Mit âLionâ kommt Ende Februar ein emotionales Meisterwerk in die Kinos: ein gefĂŒhlvoller und zugleich niederschmetternder Film, der die menschliche Seele in seiner GĂ€nze versucht widerzuspiegeln, in dem er die Suche eines Mannes nach seiner IdentitĂ€t in knapp 120 min. einfĂ€ngt. Der Film ist nicht ohne Grund fĂŒr 6 Oscars in diesem Jahr nominiert.
Der Film handelt von einem Jungen aus Indien namens Saroo, der im Alter von fĂŒnf Jahren von seiner Familie getrennt wurde, weil er in einen menschenleeren Zug einsteigt, der ihn tausende Kilometer von seinem Zuhause entfernt. Nach etlichen Tagen kommt er in Kalkutta an, wo niemand mehr seine Muttersprache Hindi spricht und wo er schnell lernen muss, den Gesetzen der StraĂe zu folgen, wenn er ĂŒberleben will.
Saroo wird bald darauf von einem wohlhabenden PĂ€rchen aus Australien adoptiert, womit sich sein Leben komplett auf den Kopf stellt. Als junger Mann kehrt er nach Indien zurĂŒck, um seine leibliche Mutter zu finden und mehr ĂŒber seine Vergangenheit zu erfahren. Um herauszufinden, an welcher Station er damals als 5-JĂ€hriger in den Zug gestiegen ist, benutzt Saroo Google Earth.

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Der Film spricht gleich mehrere Themen an: Adoption und das GefĂŒhl der Zugehörigkeit, Armut und Reichtum. Gleichzeitig spielt âLionâ mit dem Unterschied zwischen lokaler und globaler Zusammengehörigkeit.
Wenn es nach Luke Davies, dem Drehbuchautoren und Schriftsteller drei weiterer Romane, geht, liegt die Kraft des Films vor allem in âder Untrennbarkeit von strahlender Freude und tiefer Trauerâ.
Die bildstarke Inszenierung pendelt zwischen zwei Emotionen: auf der einen Seite das alles einzunehmende GefĂŒhl des Verlusts, auf der anderen Seite unbĂ€ndige Hoffnung. Der Film schreckt nicht davor zurĂŒck, die Armut Indiens so abzulichten, wie sie tatsĂ€chlich ist. Gleichzeitig versĂ€umt es âLionâ aber auch nicht, die Schönheit und Lebensfreude der Menschen einzufangen.
Drehbuchautor Davies stammt gebĂŒrtig aus Australien, lebt seit mehreren Jahren in Los Angeles. Hier schrieb er auch das Drehbuch zu dem Film âCandy - Reise der Engelâ, welcher auf einem seiner Romane basiert und mit Heath Ledger verfilmt wurde.
Ăber die Aufmerksamkeit, die dem neuen Film âLionâ geschenkt wird, ist er ĂŒberrascht: der Film ist fĂŒr sechs Oscars nominiert und die Chancen stehen gut, dass âLionâ in einer der Kategorien - Bester Film, bester Nebendarsteller, beste Nebendarstellerin, bestes adaptiertes Drehbuch, beste Kamera und beste Filmmusik - gewinnen wird.
In einem Interview mit Global Citizen beschreibt Davies, wie der Film âTeil einer weltweit gröĂeren Unterhaltung geworden istâ, in der es um Immigration und Globalisierung geht. ââLionâ feiert âdas Andersartigeââ, sagt Davies.

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Saroo, der indische Junge, der mit seinen Adoptiveltern in Australien aufwÀchst, versucht, irgendwie dazuzugehören - wie so viele andere Menschen, die versuchen, in einem fremden Land Fuà zu fassen.
Und wie viele andere auch muss er bei seiner Ankunft in Australien eine neue Sprache lernen und mit einer fĂŒr ihn neuen, völlig anderen Kultur zurecht kommen. Als heranwachsender Australier verlernt er, Hindi zu sprechen und irgendwann kann er sich nur noch wage an seine Kindheit erinnern.
Trotzdem ist er gefangen zwischen zwei Welten - zwei Kulturen - und weiĂ nicht so recht, mit welcher er sich identifizieren soll.
WĂ€hrend er das Drehbuch schrieb, besuchte Davies Indien gleich mehrere Male. Und jedes Mal war er eingenommen von den GegensĂ€tzlichkeiten, die ihm begegneten: âNirgendwo auf der Welt ist es so gegensprĂŒchlich wie in Indien. Das Land vereint diese Mischung aus Chaos, ScheuĂlichkeit, ein fĂŒr die westliche Welt seltsam leichter Umgang mit dem Tod und andererseits eine unwahrscheinliche Schönheit.â
âIndien vereint all diese GegensĂ€tzlichkeiten und wir wollten, dass unser Film eben genau das widerspiegelt und nicht ein kĂŒnstliches Indien.â

Davies war bei seiner weiteren Recherche zum Film mit dem wirklichen Saroo Brierley auf Spurensuche in Indien und lerne dabei auch seine Mutter Kamla und seine Adoptivmutter Sue kennen.
âDer spirituelle Kern des Films ist die Geschichte der beiden MĂŒtter und die Erfahrungen, die sie gemacht habenâ, sagt Davies. âDer Tag, an dem ich Saroos Mutter Kamla kennenlernen durfte, hat die Richtung des Films völlig verĂ€ndert. Als ich sie traf, umgab sie eine Aura, die ansteckend war, und die der Film unbedingt widerspiegeln musste.â
Der Film basiert auf Davies Buch âA Long Way Homeâ, das die wahre Geschichte von Saroo Brierley wiedergibt. Das Buch greift dabei zwei wichtige Themen auf, die in Indien nur allzu gegenwĂ€rtig sind: Obdachlosigkeit und die Tatsache, dass jedes Jahr rund 80.000 Kinder in Indien einfach verschwinden.

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Auf der offiziellen englischsprachigen Webseite des Films werden drei verschiedene Organisationen vorgestellt, zusammen mit der Möglichkeit, an diese zu spenden: Magic Bus, Childline und Railway Children. Alle drei Organisationen unterstĂŒtzen StraĂenkinder in Indien.
Beibt nur noch eins: Film angucken.Â