen für schwangere Frauen in diesem kleinen westafrikanischen Küstenstaat geführt?

Ebola-Hotspot

2014 war Sierra Leone neben Liberia und Guinea eines der westafrikanischen Länder, die am stärksten unter dem Ebola-Virus litten. Es gab mehr als 14.000 Ebola-Verdachtsfälle und fast 4000 Ebola-Tote.

Die Zahl der Infizierten stieg bis 2016 rasant an. Für das fragile Gesundheitssystem des Landes stellte das eine enorme Belastung dar.

In einer Studie der World Bank Group kamen die Autoren zu dem Schluss, dass die Müttersterblichkeitsrate in Sierra Leone im Nachgang der Ebola-Krise um 74 Prozent anstieg. Das schwache Gesundheitssystem war nur ungenügend auf den Ausbruch vorbereitet, und weil sich auch die Angestellten im Gesundheitswesen mit dem Virus infizierten, fehlte es an Personal.

Erholung von Kriegsfolgen

Sierra Leone war Schauplatz eines grausamen Bürgerkriegs, der elf Jahre lang, von 1991 bis 2002, tobte und mehr als 50.000 Menschen das Leben kostete – und das bei einer Bevölkerung von gerade einmal 6 Millionen.

Der Krieg stürzte das Land noch tiefer in die Armut. Die Landwirtschaft kam fast völlig zum Erliegen und es wurden viele Einrichtungen wie Krankenhäuser und Wasserversorgungssysteme zerstört.

Auch das Gesundheitssystem des Landes litt erheblich unter dem Krieg. Ein massiver Mangel an Versorgungseinrichtungen, medizinischer Ausrüstung, Medikamenten und ausgebildetem medizinischen Personal war die Folge. Dieser Mangel war noch Jahre nach Kriegsende nicht beseitigt.

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Aus den neuesten Daten geht hervor, dass Sierra Leone 11 Prozent des Landeshaushalts für Gesundheit ausgibt. Das wäre einer der höchsten Werte weltweit.

Damit lägen die Gesundheitsausgaben von Sierra Leone höher als in Kanada, Japan und dem Vereinigten Königreich – im weltweiten Vergleich Platz 11. Aufgrund des chronischen Ärztemangels (0,02 pro 1000 Einwohner Sierra Leones) ist der Zugang zu hochwertiger medizinischer Betreuung jedoch nur schwer zu realisieren.

Schwester Josephine Pewa, Hebamme am George Brook Health Centre im Distrikt Western Area Urban von Sierra Leone, berichtet etwa, dass es viele schwangere Frauen nicht schaffen, sich zur Geburt in eine Gesundheitseinrichtung zu begeben.

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„Nachgeburtliche Blutungen werden häufig nicht richtig behandelt, wenn die Geburt in keiner entsprechend ausgestatteten Einrichtung erfolgt“, erläutert sie UNICEF.

Blutungen sind die häufigste nachgeburtliche Todesursache, vor allem in abgelegenen Gegenden des Landes, so Schwester Pewa.

Weibliche Genitalverstümmelung (FGM)

Sierra Leone ist eines von 29 Ländern in der Welt, in dem nach wie vor die Genitalverstümmelung von Frauen (FGM: Female Genital Mutilation) praktiziert wird. Häufig ist sie Bestandteil eines zeremoniellen Initiationsritus für Mädchen, der den Eintritt ins Erwachsenenleben markiert.

Laut einem Bericht, der dieses Jahr in Lancet erschien, hat Sierra Leone eine der höchsten FGM-Raten in der Welt.

Laut den neuesten Daten des Demographic and Health Survey von 2013 wurden 89,6 Prozent der Frauen im Alter von 15 bis 49 einer Genitalverstümmelung unterzogen.

Mit der FGM gehen viele gesundheitliche Risiken einher: Infektionen, unmittelbarer Schmerz, Schocks und Traumata. Und im Hinblick auf die Gesundheit von Müttern kann die am Mädchen vollzogene "Operation" noch Jahre später verheerende Folgen haben. Dazu zählen längere oder blockierte Wehen, nachgeburtliche Blutungen, Damm- und Scheidenrisse sowie Scheidenfisteln.

Scheidenfisteln sind eine verhinderbare Komplikation, bei denen sich eine Öffnung zwischen dem Genitaltrakt und dem Harntrakt oder Rektum einer Frau bildet. Laut Weltgesundheitsorganisation sind sie ursächlich für 6 Prozent aller Sterbefälle bei Gebärenden.

Viele der genannten Sterbefälle ließen sich in Sierra Leone durch bessere Bildung und Aufklärung, Fokussierung auf die Abschaffung gefährlicher Praktiken wie FGM und einen besseren Zugang zu medizinischer Versorgung von Schwangeren und Müttern verhindern.