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Nadia Murad walks out after her meeting with French president Emmanuel Macron at the Elysee Palace, in Paris, Oct. 25, 2018.
Francois Mori/AP
Frauenrechte

Nobelpreisträgerin Nadia Murad erinnert an die 2.000 Jesidinnen in IS-Gefangenschaft

Warum das wichtig ist
Konflikte und Krisen setzen Frauen und Mädchen weltweit Menschenrechtsverletzungen wie etwa sexueller Gewalt aus. Die internationale Gemeinschaft muss gemeinsam dafür sorgen, Opfer von Kriegsverbrechen zu schützen und zu unterstützen. Werde hier mit uns aktiv und setze ein Zeichen gegen geschlechterpezifische Gewalt.

Die Nobelpreisträgerin und Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad ruft die Weltgemeinschaft anlässlich des Welttages gegen Menschenhandel und Sklaverei zur Rettung der jesidischen Frauen im Irak auf, die sich noch immer in IS-Gefangenschaft befinden.

Um an die andauernden Menschenrechtsverletzungen im Irak zu erinnern, sprach Murad mit Trevor Noah, dem Moderator der US-amerikanischen Nachrichtensendung The Daily Show.

Murads Erfahrungen in IS-Gefangenschaft

Murad kennt die grausame Situation der gefangenen Jesidinnen aus eigener Erfahrung: Sie war eine der etwa 3.000 jesidischen Mädchen und Frauen, die 2014 durch die Terrorgruppe “Islamischer Staat” IS in die Sexsklaverei und den Menschenhandel verschleppt wurden. Die Jesiden bilden eine religiöse Minderheit im Irak. Durch den IS wurden sie zu einer Massenflucht gezwungen und zudem Opfer eines Völkermordes. Seitdem hat die Weltgemeinschaft versucht, Frauen und Mädchen aus der IS-Gefangenschaft zu befreien. Doch bis heute werden Tausende von ihnen vermisst.

Dank der Hilfe einer muslimischen Familie gelang Murad die Flucht in ein Flüchtlingslager im kurdischen Grenzgebiet. Anschließend fand die heute 27-Jährige fand mit Schutz in Baden-Württemberg. Seitdem klärt sie die Welt über die schrecklichen Verbrechen auf, die sich selbst erfahren und bezeugt hat, und kämpft gegen geschlechterspezifische Gewalt weltweit, seit September 2016 als erste Sonderbotschafterin für die Würde der Überlebenden von Menschenhandel der Vereinten Nationen.

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"Es ist unsere kollektive Verantwortung, den Menschenhandel zu beenden", so Murad in ihrem Gespräch mit Trevor Noah. "Ich hoffe, dass jede*r dazu beitragen kann, das Bewusstsein für diese Themen zu schärfen.”

IS-Terror im Irak hält bis heute an

Noah wies darauf hin, dass der anhaltende Konflikt im Irak seit der offiziellen Vernichtung der Terrormiliz IS weitaus weniger Aufmerksamkeit in den Medien erhalten habe. Murads Appell an die bis heute währenden Menschenrechtsverletzungen im Irak hätten daher leider nicht an Aktualität verloren.

"Ich wünschte, der Konflikt hätte aufgehört, als sie Bagdadi [der damalige Anführer des IS] oder den IS vernichteten, aber das ist nicht die Realität", so Murad.

"Die Realität ist, dass bis heute 2.000 jesidische Frauen mit Kindern in Gefangenschaft leben. Meine Schwägerin, meine Nichte, mein Neffe – wir haben zur Zeit mehr als 85 Massengräber in Sinjar [irakische Stadt in der Provinz Ninawa]. 60 Prozent der jesidischen Gemeinschaft sind vertrieben worden und unser Heimatland ist zerstört. Als der IS kam – und zwar länger als nur ein oder zwei Tage – hinterließ er eine Gemeinde, die sich ohne die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft nicht erholen kann.”

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Geflüchtete Jesid*innen brauchen internationale Hilfe

In der The Daily Show zeigte Noah ein Video von Murads Treffen mit US-Präsident Trump aus dem Jahr 2019. Damals bat Murad die USA, zu intervenieren und ihr bei der sicheren Rückkehr in ihre Heimat zu helfen. Trump unterbrach Murad und sagte: "Aber der IS ist weg.” Daraufhin erklärte Murad gegenüber Noah, dass eine der größten Herausforderungen für sie darin besteht, dass die Jesiden vielen Menschen, selbst führenden Politiker*innen, wenig bekannt seien.

Selbst wenn die internationale Gemeinschaft beim Wiederaufbau des Irak helfen würde, könnten viele irakische Geflüchtete von einer Rückkehr in ihre Heimat abgehalten werden. Denn auch im Irak leben viele Einheimische noch immer als Binnenflüchtlinge, erklärt Murad.

"Ohne Unterstützung und Absicherung können wir nicht zurückkehren", sagt sie.

"Ich kann euch sagen: Ich bin nicht froh darüber, eine Geflüchtete zu sein. Nachdem ich mein ganzes Leben mit meiner Familie verbracht habe, möchte man immer zuhause bleiben können".

Murad kämpft weiterhin für die Kompensation der Opfer von Kriegsverbrechen

Als Noah Murad nach ihrer Motivation für ihren unermüdlichen Einsatz für ihre Gemeinschaft fragt, sagt sie, weiterzumachen sei ihre einzige Wahl. Der IS tötete sechs von Murads Brüdern, insgesamt wurden 18 ihrer Familienmitglieder brutal ermordet.

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"Wie viele jesidische Familien warten auch wir immer noch darauf, eines Tages unsere Familienmitglieder zu sehen; sie in unserem Heimatland zu begraben", sagt sie.

2018 erhält Murad für ihre Verdienste für die Verteidigung der Menschenrechte den Friedensnobelpreis. Das Preisgeld nutzt sie, um Gerechtigkeit für ihre Gemeinde zu erwirken. 2019 rief sie mit dem Arzt Denis Mukwege, ebenfalls Friedensnobelpreisträger, den Global Survivors Fund ins Leben. Der Fonds setzte sich für die Kompensation von Überlebenden sexueller Gewalt in Konflikt- und Krisengebieten ein.

"Hoffentlich können wir heute dafür sorgen, dass die richtigen Menschen diese Botschaft hören: Wir müssen den Sex- und Menschenhandel von Frauen auf der ganzen Welt bekämpfen, egal wo und wie er passiert", so Noah.