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Frauenrechte

Malaysia: Vergewaltigungsopfer soll Täter heiraten, damit es 'ihr besser geht'

Trillerpfeifen, Pfefferspray, Selbstverteidigungskurse, potentiell gefährliche Situationen erkennen: Das sind nur einige der Methoden, die man jungen Mädchen beibringt, um eine Vergewaltigung zu verhindern und sich selbst davor zu schützen – anstatt Männern beizubringen, nicht zum Täter zu werden.

Ein malaysischer Minister hat nun eine andere Lösung für die gesellschaftliche und psychische Zerstörung, die durch sexuelle Nötigung hervorgerufen wird, vorgeschlagen. Allerdings beinhaltet diese nicht das Erlernen von Selbstkontrolle Seitens der Männer.

Werde aktiv: Setz dich für das Recht eines jeden Mädchens ein, selbst zu entscheiden, ob, wann und wen sie heirat

Während der Diskussion über die Verbesserung des Gesetzes gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern, welche Kinderehen beinhaltet, schlug Datuk Shabudin Yahaya, ein Mitglied der amtierenden „Barisan Nasional Coalition“, dem Parlament vor, dass Vergewaltigungsopfer eine „neue Wende in ihrem Leben“ einschlagen könnten, indem sie ihren Vergewaltiger heiraten, so die malaysische Zeitung „Star Newspaper“.

„Vielleicht können sie durch die Heirat ein gesünderes und besseres Leben führen“, meinte Shabudin. „Und müssen dann nicht zwangsläufig eine schwarze Zukunft haben. Sie wird einen Ehemann bekommen und schließlich kann dies auch zur Abhilfe von sozialen Probleme dienen.“

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Shabudin, der schon als Richter die Scharia-Gesetze des Landes vertreten hat, behauptete, dass bereits neunjährige Mädchen, die die Pubertät erreicht hätten, „körperlich und geistig“ für die Ehe bereit wären: „Zu diesem Zeitpunkt entsprechen ihre Körper bereits denen einer 18-Jährigen“, meinte er.

Shabudins Statement wurde weltweit kritisiert.

„Ich war über dieses Statement außer mir“, sagte Sharmila Sekaran, Vorsitzende der Kinderrechtsorganisation „Voice of the Children“ gegenüber dem „Guardian“. „Eine falsche, gesetzlich zugelassene Vergewaltigung wird hier grundsätzlich gerechtfertigt.“

Datuk Seri Abdul Rahman Dahlan, ein Berater im Kabinett des Premierministers, hat Shabudins Vorschlag ebenfalls verurteilt.

„Es ist im 21. Jahrhundert nicht akzeptabel, vorzuschlagen, dass ein Vergewaltiger, der eigentlich strafrechtlich verfolgt werden sollte, sich auf legalen Weg aus der Verantwortung stehlen kann, indem er einfach sein Opfer heiratet“, erklärte er.

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Malaysia hat zwei Arten von Gesetzen, die die Kinderheirat im Land reglementieren. Nach dem Zivilrecht beträgt das Mindestalter 18 Jahre. In Einzelfällen kann man auch mit einer besonderen Genehmigung des Staatsministers ab 16 Jahren heiraten. Aber wenn nach der Scharia, die auf islamischen Gesetzen beruht, eine Ausnahmegenehmigung erteilt wird, können auch Kinder unter 16 Jahren heiraten. In Ländern wie Saudi-Arabien und dem Sudan erlaubt solch eine Genehmigung laut einem unabhängigen Bericht Kindern, die 10 Jahre alt sind, die Ehe.

Sexistische Gesetze, die Kinderehen und sexuelle Übergriffe erlauben, sind nicht nur auf Malaysia beschränkt. So hat beispielsweise Bangladesch kein Mindestalter für eine HeiratVergewaltigung in der Ehe ist in Indien und Malaysia immer noch legal. 

Wer jetzt glaubt, dass solche Umstände nur 'weit weg' oder in Entwicklungsländern geschehen, irrt gewaltig. 

In den USA benötigen viele Staaten einen Beweis für einen Zwang oder eine Nötigung, um Vergewaltigung in der Ehe strafrechtlich zu verfolgen. 2012 behauptete der Senator von Idaho, Todd Akin, dass weibliche Vergewaltigungsopfer von Natur aus resistent dagegen wären, von ihrem Angreifer geschwängert zu werden. In Deutschland hat es 25 Jahre gedauert, bis die Vergewaltigung in der Ehe 1997 als Verbrechen deklariert wurde.

Und Deutschland hat seine Gesetze gegen sexuelle Übergriffe auch nur dahingehend verändert, dass ein Opfer deutlich „Nein“ sagen muss, damit der Strafbestand einer Vergewaltigung verfolgt werden kann. Das heißt, ein Vergewaltigungsopfer muss immer noch seine Gegenwehr beweisen.

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In einer dreiseitigen Stellungnahme Anfang April beschuldigte Shabudin die Medien, seine Aussagen aus dem Kontext gerissen zu haben. Er bekräftigte, dass die Heirat keine „Hintertür für die Legalisierung von Vergewaltigung“ sei, aber wenn man seinem Standpunkt folgt, würde die Kriminalisierung von Kinderehen dem Gesetz der Scharia widersprechen.

Das Kinderschutzgesetz, das Anfang April in Kraft trat, kriminalisiert zwar das „grooming“ - also die Kontaktaufnahme (häufig online) und körperliche Annäherung an ein Kind mit klarer sexueller Absicht - aber es erwähnt mit keinem Wort die Kinderehe.

Global Citizen kämpft für das Ende der Kinderehe und dafür, dass Länder ihre Gesetze, die Mädchen und Frauen diskriminieren, ändern. Wer sich ebenfalls dafür stark machen will, kann hier unsere Petition unterschrieben, damit Kinderehen ein Ende haben.