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Citizenship

Neues Gesetz gegen Menschenhandel in Indien könnte den Durchbruch bringen

Henri Ismail

Indien ist kurz davor ein längst überfälliges Gesetz zur Bekämpfung von Menschenhandel einzuführen, das bisherige Gesetzeslücken stopfen und den Menschenhandel im Land endlich beenden will.

Weltweit ist der Handel mit bzw. die Versklavung von Menschen das dritthäufigste organisierte Verbrechen. Laut dem 'Walk Free Foundation’s 2016 Global Slavery Index' sind in Indien mehr Kinder und Erwachsene in der modernen Sklaverei gefangen als anderswo auf der Welt. Insgesamt sollen allein auf dem Subkontinent 18,35 Millionen Menschen davon betroffen sein.

Der neue Entwurf will nun die bisherigen Gesetze zum Schutz vor Menschenhandel festigen und gleichzeitig die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Ministerien in Indien vereinfachen. Maneka Gandhi, Indiens Ministerin für den Schutz von Frauen und Kindern, räumt zeitgleich Versäumnisse der Regierung ein. Laut ihr wäre ein solches Gesetz schon vor 60 Jahren fällig gewesen.


Tausende Frauen und Kinder werden sowohl in Indien als auch in den Nachbarländern Nepal und Bangladesh ausgebeutet. Das Lockmittel ist dabei fast immer das gleiche: ihnen werden - vor allem der ärmeren Bevölkerung auf dem Land -  gut bezahlte Jobs in den Städten in Aussicht gestellt, die sich aber dann schnell als falsche Versprechungen entpuppen. Ebenso schlimm: ein weiterer, nicht unerheblicher Großteil der heutigen Sklaven wird von den Menschenhändlern schlichtweg gewaltvoll entführt und verschleppt.

Die meisten 'modernen' Sklaven werden zur Sklavenarbeit an private Haushalte und sogar an Hotels weiterverkauft. Andere werden in verschiedenen Industriezweigen als Zwangsarbeiter eingesetzt, um schwere körperliche Arbeiten zu verrichten. Mädchen und Frauen werden entweder zur Ehe gezwungen oder in die Zwangsprostitution gedrängt und an Bordelle verkauft.

Bei so viel Leid, Gewalt und Freiheitsberaubung fragt sich sicherlich niemand, ob diese Sklaven für ihre Arbeit bezahlt werden, oder? Falls doch: die Antwort lautet nein. Mehr noch, den meisten von ihnen wird auch der Kontakt zur Familie strikt vorenthalten, so dass nicht einmal ein Hilferuf versendet werden kann. 

Indiens neues Gesetz will nun an mehreren Stellschrauben ansetzen: zum einen will es dafür sorgen, dass allen Opfern ihre ungezahlte Löhne rückwirkend gezahlt werden. Darüber hinaus will es weitere Strafmaßnahmen vornehmen bzw. zur abschreckenden Wirkung erhöhen.

So sollen unter anderem Mädchen besser geschützt werden. Denn eine Masche der Menschenhändler ist es, sehr jungen Mädchen spezielle Hormone zu verabreichen, um ihre Geschlechtsreife zu beschleunigen, damit sie schneller in die Zwangsprostitution verkauft werden können. Diese verabscheuende Tat soll nun mit einer Gefängnisstrafe von bis zu 10 Jahren und einer Geldstrafe von 100.000 Rupien - umgerechnet ca. 1.300 Euro - bestraft werden.

Eine weitere Änderung greift eine Tatsache auf, die durchaus für Verwunderung gesorgt hat: denn bisher wurden nicht nur die Menschenhändler, sondern auch die unfreiwilligen 'Sklaven' als Verbrecher eingestuft und hinter Gittern gesteckt. Damit soll nun Schluss sein. Das neue Gesetz gegen den Menschenhandel soll den Opfern jetzt stattdessen Schutz bieten und sie auf ihrem Weg aus der Sklaverei unterstützen. „Das neue Gesetz will Stellung beziehen und sich ausdrücklich für den Schutz der Opfer aussprechen”, sagt Maneka Gandhi.


Opfer sollen mit Hilfe staatlicher Institutionen neue Identitäten und Unterstützung zur Wiedereingliederung in ein 'normales' Leben erhalten. Dafür fordert das Gesetz, dass mehr finanzielle Mittel für die Rehabilitation zur Verfügung gestellt werden. Gleichzeitig sollen Verfahren gegen Menschenhändler beschleunigt und noch mehr Anlaufstellen und weitere Möglichkeiten für Schutzsuchende bereitgestellt werden.

Zu guter Letzt sieht das Gesetz vor, eine Untersuchungskommission einzurichten, die sich einzig und allein dem Thema Menschenhandel widmet und eine Zusammenarbeit der verschiedenen Bundesstaaten sowie der Nachbarländer koordinieren und vereinfachen soll.

Die Gesetzesvorlage wird ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sein, vor allem, wenn man sich die Anzahl der gemeldeten Fälle von Menschenhandel genauer ansieht: 2014 wurden bereits 50% mehr Fälle von Menschenhandel verzeichnet als noch 2009. Damals waren es 3.000 Fälle, die zur Anzeige gebracht wurden. Und die Zahl ist steigt weiter. Das also dringend etwas passieren muss, ist eindeutig!

Und das neue Gesetz könnte weitere Vorteile haben: zum Beispiel Druck auf den illegalen Arbeitsmarkt ausüben oder aber faire Gehälter sicherstellen. Schon jetzt entfachte der Entwurf eine Debatte, nämlich darüber, ob Prostitution in Indien legalisiert werden soll oder nicht.

Bleibt zu hoffen, dass dieses neue Gesetz auch genau so - und vor allem bald - verabschiedet wird - und damit dem Kampf gegen Menschenhandel in Südasien weiter der Kampf angesagt wird. Weniger Sklavenarbeit würde auch heißen: weniger Kinderarbeit. Und dann in einem nächsten Schritt mehr Kinder, die stattdessen zur Schule gehen und so in Zukunft zu einer besseren wirtschaftlichen und vor allem sozialen Entwicklung des Subkontinents beitragen können.