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Frauenrechte

Vater verkauft aus Verzweiflung 6-jährige Tochter als Braut an 55-jährigen Mann

AP Photo/Rafiq Maqbool

Wie die International Business Times schreibt, hat ein Mann in Afghanistan aus Verzweiflung seine 6-jährige Tochter als Braut 'verkauft' und bekam als Gegenleistung eine Ziege, etwas Reis, Tee, Zucker und Speiseöl.

Dem Bericht nach zu urteilen, kaufte der 55-jährige Seyed Abdolikarim - ein Mullah aus der afghanischen Gemeinde Obeh - das Mädchen mit dem Namen Gharibdol, nachdem er hörte, dass ihr Vater große Schwierigkeiten hatte, die Familie zu ernähren.

Wie der Vater des Mädchens aussagte, konnte er es sich einfach nicht mehr leisten, seine Tochter zu ernähren. Die Ehe der Tochter würde also nicht nur sicher stellen, dass sie versorgt wäre, sondern allen anderen aus der Familie auch zu Gute kommen.

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Laut Aussagen habe sich der Vater dazu bereit erklärt, das Mädchen an den 55-jährigen Abdolkarim zu verkaufen, weil dieser einwilligte, „keinen Sex mit dem Mädchen bis zu ihrer Volljährigkeit zu haben”.

Nachdem Abdolkarim das junge Mädchen heiratete, zog er mit ihr nach Firozkoh in die Provinz Ghor , in der auch Verwandte des Ehemanns leben. Und wie sich herausstellte, waren vor allem die Frauen aus Abdolkarims Verwandtschaft sehr skeptisch. Anfangs dachten sie, es handle sich bei dem Mädchen vielleicht um seine Tochter, nachdem sie sahen, wie er sie abends auszog und bettfertig machte. Doch als sie ihn darauf ansprachen, waren sie über seine Antwort zutiefst schockiert: „Nein nein, das ist meine Frau. Ihr Vater hat sie mir verkauft”, erklärte Abdolkarim laut Observers seinen Familienangehörigen.

Nachdem die Verwandten diese Nachricht hörten, verständigten sie die Polizei sowie eine Frauenrechtsorganisation in Afghanistan. Ein Video zeigt, wie wütend die Frauen in der Familie auf die schreckliche Nachricht reagierten:


Die Frauenrechtsorganisation setzt sich nun für die Rechte von Gharibdol ein und will außerdem sicherstellen, dass dem leiblichen Vater das Sorgerecht entzogen wird. Auch Gharibdols Mutter, die von dem Verkauf erst hinterher erfuhr,  will sich von ihrem Mann scheiden lassen und die Organisation will ihr bei der Durchsetzung der Scheidung helfen - denn bisher ist Scheidung ein absolutes Tabuthema in afghanischen Kulturkreisen.

Und Dank der Frauen aus der Familie des 55-jährigen Abdolkarim, die bei diesem schlimmen Akt von Kindesmissbrauch zum Glück nicht tatenlos zugesehen haben, wurden beide Männer nun verhaftet.

Gharibdol ist inzwischen wieder mit ihrer Mutter zusammen und lebt an einem sicheren Ort. Nachdem man sie von ihrem 'Ehemann' weggeholt hat, wurde sie in einem Krankenhaus untersucht: nichts deutete darauf hin, dass das Mädchen zu sexuellen Handlungen gezwungen wurde.

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Leider ist das Schicksal von Gharibdol in Afghanistan kein Einzelfall. Sehr häufiger Grund dafür ist die extreme Armut, die in diesem Land herrscht. Diese macht es den Männer fast unmöglich, jeden in der Familie zu ernähren. Und aufgrund der starken patriarchalischen Kultur obliegt es auch nur den Männern, die Familie zu ernähren.  

Der Gedanke des Vaters war schlicht und ergreifend, dass er seine Familie ernähren musste und dabei nichts mehr für Gharibdol übrig blieb. Deshalb hat er sie gegen eine Ziege und weitere Lebensmittel eingetauscht. Diese Entscheidung sollte kein Elternteil auf der Welt je treffen müssen. Trotzdem sind viele Familien dazu gezwungen, ihre Töchter aus den Schulen zu nehmen und sie oft an ältere Männer zu verkaufen, damit ihre Versorgung ansatzweise gesichert werden kann. 

Das frustierende dabei ist die Tatsache, dass es genügend Essen auf der Welt gäbe, um alle Menschen zu ernähren. Wenn wir es schaffen könnten, Nahrungsmittel gleichmäßiger zu verteilen und in viele verschiedene Lösungsansätze investieren würden, müssten weniger Mädchen zur Ehe mit einem fast 50 Jahre älteren Mann gezwungen werden.

Es gibt viele Wege, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Gesetzeslücken zu schließen, würde zum Beispiel schon dabei helfen, Kinderehen illegal zu machen. Aber über die Gründe hinter einer solchen Kinderehe zu sprechen - nämlich Nahrungsmittelknappheit und Hunger - sind genauso wichtig. Denn nur wenn über beides gesprochen wird, können Mädchen wie Gharibdol vor einem solchen Schicksal bewahrt werden.