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Diese 5 Schulen helfen LGBTQ+-Schüler*innen, sich sicherer zu fühlen


Warum das wichtig ist
Mit dem Global Goal 10 der Vereinten Nationen sollen Ungleichheiten  — unabhängig von Geschlecht, Sexualität oder einem anderen Status — verringert werden. LGBTQ+ Menschen werden auf der ganzen Welt diskriminiert und sind einem höheren Risiko ausgesetzt, in Armut zu leben. Schließ dich uns an und werde zu diesem Thema aktiv

Die Schulzeit sollte eigentlich Teil einer glücklichen Kindheit sein, die die Entwicklung fördert und als Fundament für ein erfolgreiches Leben dient. Und doch gibt es weltweit Menschen, deren Zugang zu Bildung durch Diskriminierung und Belästigung besonders erschwert wird. 

LGBTQ+-Schüler*innen sind laut einer Studie von GLSEN, einer Bildungsorganisation für LGBTQ+-Jugendliche, häufiger persönlich und online von Mobbing betroffen als ihre heterosexuellen und cis-geschlechtlichen Mitschüler*innen. Die Studie zeigt auch, dass Personal und Lehrer*innen den Missbrauch von LGBTQ+-Schüler*innen eher ignorieren oder falsch handhaben.

Nach der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte hat jede*r das Recht auf Bildung, – insbesondere auf Bildung, die das Verständnis für und die Freundschaft mit allen Menschen fördert, unabhängig von ihrer Identität. 

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Pädagog*innen und Mitglieder dieser Gruppen zusammenarbeiten können, um Fördersysteme für LGBTQ+-Schüler*innen bereitzustellen und zugängliche, sichere und bildende Räumlichkeiten für alle zu gewährleisten. Diese fünf Schulen gehen mit gutem Beispiel voran. 


1. Harvey Milk High School, New York City, USA

Als sie im Jahr 1985 veröffentlicht wurde, war diese High School in New York City die erste Schule in der Welt, die für LGBTQ+-Schüler*innen konzipiert wurde.

Die Bildungseinrichtung ist nach Harvey Milk benannt, dem ersten offenen schwulen Mann, der in ein öffentliches Amt in den Vereinigten Staaten gewählt wurde. Auch wenn die Schule einen besonderen Schwerpunkt auf Schüler*innen legt, die ihre Geschlechtsidentität oder ihre Sexualität divers ausleben, ist sie offen für alle. 

Die Harvey Milk High School gehörte ursprünglich zum Hetrick-Martin-Institut, einer offiziellen Bildungseinrichtung und einer der größten Organisationen des Landes für jugendliche und gefährdete LGBTQ+-Menschen. Zunächst praktizierte nur eine Lehrkraft in Vollzeit und es gab 17 Schüler*innen, aber im Jahr 2001 wurde die Schule offiziell als akkreditierte, vierjährige High School anerkannt, die Abschlüsse vergibt.

Eine nationale Umfrage zum Schulklima aus dem Jahre 2013 ergab, dass sich 55,5 Prozent der LGBTQ+-Schüler*innen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und 37,8 Prozent wegen des Auslebens ihrer Geschlechtsidentität unsicher fühlen. Die Harvey Milk High School will darauf reagieren, indem sie sichere Räumlichkeiten für diese Schüler*innen bereitstellt.

Im Leitbild der Schule heißt es: “Unsere Vision ist eine Schule, in der alle Schüler*innen die Welt um sich herum hinterfragen, gesunde und persönliche Identitäten entwickeln und an sinnvollen bürgerlichen und sozialen Erfahrungen teilnehmen, die es ihnen ermöglichen, ihre Bildungs- und Berufsziele zu formulieren.”

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2. Magic City Acceptance Academy, Homewood, USA

Die Magic City Acceptance Academy (MCAA) soll die erste öffentliche Charter-Schule werden, die sichere Räumlichkeiten für die LGBTQ+-Schüler*innen in Homewood, im Bundesstaat Alabama und in den USA bereitstellt. Nach drei Absagen erhielt die MCAA am 4. November ihre Genehmigung von der Alabama Public Charter School Kommission. 

Der Gründungsdirektor der MCAA, Michael Wilson, erklärt in einem Kommentar in den Alabama Local News, dass die MCAA keine LGBTQ+ Charter-Schule ist, sondern eine Bildungseinrichtung, die LGBTQ+-Lebensstile unterstützt. Das Bedürfnis für so eine Schule wurde durch das Magic City Acceptance Center forciert, das herausgefunden hat, dass LGBTQ+-Schüler*innen eher schikaniert oder Gewalt ausgesetzt werden und ein höheres Risiko für Selbstmord haben. 

Laut Wilson würden “die fünf Buchstaben, LGBTQ, Leute daran hindern, die ganze Vision der MCAA zu sehen, eine öffentliche Charter-Schule zu werden.” Er geht weiter darauf ein, dass der MCAA die Schwierigkeiten und Traumata der LGBTQ+-Jugend bekannt sind und den Schwerpunkt auf soziale und stärkende Gerechtigkeit legen wird. 

