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Frauenrechte

Frau in Saudi-Arabien geht ohne Hidschab raus, um Frühstück zu kaufen. Männer wünschen ihr den Tod.

Twitter

Eine Frau aus Saudi-Arabien postete ein Bild von sich auf Twitter. Sie steht auf einem Bürgersteig; Sonnenbrille, langer Wollmantel, darunter ein weites, buntes Kleid ­– ihr Haar ist nicht bedeckt. Sie sagte, sie war gerade auf dem Weg Frühstück zu besorgen.

Nahezu überall in der Welt wäre das nichts aufregendes, eher eine ganz banale Sache. Ihre Follower hätten ihr ein paar Likes geschenkt und das wäre es dann auch gewesen.

Doch in Saudi-Arabien, wo Frauen Bürger zweiter Klasse sind, war es ein gigantischer Skandal. Es war ein offensiver Affront gegen die sozialen Normen, der Menschen im ganzen Land empörte. Einige wünschten der Frau, die bei Twitter den Namen Malak Al Shehri trägt, sogar den gewaltsamen Tod.

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Ein Mann schrieb, dass das Land sie umbringen und „ihre Leiche den Hunden hinwerfen solle“. Drohungen wie diese, brachten Al Shehri dazu, zuerst den Post und dann ihren Account zu löschen.

Es war eine schockierende Mob-Mentalität und ein Ausbruch männlicher Wut, der kaum vorstellbar ist. Schnell machte ein Hashtag die Runde, der Al Shehris Inhaftierung forderte. Wer weiß, was außerhalb des Internets passiert wäre, wenn der Wohnort der Frau bekannt gewesen wäre.

Dieser Vorfall ereignete sich Ende 2016. Doch noch immer werden Frauen in dem Wüstenstaat eingeschränkt und regelmäßig zum Schweigen gebracht. „Wir müssen innerhalb der Grenzen leben, die unsere Väter oder Ehemänner uns vorgeben", sagte Zahra, 25, gegenüber Human Rights Watch. (Frauen, die in Saudi-Arabien interviewt werden, geben aus Angst vor Strafe oft nicht ihren vollen Namen an.)

Frauen dürfen in Saudi-Arabien das Haus nicht verlassen, ohne eine Erlaubnis von einem Mann zu haben – Vater, Ehemann oder Sohn. Gleiches gilt für alle möglichen Aktivitäten im Alltag: Einen Arbeitsplatz anzunehmen, wählen zu gehen oder mit anderen Männern zu interagieren. Die Aussagen von Frauen haben im Gerichtssaal weniger Gewicht, als die von Männern.

Die New York Times rief kürzlich Frauen in Saudi-Arabien dazu auf, ihre Lebenssituation zu beschreiben.

Dies sind einige der Antworten: Ich hatte einmal in einem Taxi einen Unfall, und der Krankenwagen wollte mich nicht ins Krankenhaus bringen, bis mein männlicher Vormund kam. Ich hatte viel Blut verloren. Wenn er nicht in dieser Minute ankommen würde, wäre ich jetzt tot. "- RULAA, 19, Riad

„Jedes Mal, wenn ich reisen will, muss ich meinem Sohn im Teenageralter fragen, damit er es mir erlaubt" - SARAH, 42, Ärztin in Riad

„Meine Schwester ging in einen Buchladen, ohne die Erlaubnis ihres Mannes zu bekommen, und als sie zurückkam, verprügelte er sie ohne Hemmungen." - AL QAHTANIYA, 28, Riad

„Es ist erstickend. Ich würde mich lieber umbringen als damit zu leben. Ich halte an der geringsten Hoffnung fest, dass sich dies eines Tages ändern wird. "- H41, 19, Riad

Trotz dieser zahlreichen, frauenverachtenden Gesetzte, verbessert sich die Lage langsam. Dadurch, dass Frauen über das Internet mit dem Rest der Welt interagieren, wird das Ausmaß ihrer Unterdrückung vergleichbarer und deutlicher.

Sie verlangen deshalb zunehmend nach Gleichberechtigung. Gleichzeitig erhält der Rest der Welt so einen Blick auf die Strukturen und Missstände – das übt einen externen Druck auf das Land. Die Regierung hat einige Anstrengungen unternommen, um eine breitere soziale Beteiligung von Frauen zu fördern: Mehr Frauen gehen wählen, erhalten höhere Schul- und Universitätsabschlüsse, bekommen unabhängig von ihren Ehemännern einen Arbeitsplatz und verdienen ihr eigenes Geld.

All die Verbesserungen in Sachen Gleichstellung werden dennoch von Einschränkungen überschattet, wie etwa der Tatsache, dass Frauen bei der Wahl von einem männlichen Vormund beaufsichtigt werden müssen. Aber es gibt immerhin schon Schritte in die richtige Richtung.

Und hin und wieder versucht eine mutige Frau, die Barrieren zu durchbrechen, um für mehr Freiheit zu kämpfen, die das Leben von allen Frauen verbessern würde. Das hat auch die Frau auf Twitter getan – bevor sie dazu gedrängt wurde, sich zu verstecken. Dennoch: Ihre Botschaft wurde gehört.