Global Citizen ist eine Gemeinschaft, die aus engagierten Menschen wie dir besteht.

Menschen, die etwas über die größten Herausforderungen der Welt lernen und aktiv werden wollen. Leiste deinen Beitrag, um extreme Armut zu beenden.

Senior Clinical Research Nurse Ajithkumar Sukumaran prepares the COVID 19 vaccine to administer to a volunteer, at a clinic in London, Aug. 5, 2020.
Kirsty Wigglesworth/AP
Gesundheit

Durchbruch bei der Impfstoffforschung: Zwischenergebnisse zeigen mehr als 90-prozentigen Schutz

Warum das wichtig ist
Ein Impfstoff gegen Corona könnte Millionen Menschenleben weltweit retten und der Pandemie ein Ende bereiten – vorausgesetzt, dass alle Menschen gerechten Zugang erhalten. Deshalb setzen wir uns für die Finanzierung der einzigen globalen Initiative ein, die diesen Zugang für alle Menschen sicherstellen möchte – den ACT-Accelerator. Werde hier mit uns aktiv, damit jeder Mensch ein gesundes Leben führen kann.

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer und ließ die Börsenkurse weltweit in die Höhe schnellen. Das deutsche Unternehmen BioNTech und die US-amerikanische Firma Pfizer verkündeten gestern: Ihr gemeinsam entwickelter Impfstoffkandidat wies in einer ersten Zwischenprüfung einen Schutz von über 90 Prozent auf.

Damit ist der ermittelte Schutz vor einer COVID-19-Erkrankung sogar höher, als in diesem Stadium von den Forscher*innen erhofft. Die unabhängige Expertengruppe des Data Monitoring Commitees (DMC) gab zudem an, dass es bei der bisherigen Überwachung der Studie "keine ernsthaften Sicherheitsbedenken" gegeben habe.

Die vielversprechenden Ergebnisse resultieren aus einer Testphase mit über 43.000 Freiwilligen, die sich im Rahmen der Studie dem COVID-19-Virus ausgesetzt hatten. Etwa die Hälfte von ihnen erhielt entweder den Impfstoffkandidaten oder ein wirkungsloses Placebo. Mehr als 90 Prozent der bisher 94 identifizierten Corona-Fälle traten in der Placebo-Gruppe auf – was darauf hinweist, dass der Impfstoff das Virus wirksam stoppen konnte.

Schutz von 50 Prozent würde bereits für Zulassung ausreichen

Der Impfstoff wurde in zwei Dosen verabreicht. Pfizer gab bekannt, dass der Schutz etwa 28 Tage nach der ersten Impfdosis erreicht wurde. Die nachgewiesene Wirksamkeit von über 90 Prozent übersteigt zudem die laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Zulassung empfohlene Schutzrate von 50 Prozent bei weitem. Zum Vergleich: Die Grippeschutzimpfung hat einen nachgewiesenen jährlichen Schutz von 40 bis 60 Prozent.

"Mit den heutigen Nachrichten kommen wir unserem Ziel deutlich näher, Menschen weltweit den so dringend benötigten Durchbruch in Aussicht zu stellen und dabei zu helfen, dieser globalen Gesundheitskrise endlich ein Ende zu bereiten", so Dr. Albert Bourla, Vorsitzender und CEO von Pfizer, in der Pressemitteilung. "Wir freuen uns darauf, in den kommenden Wochen zusätzliche Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten zu veröffentlichen, die uns die Tausenden Teilnehmer*innen zur Verfügung gestellt haben."

Ähnliche Geschichten 15. April 2020 Wie Gameli Aheto als Arzt in Ghana gegen COVID-19 kämpft

Diese Fragen sind noch offen

Um die Wirksamkeit des Impfstoffs final zu bestätigen, müssen die Forscher*innen noch einige offene Fragen klären. So müssen sie darlegen, ob ihr Impfstoffkandidat gegen alle Verlaufsformen von COVID-19 Schutz bietet – und so auch gegen Erkrankungen mit wenigen oder ohne Symptome sowie für besonders schwere Verläufe. Eine besonders drängende Frage ist zudem, ob geimpfte Personen das Virus dennoch weiter verbreiten könnten, also auch dann, wenn sie selbst geschützt sind.

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, müssen zunächst alle Studienprotokolle vollständig veröffentlicht werden. Nur dann können weitere unabhängige Expert*innen nachvollziehen, ob der Impfstoff unabhängig vom Alter und der Verlaufsform schützt und wie lange dieser Schutz anhält.

Ähnliche Geschichten 17. April 2020 Zoonosen wie das Coronavirus und vernachlässigte Tropenkrankheiten sollten gemeinsam bekämpft werden

1,3 Milliarden Impfstoffdosen könnten 2021 hergestellt werden

BioNTech und Pfizer haben ihren Impfstoffkandidaten im Rahmen einer Zusammenarbeit entwickelt, die eine globale und gerechte Verteilung des lebenswichtigen Impfstoffs vorsieht. In ihrer Pressemitteilung geben sie an, dass im Jahr 2021 bereits 1,3 Milliarden Impfstoffdosen hergestellt werden könnten. Dabei legen sie allerdings nicht fest, wer den Impfstoff als erstes erhalten soll.

Die EU-Kommission hat unterdessen ihre monatelangen Verhandlungen mit den beiden Unternehmen erfolgreich abgeschlossen. In einem Vorvertrag sicherte sie sich so bereits 200 Millionen Dosen, weitere 100 Millionen Dosen seien im Gespräch. Gesundheitsminister Jens Spahn gab bekannt, dass er mit bis zu 100 Millionen Impfstoffdosen für Deutschland rechnen würde. Ein Sprecher der EU-Kommission betonte jedoch, dass die Verteilung der Impfstoffdosen sich nach dem jeweiligen Anteil der Länder an der EU-Bevölkerung richten würde. Zudem hätten sich die EU-Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet, keine Parallelverhandlungen mit Pharmaunternehmen einzugehen.

Ähnliche Geschichten 13. Oktober 2020 ACT-A: Das steckt hinter dem A-Team, mit dem wir die Coronapandemie weltweit beenden können

So können wir diese Pandemie beenden

Um diese Pandemie zu beenden, ist ein sicherer Impfstoff zwar von zentraler Bedeutung. Erfolgreich ist die Bekämpfung von Corona allerdings nur dann, wenn dieser Impfstoff auch allen Menschen weltweit zur Verfügung gestellt wird. Dafür setzt sich der Access to COVID-19 Tools (ACT) Accelerator, kurz ACT-A, ein. Er ist die einzige globale Initiative, die den gerechten Zugang zu COVID-19-Tests, -Behandlungsmethoden und -Impfstoffen für alle Menschen garantiert. Deshalb ist es für die Beendigung dieser Pandemie entscheidend, dass der ACT-A angemessen finanziert wird.

Sollte sich der erfolgversprechende Impfstoffkandidat von BioNTech und Pfizer nachhaltig als sicher erweisen und die breite Zulassung erhalten, wäre dies die schnellste Entwicklung eines Impfstoffs in der Geschichte der Menschheit. Damit die Menschheit allerdings tatsächlich Geschichte schreiben und die Pandemie beenden kann, muss sie jetzt unter Beweis stellen, dass Gesundheit kein Privileg für wohlhabende Länder ist, sondern ein Menschenrecht