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Klage gegen Nestlé wegen Kinderarbeit: noch immer keine Einigung in Sicht

Flickr: ILO in Asia and the Pacific

Es gibt kaum jemanden auf der Welt, der noch nicht von dem Schweizer Unternehmen Nestlé gehört hat. Ein Unternehmen, das in seinem über 100-jährigen Bestehen zum weltgrößten Nahrungsmittelhersteller aufgestiegen ist.

Die Nachrichten, mit denen das Unternehmen allerdings immer wieder im weltweiten Mittelpunkt steht, kann man durchaus als negativ bezeichnen. Zum Beispiel, wenn es um das Thema 'Trinkwasser' geht - die Dokumentation „Bottled Life” des Schweizer Journalisten Res Gehriger beispielsweise gewährt Zuschauern Einblicke in ein Geschäft mit Trinkwasser, die den Nestlé-Konzern in kein gutes Licht rücken.

Ähnlich verhält es sich beim Thema Kakao, den das Unternehmen überwiegend aus westafrikanischen Ländern wie der Elfenbeinküste oder Ghana bezieht. Bereits vor über 10 Jahren wurde deshalb in Kalifornien eine Klage gegen das Unternehmen eingereicht. Doch was genau waren die Hintergründe?

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Hintergründe der Klage - darum geht’s

Cocoa Child Labour.JPGFoto von Salvor.

Im Jahr 2005 hat sich eine Gruppe von Landarbeitern mit einer amerikanischen Anwaltskanzlei zusammengeschlossen, um Nestlé und weitere Unternehmen wegen Kinderarbeit zu verklagen.

Die Arbeiter behaupteten, dass sie als Kinder in Mali gefangen genommen und zur Sklavenarbeit an die Elfenbeinküste verschleppt wurden. All dies sei gegen ihren Willen bzw. den Willen ihrer Eltern geschehen. Auf der Plantage, auf der sie fortan arbeiten mussten, wurden sie misshandelt und gezwungen, 14-16 Stunden täglich zu arbeiten, ohne dabei entlohnt zu werden.

Die Kläger aus Mali argumentieren, dass das Unternehmen Nestlé - welches seinen Kakao unter anderem von diesen Plantagen bezieht - Menschenrechtsverletzungen in der Elfenbeinküste durch den Kauf von Kakao gefördert und unterstützt hat.

Nestlé allerdings konterte, dass sie nichts von der Kinderarbeit und der Ausbeutung der Arbeiter auf den Plantagen wusste.

Allerdings hielten die Kläger dagegen, dass die Schweizer Firma sehr wohl über die Kinderarbeit und die Ausbeutung auf den Plantagen Bescheid wusste und sogar die Bauern dafür bezahlten, alles zu tun, damit die Kosten für den Kakao so niedrig wie möglich blieben.

Die Bauern sahen in dieser Aussage grünes Licht, das ihnen erlaubte, Kinder aus Mali zu verschleppen und gegen ihren Willen auf den Plantagen zu halten.

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Lange Zeit kämpften die ehemaligen Kinderarbeiter für ihr Recht. 2010 - ganze fünf Jahre später - wurde die Klage dann abgewiesen, weil sie nicht unter den „Aliens Tort Claims Act” Kaliforniens fallen würde - ein Gesetz zur Regelung von ausländischen Ansprüchen. Die ehemaligen Kinderarbeiter schienen weit davon entfernt zu sein, jemals Gerechtigkeit zu erfahren.

Letztes Jahr wurde dann eine weitere Klage gegen das Unternehmen eingereicht - ebenfalls in Kalifornien. Auch hier geht es um den Vorwurf der Kinderarbeit: Nestlé und weitere Unternehmen (Hershey und Mars) sollten dazu verpflichtet werden, auf ihren Verpackungen auf die Beschäftigung von Kindern hinzuweisen. Andernfalls würden Konsumenten zu ahnungslosen Unterstützern von Kinderarbeit in Afrika gemacht.

Wie ist die derzeitige Lage?

Cocoa workers.jpg

Auch diese Klage von 2015 wurde abgewiesen.

ABER: Im Falle der ersten Klage, die Nestlé wegen Kinderarbeit verklagt, gab es dieses Jahr Neuigkeiten! Denn nach mehreren Gesuchen wurde der Klage wieder stattgegeben! Mittlerweile haben sich noch weitere ehemalige Kinderarbeiter angeschlossen, um endlich Gerechtigkeit für ihre verlorene Kindheit zu erhalten.

Die US-Handelskammer, die mit dem Fall konfrontiert war, drängt nun auf eine zeitnahe Anhörung durch den Obersten Gerichtshof.

Und was bedeutet das?

Falls die Kläger Recht bekommen sollten, könnte der Fall enorme wirtschaftliche und soziale Auswirkungen haben: nicht nur auf den Kakaoplantagen Westafrikas, sondern in sämtlichen Ländern, in denen Kinder zur Arbeit gezwungen werden. Denn die Klage könnte einen Präzedenzfall für alle weiteren Klagen gegen große Konzerne wie Nestlé darstellen.

Es gibt viele Unternehmen - in der Modebranche zum Beispiel oder Technologie-Unternehmen - die „behaupten”, dass sie nichts von Kinderarbeit in ihrer Wertschöpfungskette wissen.

Doch die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass weltweit ca. 215 Millionen Kinder arbeiten. Mehr als die Hälfte von ihnen wird zur Arbeit unter schrecklichen Bedingungen gezwungen. Dass niemand davon wissen will, scheint bei einer so hohen Zahl mehr als fragwürdig.

Im Falle von Nesté und den ehemaligen Kinderarbeiten aus Mali würde es also bedeuten, dass die Kläger nach mehr als 10 Jahren endlich Gerechtigkeit erfahren würden. Bleibt zu hoffen, dass sie jetzt nicht noch mal weitere 10 Jahre auf eine Entscheidung warten müssen.

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Ein „Gutes” haben solche - wenn auch kräfte- und zeitzehrenden - Klagen allerdings - es regt sowohl Verbraucher als auch Unternehmen zum Nachdenken an: Möchte man wirklich sein nächstes Smartphone von einem Unternehmen beziehen, das wissentlich Kinder zur Arbeit einsetzt? Oder möchte man wirklich das Unternehmen sein, das aus reiner Profitgier Menschenleben zerstört? 

Wenn niemand auf der Welt zur Verantwortung gezogen wird, wird sich nie etwas ändern. Deshalb sind solche Klagen, auch wenn sie sich über Jahre hinziehen, so wichtig. Für jeden einzelnen, vor allem aber für die betroffenen Kinder, denn jedes Kind verdient die Chance auf eine fröhliche Kindheit und eine Zukunft.