Die Schule soll im Herbst 2021 mit 250 Schüler*innen der Klassen sechs bis 12 eröffnet werden.


3. Dawatul Koran Third Sex Madrassa, Dhaka, Bangladesch 

Zum ersten Mal wurde in Bangladesch in der Hauptstadt Dhaka eine Schule eröffnet, die ausschließlich Transgender-Schüler*innen besuchen dürfen. 

Um die Eröffnung Anfang November 2020 zu feiern, versammelten sich Gemeinderäte, Schulvertreter*innen und führende Persönlichkeiten aus der Gemeinde in der Schule. Es wurden bereits 150 Schüler*innen aufgenommen, die kostenlos islamische und berufsbildende Fächer besuchen. 

Die Schule wird von einer Stiftung unterstützt, die vom verstorbenen Geschäftsmann Ahmad Ferdous Bari Chowdhury finanziert wurde. Ihm war es wichtig, Menschen über die Transgender-Gemeinschaft aufzuklären. Die Schule ist offen für Transgender-Menschen aller Altersgruppen, wie die BBC berichtete

“Hier kann jede*r aufgenommen werden, die/der sich als Transgender-Person identifiziert, egal welchen Alters”, erzähtlt Mohammad Abdul Aziz Hussaini, Sekretär für Bildung und Ausbildung der Dawatul Koran Third Sex Madrassa, gegenüber der BBC.

Die Regierung geht davon aus, dass es etwa 10.000 Hijras in Bangladesch gibt — der südasiatische Begriff für Transgender oder intersexuelle Menschen. Expert*innen glauben jedoch, dass sich die Zahl eher im Rahmen von 50.000 bewegt. Obwohl Hijras im Land offiziell anerkannt sind, berichten viele von Missbrauch und Diskriminierung. 


4. Ochanomizu Universität, Tokio, Japan

Die Ochanomizu Universität in Tokio ist eine weitere Bildungseinrichtung, die Schritte unternimmt, um Transgender-Student*innen besser zu integrieren.

Die renommierte Frauenuniversität war die erste Hochschule in Japan, die ihre Türen für Transgender-Frauen öffnete. 
“Wir nehmen Menschen auf, die ehrlich daran interessiert sind, an der Ochanomizu Universität zu studieren”, erklärt die Präsidentin der Ochanomizu Universität, Kimiko Murofushi, während einer Pressekonferenz im Jahr 2018. “Das ist ein ganz natürlicher Prozess in einer Gesellschaft, die Vielfalt begrüßt.”

Diese Entscheidung löste eine landesweite Diskussion über die Geschlechtervielfalt an Hochschulen aus. Auch die Tsuda Universität und die Japan Women’s Universität beraten sich inzwischen zu ihren geschlechtsspezifischen Zulassungsrichtlinien. 

Dennoch werden Transgender-Menschen in Japan weiter diskriminiert. Organisationen wie Human Rights Watch fordern das Bildungsministerium dazu auf, ähnliche Änderungen vorzunehmen, um die Transgender-Gemeinschaft in Japan zu unterstützen. 

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5. Sahaj International School, Kochi, Indien

Im Jahr 2016 wurde Sahaj International zur ersten Schule für Transgender-Schüler*innen in Indien. Die Bildungseinrichtung wurde von Kalki Subramaniam, Transgender-Aktivistin und Dichterin, gegründet und wird von Vijayraja Mallika, ebenfalls Transgender-Aktivistin, geleitet.

“Das Ziel der Schule ist es, [Transgender-Menschen] die Möglichkeit zu geben, anständige Berufe zu finden und ein Leben in Würde zu führen,” so Mallika zur BBC

Zudem werden die Fächer komplett von Transgender-Lehrer*innen unterrichtet, sodass sich die Schüler*innen sicher und inspiriert fühlen, erklärt Mallika weiter.

In Indien leben schätzungsweise zwei Millionen Transgender-Menschen, die 2014 nach der Entscheidung des obersten Gerichtshofs des Landes gleiche Rechte erhielten.

Dennoch erleben viele von ihnen weiterhin Missbrauch, werden schon in jungen Jahren von zu Hause rausgeschmissen und schließen ihre Ausbildung nicht ab, so die BBC.

Mallika berichtet, dass sie mit 700 Leuten sprechen musste, bevor sie jemanden fand, der ihr Räumlichkeiten zur Eröffnung der Schule zur Verfügung stellte. Inzwischen kann sie jedoch allen Lehrer*innen und Schüler*innen eine Unterkunft bieten. 

Die Aktivistin hofft, dass sie weitere solcher Schulen in ganz Indien gründen kann, um Transgender-Schüler*innen in anderen Regionen zu unterstützen. 

“Das wichtigste Werkzeug für die unterprivilegierte, diskriminierte, marginalisierte und unterdrückte Gemeinschaft ist Bildung. Denn Bildung führt zu Licht, Wissen, Wahrheit und Vertrauen”, erklärt Subramaniam der Indian Express


Durch diese Vorreiter werden Ungleichheiten nach und nach reduziert. Wenn auch du einen Teil dazu beitragen möchtest, diese Welt gerechter zu machen, dann findest du hier weitere Aktionen.